Alle Jahre wieder . . . !
„Alle Jahre wieder . . . !"
Alle Jahre wieder kehrt die Weihnacht in unsere Stuben ein. Geschmückt steht der Christbaum da. Darunter breiten sich die mit Liebe ausgesuchten Geschenke aus, die den nahestehenden Familienmitgliedern zugedacht sind. Schon wochenlang vor diesem Fest hatte sich die Vorfreude bemerkbar gemacht und etwas Unruhe und Spannung in die Gemüter gebracht. Doch die Kerzen am Adventskranz, die nacheinander leuchten, wirken beruhigend. Es soll ja die Zeit der Besinnung sein. Aber die Kinder schauen der Zeit voraus, und sind voller Erwartung und Hoffnung, ob alle ihre Wünsche erfüllt werden. Es ist aber garnicht der Sinn des Christfestes, Geschenke zu verteilen oder zu empfangen. Das Menschwerden Gottes sollte an diesem Tage im Gedächtnis gefeiert werden und unserer Freude Ausdruck verleihen. Durch die Geburt Jesus wurde die Schuld, die auf der Menschheit lastet, von ihr genommen. Aber wer denkt in der jetzigen Zeitperiode noch daran. Wer fühlt eigentlich noch Schuldgefühle? Wer hat noch das göttliche Vertrauen, wie es bei unseren Ur- oder Großeltern noch mitzuerleben gewesen ist. Das harte Ringen ums tägliche Überleben lassen dafür keinen großen Raum in den Menschenherzen. Zu viel Böses hat es kennengelernt. Es ist nicht mehr gewillt, das Kreuz auf sich zu nehmen und in Geduld zu verharren. Die Gier, recht viel Angenehmes erleben zu wollen, verdrängt die Andacht an den Schöpfer. Das Herz des Menschen ist verhärtet, die Seele verarmt.
Aber die Adventszeit und das heilige Fest lassen doch einige Stunden der Besinnung aufkeimen. So ist es denn auch nicht verwunderlich, wenn der Mitternachtsgottesdienst gut besucht ist, um an dem Wunder der Ankunft des Christkindes im Gedanken an die Vorzeit, wo das Neugeborene in einem Stall in der Futterkrippe auf Heu und Stroh gebettet, zu uns gekommen war.
Dabei fällt mir die feierliche Mette daheim in der St. Georgskirche ein. Es war eine großartige Feier, die uns die drei Priester unserer Stadt bereiteten. Unvergessen dürfte bei vielen Landsleuten heute noch die musikalische Umrahmung sein. Da konnte man schöne Stimmen der Sängerinnen und Sänger des Kirchenchores hören, der von Herrn Gareis geleitet wurde. Das Jubeln der Geigen und der Klang des Hornes klingt noch heute in manchen Ohren. Aber am ergreifendsten war das „Stille Nacht", das eine Solostimme vom Chor herab den ganzen Kirchenraum füllte. Da hat wohl jeder Besucher der Mette die Gottesnähe gespürt.
Niemals mehr werden wir eine solche Feier erleben dürfen. In unserer schönen, stolzen, ins Land schauenden Kirche, werden keine Gottesdienste mehr gehalten. Für wen auch? Ihre Kinder wurden gewaltsam vertrieben. Wer dort geblieben ist, hat es aufgegeben, gläubig zu sein. Aber die Kirche mit dem Turm, sie harrt aus. Sie steht jetzt unter Denkmalschutz und hat ein neues mit Schiefer gedecktes Dach bekommen. Wer mag der Initiator dieses Werkes wohl sein? Ihm sei dafür gedankt. Nun ist sie wieder Wegweiser dem Wanderer, der von allen Seiten kommend dieses Wahrzeichen bemerkt, bevor er von dem Ort etwas wahrnehmen kann.
Wie atmete man auf, wenn man auf der Heimkehr war und zuerst die Turmspitze und dann die Kirche bemerkte. Ja, selbst am späten Abend war der Turm der Wegweiser, denn aus den Fenstern der Wohnung unserer Turmhanne leuchtete weithin das Licht. Der spät Heimkehrende wußte sich geborgen.
In der Weihnachtszeit waren in dem Turmaufsatz, wo sich die Glocken befanden, rote Leuchten angebracht, so wenigstens habe ich es noch in Erinnerung. Ihr Strahlen gab der Weihnachtszeit einen besonderen Reiz, knirschte der Schnee unter den Fußsohlen, dann war wirklich Weihnachten in unserem Städtchen und in den umgebenden Orten. Das Getrappel und Gemurmel der zur Kirche die steilen Kirchstaffeln Hinauf- und Heruntergehenden, dürfte noch so manchem von uns in den Ohren klingen. Der schöne Brauch am Christtag, von den Nachbars- und Freundeskindern ein „Frohes Fest" gewünscht zu bekommen, ist heute leider nicht mehr. Wie haben wir Kinder uns damals über das Geldstück gefreut, das ja üblich war den Kindern zu geben, damit sich das Glück nicht abwenden sollte. Die Zusammengehörigkeit, die in diesen Wünschen zum Ausdruck gebracht wurde, ist heute nicht mehr spürbar. Man nimmt diese Tage als etwas Selbstverständliches hin. Schon lange wird vorher ein Urlaub geplant und man nützt diese Zeit zu einem Vergnügen. Aber darüber darf man sich nicht mehr wundern. In der Heimat waren nur christliche Bewohner. Hier begegnen wir vielen Glaubensrichtungen. Die Sekten breiten sich aus und der Mohammedanismus bringt auch zersetzende Tendenzen. Ob die „Moderne", die in der katholischen Liturgie eingeführt wurde, den erwarteten Erfolg
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