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bedauern. Auch das restaurierte „Stöckl" scheint schon wieder Hilfe und Stütze zu brauchen. Doch aus dem großen Karree wunderschöner, aber viel zu verrußter Fassaden strahlten drei frisch- und weißgestrichene Fenster. Dieser zaghafte Versuch eines Menschen, aus dem ewigen Grau herauszukommen, war nahezu ergreifend.
An der Grenze wurden wir unglaublich schnell abgefertigt. Wir durften sogar im Auto sitzen bleiben, und die Rückwand des Kofferraumes wurde auch nicht abgeklopft. Beinahe hätten wir das Schild mit den Worten „Auf Wiedersehen!" nicht bemerkt. Ich glaube nicht, daß ich noch einmal anschauen kann, wie unsere Heimat Meter für Meter zerstört wird. Keine Liebe schützt sie mehr . . .
Wer nichts weiß und hören will von Damals, begreift das Heute nicht.
RICHARD WOLF
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Die Karlsuniversität in Prag: Spiegel der deutsch-tschechischen Nachbarschaft
Zu diesem Thema sprach in einer Vortragsveranstaltung der Ackermann-Gemeinde und des Katholischen Bildungswerkes Ingolstadt Prof. Dr. Ernst Nittner (Flintsbach). Der Referent, der selbst an der deutschen Universität in Prag studiert hatte, zeichnete vor dem Hintergrund der Gesamtgeschichte Böhmens und Mitteleuropas die Entwicklung der Karlsuniversität.
Er warnte vor modernen, rückwärtsgewandten Verzerrungen und vor dem Glauben an vermeintliche Gesetzmäßigkeiten. Der Wandel des Universitätsbetriebes, der soziologischen Gegebenheiten und der weltanschaulichen Bewußtseinslage machen billige Vergleiche unmöglich.
1348 hatte Karl IV. die Universität als böhmische Landesuniversität gegründet. Sie hatte, da Prag damals die Hauptstadt des Reiches war, auch Bedeutung für dieses Reich, war aber keine „Reichsuniversität" im Sinne späterer Entwicklungen.
In der Zeit des Reformators Jan Hus kam es an der Universität zum Streit um den Abstimmungsmodus zwischen den „Nationen", der zum Kuttenberger Dekret von 1409 und zum Auszug der deutschen Studenten und Professoren in Prag führte. Jedoch war auch dies keine „nationale" Auseinandersetzung im modernen Sinn.
Nachdem die Habsburger die Herrschaft im Lande übernommen hatten, wurde 1654 die Universität als Carolo-Ferdinandea neu gegründet. Dieser Gründung gewährten die Herrscher allerdings keine freie Selbstverwaltung wie einst. Die Bildungssprache war Latein. Tschechisch spielte keine Rolle. Dennoch herrschte auch zu dieser Zeit an der Universität keine kulturelle „Finsternis" für die Tschechen, bereitete sich doch gerade hier die erstaunliche nationale Wiedergeburt dieses Volkes vor.
Der Nationalismus des 19. Jahrhunderts leitete die leidvollste Zeit der Universitätsgeschichte ein. 1882 war die Carolo-Ferdinandea in eine tschechische und eine deutsche Universität geteilt worden. In dieser Zeit nationalen Kampfes hatten besonnene Elemente keine Wirkungsmöglichkeit. Als Hitlers Truppen in Prag einmarschiert waren, wurde die tschechische Universität geschlossen, am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die deutsche Universität aufgehoben.
So war, wie Prof. Nittner sagte, die Universität Prag jahrhundertelang Konfliktherd und Stätte des Ringens um Macht, aber eben auch „Stätte der Forschung, des Nach- und Weiterdenkens, des Ringens um Erkenntnis, oftmals des geistigen Aufbruchs.
Dieter Salomon
(Mitteilungsblatt der Ackermann-Gemeinde)
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