Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 178
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Člověk míní, Pán Bůh mění...

Schätze, die wir geschenkt bekommen hatten. Dann erzählten wir von Frau Gräfs allerschönstem Christbaum mit seinen herrlichen blaugrünen Zauberkugeln und den schimmernden Perlengirlanden. Unsere Großmutter hatte wegen ihres Sturzes keinen Christbaum mehr aufstellen können, aber im Herrgottswinkel war frisches Reisig und hinter den vielen Familienbildern und dem Spiegel steckten Fichtenzweige. In den Fenstern lagen dicke Moospolster mit Reisern darin.

Schon bald am Nachmittag deckte Mama den Tisch zum Kaffeetrinken, denn wir sollten zeitig zum Zug nach Töppeles, wenn wir nicht in die Dunkelheit kommen wollten. Großmutter zündete Räucherkerzen an und das Öllämpchen im Herrgottswinkel, dann brachte sie den Striezel, Butter und Sirup. Draußen vor dem Fenster quoll trüber Dunst. Mir graute vor dem Heimweg. Jetzt hinaus müssen aus dem gemütlichen Stübchen, wo das Feuer so schön im Ofen knisterte, wo es nach Weihnachten duftete, wo es Gutes zu naschen gab, wo ich mich unendlich geborgen fühlte, — das war mir ausgesprochen zuwider. „Lieber Gott, kannst du nicht etwas tun, daß wir heute noch nicht fort müssen?" so ungefähr dachte ich mehrmals. Doch da stand Mama plötzlich auf und rüstete zum Aufbruch. Sie wollte aber noch zum Brunnen, um für Großmutter die Vorratsgefäße mit Wasser zu füllen. Heini und ich liefen voraus die Stiege herunter. Kaum waren wir auf den Hof getreten, rutschte der Boden unter unseren Füßen so schnell hinweg, daß wir der Länge nach mit der gesamten Hinterfront aufprellten. Wir wimmerten und stöhnten, und bevor wir unsere gute Mama noch warnen konnten, war sie ebenfalls ahnungslos auf das tückische Eis getreten, wo ihr das gleiche Mißgeschick widerfuhr wie uns. Die Wasserkannen flogen im hohen Bogen durch die Luft und schepperten sodann über die spiegelnde Eisfläche. Es war uns in der friedlichen Abgeschiedenheit von Großmutters Stübchen völlig entgangen, daß der stundenlange Nieselregen zu Eis erstarrt war.

Nun hatte ich, was ich wollte. Unter den gegebenen Umständen war überhaupt nicht daran zu denken, daß man bis Töppeles kommen konnte. Heini machte einen Versuch, er kam aber nur bis zu Schönhansels Hausgarten, dann rutschte er auf dem Hosenboden in den Graben. Mama war ratlos. Sie konnte Vater nicht erreichen. Ich glaub, es gab damals in Gfell noch kein Telefon, denn es hatten noch nicht einmal alle Häuser elektrisches Licht. Nach Schlaggenwald konnte man ebenfalls nicht, höchstens kriechend. Selbst wenn gestreut worden wäre, hätte das nicht viel genützt, denn wegen des ständigen Regens hätte sich sofort ein neuer Eisspiegel gebildet. Mama regte sich schrecklich auf. Daß sie Vater nicht verständigen konnte, empfand sie als persönliche Schwäche. Zum Schluß wickelte Großmutter ausgeschnittene Lappen von alten Säcken um unsere Schuhe. Aber auch das half nichts. Mama sah endlich ein, daß wir nicht weg konnten, langsam beruhigte sie sich. Wir redeten ihr alle gut zu. Und es wurde ein wundervoller Abend. Auf dem Tisch brannte die Petroleumlampe, Heini baute seine Steine auf, ich spielte mit meiner Mamapuppe und die beiden Frauen erzählten aus ihrem Leben.

Nach dem Abendessen krochen wir bald unter das dicke Federbett in der Schlafkammer. Wir waren müde nach diesem ereignisreichen Tag. Bevor mir jedoch die Augen zufielen, wünschte ich mir noch innig, daß es nicht so schnell zu regnen aufhören sollte.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, waren die Fenster so schneeverweht, daß man kaum raussehen konnte. Ich hörte aus der Stube Mamas aufgeregte Stimme. Da nun die Straßen und Wege derart zugeschneit und zugeweht seien, könnten wir erst recht nicht weg, so jammerte sie. Großmutter antwortete beruhigend, daß die Männer aus dem Dorf sicher bald die Straße freischaufeln würden, dann könnten wir in Ziegelhütten den Nachmittagszug erreichen.

Es hatte aufgehört zu schneien. Wir schauten alle Augenblicke nach dem Himmel, er hing grau und schwer über uns. Ich hatte schon längst auf die Erfüllung meines Wunsches verzichtet, da ich meine Mama so bedrückt sah. Ich hoffte nun für sie, daß wir bald heim konnten. Da kam gegen Mittag der Dickl-Pepp. Er berichtete uns, daß nun die Straße passierbar sei und wir zum Bahnhof könnten. Er würde nachher die Rösser vor den Schlitten spannen und uns nach Ziegelhütten bringen.

So wurde es dann auch wirklich gemacht. Großmutter packte uns noch in warme Decken und gab uns herzliche Grüße für den Vater mit. Dann ließ der Pepp die Peitsche knallen, und ab ging die Post. Als wir später in die Straße nach Ziegelhütten einbogen, hörten wir schon unseren Zug irgendwo durch das Tepltal pfeifen. Bei der Station machte der Pepp eiligst kehrt und trieb die Rösser an, denn es hatte wieder zu schneien begonnen. In Aich, am Deischl, in Meierhöfen, überall kämpften viele Männer gegen die gewaltigen Schneemassen, die Straßen und Wege blockierten. Wir hörten später, daß auch die Bahnstrecke eingeschneit gewesen war. Unser

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