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krochen allmählich auf allen Vieren zu den abgestellten Tüten und wagten sie aber nicht anzufassen. Unsere Mutter mußte uns erst gut zureden. Da schütteten wir unsere Geschenke vor uns aus und waren voller Freude über die vielen Köstlichkeiten. Doch bald erschreckte uns ein neuerliches Türeöffnen. Es war jedoch mein Vater, er war so spät gekommen. Wir liefen ihm entgegen und erzählten ihm von dem eiligen Besuch und den Gaben des alten Mannes. Da staunte der Vater sehr, zog seinen Mantel aus, nahm den Hut vom Kopf und warf beides zusammen mit seinen Handschuhen über die Sofalehne. Schnell erkannte ich, daß ich genau diese Handschuhe vorhin erst beim Nikolaus gesehen hatte.
Und war es nicht seltsam, daß Vater kurz nachher heimkam? Da bahnte sich die enttäuschende Erkenntnis ihren Weg, denn ich wußte nun, daß es keinen Nikolaus gibt, Vater hatte ihn vorgetäuscht. Traurig nahm ich meine Tüte mit in eine dunkle Ecke, während mir die Tränen über die Wangen liefen. Es war mir, als sei ein lieber Mensch für immer fortgegangen.
Die erste Kriegsweihnacht
Die erste Kriegsweihnacht
Von den vielen Weihnachten, die ich nun schon erlebt habe, ist mir die erste Kriegsweihnacht tief in der Erinnerung haften geblieben, deshalb will ich heute davon erzählen.
Nach meinem Einsatz beim „Freiwilligen Arbeitsdienst", den ich in einer sehr kargen Gegend des Sächsischen Erzgebirges abgeleistet hatte, luden mich meine Tante Marie und mein Onkel Ewald für die Vorweihnachtszeit zu sich nach Chemnitz ein. Ich war noch immer entschlußlos, welchen Beruf ich wählen sollte, denn derjenige, der meinem Herzen zugesagt hätte, war nicht im Sinne meines Vaters, da er es unsinnig fand, wenn sich Mädchen für eine längere Ausbildung entscheiden würden. So war also guter Rat teuer. Meine Tante, die — so weit es mir möglich sein konnte — besorgt an mir die Mutterstelle vertrat, weil ich meine eigene gute Mutter schon früh verloren hatte, wollte mir beim Start ins Leben helfen. Dazu konnte eine gründliche Sondierung nützen, die eben während dieser besagten Vorweihnachtszeit stattfinden sollte. Nebenbei erlebte ich zu meiner großen Freude die Vorbereitungen für das große Fest auf sächsische Weise. Meine Tante hatte bereits im Oktober mit dem Sparen der Zutaten für die beliebten „Dresdner Stollen" begonnen, denn die vielen benötigten Rosinen, Korinthen und vor allem Mandeln waren damals schon nicht mehr so reichlich zu bekommen. Immerhin sollten ja vierzehn Stollen gebacken werden. In den Abendstunden nähten oder strickten wir weihnachtliche Geschenke, während aus dem Volksempfänger Kriegsberichte, Marschmusik, Hörspiele, Weihnachtslieder und sonntags das Wunschkonzert ertönten. Wir hörten schon damals gerne Willi Schneider singen, lachten viel über die Späße des schlesischen Komikers Ludwig Manfred Lommel und bestaunten den Redefluß der unverwüstlichen Gisela Schlüter. In diese noch verhältnismäßig ruhige Adventszeit also flatterte plötzlich eine Einladung für Tante und Onkel vom Dickel-Bauer aus Gfell, daß sie doch zum Weihnachtsfest kommen sollten. Meine Tante hatte von jeher ständig großes Heimweh nach ihrem Dorf, und mein Onkel konnte das gut verstehen, denn er hatte schon längst unsere Heimat liebgewonnen. Ich bekam wenig später ebenfalls ein Brieflein, worin mich mein Vater aufforderte, daß ich zum Fest heimkommen solle. So wurden alle Planungen für eine sächsische Weihnacht umgeworfen und neue für die heimatliche aufgestellt. Am liebsten wäre ich mit Tante und Onkel nach Gfell gefahren, aber das durfte ich nunmal nicht. Tante Marie hat dann zwar dennoch einige „Dresdner" gebacken, und es gab auch hinterher den traditionellen warmen Kartoffelkuchen mit Rosinen, aber sonst wurde alles auf die Reise ins das Egerland abgestimmt. Sie wurde für den 24. 12. festgesetzt, denn mein Onkel konnte aus beruflichen Gründen nicht früher weg.
So kam bei mannigfaltigsten Arbeiten sehr schnell der große Tag. Ich hatte damals nach der ständigen Uniformierung während meiner siebenmonatigen Arbeitsdienstzeit einen besonders starken Wunsch nach hübscher Kleidung. Die baumwollenen
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