Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 177
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Nezapomenutelný výlet na kole do Horního Slavkova (Schlaggenwald)

Denkwürdige Radpartie nach Schlaggenwald

Das Beglückende des Altwerdens besteht in der fortschreitenden Verlebendigung der Erinnerung. Je älter wir werden, desto plastischer steht Kindheit und Jugend vor unserem inneren Auge. Gewiß neigen wir dazu manches zu glorifizieren, ja wähnen es in all den langen Jahren längst im Mythologischen angesiedelt. Wenn wir dann vor den Stätten unserer Kindheit stehen, soweit sie überhaupt noch erhalten sind, bleibt uns nur das Staunen. Es fällt uns nicht leicht Fata Morgana von Realität zu trennen, wie sie uns in langen Jahrzehnten in Erinnerung und Traum begleitet haben, so zeigen sie sich jetzt unseren tief bewegten Sinnen.

So erging es mir bei allen späteren Besuchen dieses liebenswerten alten Kaiserwaldstädtchens. Nun aber zur besagten Radpartie, in deren Mittelpunkt ein recht belustigendes Erlebnis steht, zumindest aus heutiger Sicht, denn damals 1946 war sie sicher ein recht gewagtes Unternehmen. Es war im August 1946, der tschechische Verwalter (Spravce) des elterlichen Geschäftes in Fischern hatte mich, Vater und einen weiteren Uhrmachermeister nach langen Bemühungen unsererseits endlich zur Aussiedlung freigestellt. Humaner Transfer nannte er das etwas verschämt. Das war die offizielle Bezeichnung tschechischerseits, besonders vor ausländischen Beobachtern und Presseleuten, um dieser unfaßbaren Kulturschande einen etwas menschenfreundlichen Akzent zu verleihen. 3 Wochen also blieben mir noch um mich von der angestammten Heimat, von dem Erarbeiteten der Eltern, von Existenz und allen übrigen lebenswerten Dingen für immer zu verabschieden. Was schien mir da näherliegender als dieses mir so ans Herz gewachsene liebe alte Kaiserwaldstädtchen, die Welt der Urgroßeltern, Großeltern, Eltern und meiner schönsten Kindheitstage nochmals wiederzusehen, vielleicht ein letztes Mal.

Wie aber hinkommen? Die Benutzung aller öffentlichen Verkehrsmittel war uns Deutschen verboten. Zu Fuß den altvertrauten Waldweg ab Karlsbad, die Tiergartenstraße, über Wildpark, Dopplerberg, Heider-Forsthaus und Sand zu wählen war zu zeitraubend, außerdem in dieser bewegten Zeit damals doch recht riskant. Blieb also nur das Fahrrad. Auch das war gewagt, denn wurde man unterwegs als Deutscher erkannt, war der Verlust des Fahrrades ziemlich sicher.

Da dachte ich an zwei Radsportfreunde, besonders der eine konnte uns von Nutzen sein, wie mir schien, denn er und seine Eltern hatten durch längerjährigem Aufenthalt in England die dortige Staatsangehörigkeit erworben. Er trug daher die englischen Farben in Form eines kleinen Fähnchens am Rockaufschlag. Wir nannten ihn kurz Papier-Ossi, da seine Eltern in unserem Hause „Seeland" in Karlsbad ein Schreibwarengeschäft betrieben. Kohlen-Otto nannten wir den anderen, denn er war Inhaber eines Kohlengeschäftes in unserer Straße.

Als ich den beiden meinen Plan vortrug, waren sie gleich einverstanden. Unser Engländer, der natürlich mehr Karlsbader war, wollte uns im Falle einer Kontrolle naiverweise als schweizer Verwandte ausgeben. Eine Identifizierung seitens staatlicher Organe wäre uns sicher damals teuer zu stehen gekommen, denn wir hatten keinerlei Papiere bei uns auf dieser Fahrt. Wir beschlossen also möglichst verkehrsarme Wege zu wählen, um so wenig wie nur möglich aufzufallen.

An einem heißen Augusttag fuhren wir los. Wir benutzten stadtauswärts den versteckten und wenig begangenen Weg an der Karlsbader Badeanstalt entlang und fuhren auf der Karlsbader Egerseite bis Donitz. Die Badegäste an der Eger nahmen kaum Notiz von uns. Vorsichtshalber fuhr unser Engländer an der Spitze. Ab Donitz mußten wir aber die Hauptstraße benutzen und vor Aich kamen uns mehrere vollbesetzte Militär- und Polizeifahrzeuge entgegen, deren Insassen uns aber nicht beachteten. Wenn wir auch äußerlich keinerlei Unsicherheit zeigten, so war uns doch innerlich recht unwohl zu Mute. Die Straße durch Aich war wie leergefegt, was uns wieder aufatmen ließ. Als wir die Straße zum Hans Heiling einbogen, umfing uns bereits eine weihevolle Stille. An einem besonders schönen Fleckchen machten wir Halt, um uns ganz dieser Stimmung hinzugeben. Es schien als ob die Natur in stiller Andacht verharrte, und fast war ich geneigt die Hände zu falten, denn Pan war gegenwärtig. Seine Palladine verkündeten es. Die Grillen zirpten, die Vogelwelt jubilierte ihre Lebensfreude in die Welt hinaus und bunte Schmetterlinge gaukelten von Blume zu Blume. Damals schon ging mir auf, daß die Natur uns zur Erkenntnis verhilft unser Leben als einmaliges Daseinswunder zu begreifen, und wir sollten nichts unversucht lassen, es dementsprechend zu gestalten. Möge uns, vom Rationalismus beherrschten Westlern, das Naturverständnis östlicher Weisheitslehren, das bis in die Tiefen des Kosmischen reicht, doch etwas vertrauter werden. Nach dieser besinnlichen Rast setzten

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