Libanon
Vom Gejagten zum Jäger – Begin bombte ein Volk in die Flucht!
Im Libanon herrschte Krieg, der Überfall war vorbereitet, ein ungeheuer brutaler Vormarsch der Israelis, ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung. Das Ziel: die Palästinenser sollten wieder einmal vertrieben werden. Gnadenlose Gewalt, Zehntausende werden umgebracht, darunter auch Libanesen.
Für uns Sudetendeutsche ist es deshalb so empörend, weil wir gleichfalls „vertrieben", sogenannt „ausgesiedelt" wurden. Für alle Deutsche ist es erschwerend zu verstehen, daß es Israelis — also Juden — sind, denen im Zweiten Weltkrieg so unendlich viel Leid zugefügt wurde. Dabei wird nicht bedacht, daß Menschenrechte unteilbar sind, und daß man palästinensische Männer und Frauen mit Kindern 1982 genausowenig in Massen töten darf, wie es im sogenannten Dritten Reich an den Juden getan wurde.
Begins rücksichtsloses Vorgehen im Libanon ist durch nichts zu entschuldigen. Er will das Problem der Palästinenser auf seine Art lösen. Ausrottung eines Volkes, weil es Ansprüche auf ihre Heimat geltend macht. Wenn man diesen Vernichtungskrieg verdammen muß, so der Grausamkeit wegen. Das Palästina war von 1923 bis 1971 britisches Mandatsgebiet. Die Vereinten Nationen hegten den Plan, auf diesem Gebiet einen jüdischen und einen arabischen Staat zu errichten. In dem damaligen Gebiet der Palästinenser lebten etwa 600.000 Juden und 1 1/2 Millionen Araber. Mit westlicher Hilfe setzten die Juden die Staatsgründung durch. Die arabische Liga war gegen diesen Staat. 1948 kam es erstmals in dem Vorort von Jerusalem —Deir Yassin — zu einem Massaker, bei dem die 250 Araber — fast nur Frauen und Kinder — ermordet wurden. Immer mehr Araber flohen vor den Israelis aus ihren Wohngebieten. Nach arabischer Geschichtsschreibung und auch vereinzelten israelischen Historikern wurden die Palästinenser mit brutalster Gewalt vertrieben, ihre Dörfer niedergewalzt und ihre fruchtbaren Felder mit Sand zugeschüttet. Die Palästinenser flüchteten auf die Westbank, damals zu Jordanien gehörig. 1967 gliederten die Israelis auch dieses Gebiet ihrem Staat an. Wieder folgte eine Fluchtwelle in verschiedene arabische Länder, wo sie in Lagern zusammengedrängt ihr Leben verbringen. So auch im Libanon. Die so verfolgten Palästinenser gründeten die PLO (Palästinensische Befreiungs-Organisation). Ihr Ziel ist die Wiedergewinnung der verlorenen Heimat.
Begin kann es sich mit Unterstützung der Großmacht Amerika erlauben, diesen Vernichtungskrieg gegen die Araber zu führen, und die Welt sieht wieder einmal zu. Es wäre angebracht, angesichts dieses Geschehens nicht nur auf unsere Vergangenheit zu schauen, sondern endlich dem Vertreiben von Menschen aus ihrer angestammten Heimat ernsthaft entgegenzutreten und mit dem Vernichtungskrieg aufzuhören.
Wenzl Peterlik
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Die „verlassene" oder „verlorene" Heimat
Immer öfter hört und liest man von der „verlassenen" oder gar von der „verlorenen Heimat". Das ist falsch! Wir haben nicht, wie dunkle Gesellen aus ihren löcherigen Taschen etwas verlieren, die Heimat verloren, sondern sie wurde uns genommen, entrissen, geraubt! Wir wurden aus ihr vertrieben, gestoßen oder wie Tiere verfrachtet. Dabei bluteten ungezählte Herzen aus tiefsten Wunden, dabei weinten unsere Augen einen Strom bitterster Tränen. So, und nur so war es!
Somit gilt unumstößlich: Wir haben dieses kostbare Gut nicht leichtsinnig verloren, wie Hasardeure ein Spiel verlieren. Daher geziemt es sich auch nicht, von der verlorenen Heimat zu reden, aus der wir — auch noch mit Seidenhandschuhen angefaßt — ausgesiedelt wurden.
Nein, Nein! Wir sind als Vertriebene kein leichtsinniger Verlierer! Unsere wohlbestellte Habe ist Raubgut geworden. Das läßt sich tausendfältig bezeugen! Daher haben wir auch nur für unsere geraubte, nicht für eine verlorene Heimat einzutreten, das gebietet das gute, alte Recht!
Otto Zerlik
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