Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 198
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Vánoční poselství krajanům – vzpomínky na dětství v Horním Slavkově a myšlenky k roku 1990

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gestört werden. Da wurde ans Fenster geklopft. Die Tante, bei der wir lebten, ging hinaus. Es dauerte eine Weile bis sie wieder in der Stube war. Auch wurden keine Fragen gestellt, wenn zu dieser Zeit jemand etwas wollte. Wir haben auch dem sonderbaren Fensterklopfen keine Bedeutung gegeben. Wahrscheinlich, weil wir uns schon auf das Essen gefreut haben. Da gab es doch immer etwas ganz besonderes und ein gutes, reichhaltiges Essen. Wir Buben hatten stets einen guten Appetit in der damaligen Zeit. Nach dem Essen wurden die wenigen Kerzchen an dem Baum angezündet. Dabei merkten wir nicht, daß jemand die Stube verließ. Als wir nun da standen und unser Werk zufrieden beschauten, sagte die Tante: „Dreht euch halt einmal um". Ein Freudenschrei ließ die Fenster der Stube erzittern. Da stand unser Traum — ein „Rodler" — mitten in der Stube. Andächtig betrachteten wir das Prachtstück. Am liebsten hätten wir ja gleich ausprobieren wollen, ob er gut dahinsaust. Das wurde dann am 1. Weihnachtstag getan. Diese Überraschung damals habe ich nie vergessen. Es waren wohl die schönsten Weihnachten, die ich in meiner Kindheit erlebt habe, und die ich nie vergessen werde. Heute (d. h. schon früher) kann ich ermessen, welches Geldopfer für ein solches Geschenk erforderlich war.

In der jetzigen Zeit kann man viel leichter größere Geschenke machen. Ob sie aber so viel Freude bereiten, wie man es erhofft? Es ist alles in Überfluß da. Was gab es damals? Wie verlangend waren unsere Blicke auf die wenigen Dinge im Schaufenster der Schnittwarenhändlerin Schmalz bei der Mädchenschule gerichtet. Später wurden auch einige Stücke im Schaufenster des Buchbinders Wolf ausgestellt. Das war alles, was in der Heimatstadt ausgestellt war. So bescheiden galt damals unser Wunschdenken.

Wie ich schon geschildert habe, die Zeiten ändern sich. Aber niemand hätte sich vor 44 Jahren träumen lassen, daß wir so eine Zeit erleben, wie sie sich heute darstellt. Die Unterbringung war für viele Landsleute katastrophal gewesen. Viele Kinder hatten gar keine Geschenke zu erwarten. Ein geschmücktes Christbäumchen war wahrscheinlich auch nur selten. Von der Verpflegung gar nicht zu reden. Die wenigen Fleischrationen ergaben kein sättigendes Weihnachtsmahl. Wo blieben Stollen und Plätzchen? Unsere hier geborenen Kinder haben keine Ahnung, welches Leid von uns ertragen werden mußte. Wer kann sich heute noch vorstellen, daß es nicht einmal Brot gegeben hat? Wir wünschen, daß sich eine solche Zeit nie mehr wiederholen soll. Ich denke, daß wir alle den langen Frieden in Europa zu würdigen wissen. Möge dieser Frieden für immer gewährleistet bleiben. Wir haben allen Grund dankbar zu sein.

Die Ereignisse der letzten Wochen haben auch uns zutiefst berührt. Nach Jahrzehnten wurde unseren Landsleuten in der DDR die Freiheit gegeben. Die Freude bei ihnen war unbeschreiblich. Aber ein bitterer Tropfen ist dabei. Auch wir haben damals die Festtage in Lagern erlebt und dabei bitterste Not ertragen müssen. Nun ist bei den vielen tausenden Menschen in unserem Land die Not zwar erspart, aber das Getrenntsein von der Heimat und das Wohnen im engen Raum, wird für länger eine schwere Belastung sein. Die Wohnungsfrage wird eine schwere Bürde für uns alle werden. Hunderttausende Wohnungen zu beschaffen in kürzester Zeit ist ein unmögliches Unterfangen. Nicht nur die große finanzielle Belastung allein ist zu bewältigen. Man fragt sich: Woher nimmt unsere Regierung das Geld, das sie an die Länder Polen und Ungarn geben will? Da redet man von leeren Rentnerkassen, keine Mittel für Krankenhauspfleger u. a. m. und wirft an anderer Seite mit Milliardenbeträgen um sich. Auch die DDR braucht Hilfe und zwar ganz gewaltig. Dieses Land muß von Grund auf neu geordnet werden. Die Industrie ist veraltet und unrentabel. Unvorstellbare Aufgaben sind zu bewältigen. Wollen wir hoffen, daß alle Probleme gelöst werden können. Nun, wir haben schon einmal ein Wirtschaftswunder vollbracht, es wird und muß gelingen, auch diese Lage zu meistern.

Blicken wir mit Zuversicht dem kommenden neuen Jahr 1990 entgegen. Im Frieden wird es sich erweisen, daß sich die Opfer gelohnt haben.

Richard Brummeissl

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