Liebe Schlaggenwalder!
Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit den Schlaggenwalder Heimatbrief kennen zu lernen. Habe ihn gleich abonniert. Ich bin aus Schönfeld. Jahrgang 1916 u. habe von 1927-1930 die Bürgerschule in Schlaggenwald besucht. Vielleicht können sich noch einige an die Lochschmidt Anna (verehelichte Egerer) erinnern. Z. B. Flott Annl (eine gute Turnerin), Hubl Erna, Zech, Schmidt Luise (Poschitzau), Gößl Annl (Leßnitz). Beide Städte haben vieles gemeinsam, man kennt sich auch durch die vielen gegenseitigen Besuche und ich bedauere sehr, daß wir Schönfelder uns nicht dem Schlaggenwalder Heimatbrief angeschlossen haben. Ich hoffe, hie und da mit einem kleinen Beitrag die schwere, selbstlose Arbeit von unserem Freund Richard Brummeissl (und seiner Frau) unterstützen zu können.
Mit heimatlichen Grüßen
Anna Lochschmidt, verh. Egerer (Schönfeld)
Der Heimatbrief ist die letzte Brücke zur Heimat, deshalb werbt neue Bezieher!
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So war es damals
Unser Städtchen Schönfeld war in den zwanziger Jahren ohne jedes öffentliche Verkehrsmittel. Wer mit dem Zug fahren wollte, mußte nach Schlaggenwald, Schönwehr oder Petschau laufen. Karlsbad war ungefähr 22 km von uns entfernt. Dort waren den Sommer über viele junge Leute als Zimmer- und Serviermädchen, Kellner und Köche beschäftigt. Sie brauchten viel Wäsche.
Wir waren 5 Kinder und Vaters Verdienst als Porzellanmaler recht schmal. Da kam meine Mutter auf den Gedanken einen Botengang nach Karlsbad einzurichten. In einem großen Buckelkorb holte sie nun dreimal in der Woche die schmutzige Wäsche der Angestellten ab, deren Angehörige wuschen und bügelten sie, und Mutter brachte sie wieder zurück. Meine größte Freude war es, wenn ich in den Schulferien ab und zu mitlaufen durfte. Barfuß (Schuhe gab es damals doch nur sonntags), ging es 5 Stunden über Stock und Stein, durch Wald und Wiesen. Mutter erzählte die abenteuerlichsten Geschichten. Ich glaube die meisten hat sie selber erfunden. Bei kurzem Rasten aßen wir trockenes Brot und tranken Quellwasser. Es schmeckte herrlich. Einen Rastplatz hatte sie neben den „Zwergenstafferln" zwischen Lanz und Pirkenhammer. Ich habe die Stafferln immer erfürchtig bewundert, und Mutter erzählte immer Neues von dessen Benutzern.
Nie habe ich geahnt, wie schwer sie schleppte. In Karlsbad ging es dann treppauf, treppab. Saubere Wäsche raus, schmutzige rein. Nie wurde der Korb leichter, 40 bis 50 kg hatte er. Ich bekam dabei so manches zugesteckt. Am schönsten war es, wenn ich in einer Hotelküche warten durfte. Dann gab es ein Stück Kuchen, ein Stück Fleisch oder auch Obst. Alles seltene Herrlichkeiten.
Einmal hatten wir auf dem Heimweg ein besonderes Erlebnis. Der Wald hatte uns schon aufgenommen. Da kamen hinter uns Pferde. Wir drehten uns um. „Jessus, unser Präsident" rief die Mutter. Wir traten zur Seite und Masaryk ritt mit seinen Kindern und seinem Adjutanten vorbei. Ich machte große Augen. Er blickte auf meine schwerbepackte Mutter und mich und rief dann seinem Adjutanten etwas zu. Der reichte mir vom Pferd herunter 5 Kronen. So viel Geld hatte ich noch nie besessen.
Nach über 50 Jahren bin ich bei einem Karlsbadbesuch an derselben Stelle gestanden. Sie ist fast unverändert. Mächtig überflutete mich die Erinnerung, und mir wars, als hörte ich im Walde sich entfernendes Pferdegetrappel und fühlte unter den nackten Füßen die feuchte Kühle des Weges.
Anna Egerer (Lochschmidt) aus Schönfeld
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