Mein liebes Heimatdorf Rabensgrün
Ich kann mir kein schöneres Dorf vorstellen und es drängt mich, einfach dazu etwas darüber zu schreiben, auch wenn es nur Lausbubenstreiche sind. Als Rentner hat man viel Zeit zum Nachdenken und so geht es auch mir. Meine Frau sagte schon, jetzt wirst du noch Dichter, aber dem ist nicht so, denn meistens sagt sie, du alter Esel wirst auch nicht mehr gescheiter, und ich bin stolz darauf.
Ich will nun versuchen, etwas davon aufzuschreiben, ob es mir gelingt, ich wage es nicht zu hoffen. Ja, damit ich es nicht vergesse, der Verfasser dieser Zeilen ist der Hofmann Otto, genannt der Spies Ottl und jeder im Dorf kannte mich.
An meinen ersten Lausbubenstreich kann ich mich noch gut erinnern. Wir wohnten damals noch in der alten Schmiede, und ich war noch ein kleiner Bub. Eines Tages, ich war allein daheim, kam mir der Sola Vetter, der gerade den Zaun hinter unserem Haus reparierte, gerade recht zur Unterhaltung. Er lernte mir an, ich soll mit der Schindelflinte dem Zintelvetter hinten drauf schießen. Ich ließ mir das nicht zweimal sagen und holte die Schindelflinte von meinem Bruder Heinrich. Selber durfte ich noch keine haben, da ich noch zu klein war. Kurzum — ich schlich mich damit auf den Erlaplatz vom Trolln. Ich brauchte nicht lange auf mein Opfer zu warten und der Zintelvetter erschien in seinem Hof. Gezielt und getroffen, das war eins. Am Abend hat die Hose von mir ganz schön gestaubt, denn mein Vater hatte eine gute Handschrift mit der Feder auf dem Papier und im Handgelenk. Aber deshalb wurden meine Schmerzen nicht geringer, und der Sola Vetter hat sich am nächsten Tag noch den Bauch vollgelacht. Übrigens, der Erbauer meiner ersten Schintelflinte war der Hanrech Dolf. Zu ihm führte mich immer mein Weg, wenn ich etwas geschnitzt haben wollte.
Die liebe Hanrech Mouhm hat fast jeden Samstag Germkniedla gebacken und so manches Mal hat sie mir ein Stück zugesteckt, und ich habe es in einem Winkel verdrückt, damit es die anderen nicht haben konnten.
Ja, liebe Kempen Walli, dich zu vergessen wäre für mich eine Sünde. Bei euch waren wir so gut wie zu Hause. Die ersten Kirschen und sonstiges Obst, das mußten wir haben. Die schönste Beschäftigung bei euch war für mich das Eierabnehmen. Als Lohn bekam ich immer am Abend ein Ei. Jeden Winkel kannte ich ja, und so war es auch für mich nicht schwer, jedes Hühnernest zu finden. Meine beiden Kinder können sich so etwas garnicht vorstellen. Wie gut schmeckte bei euch ein Topf Buttermilch und ein Stück Brot.
Den lieben Kempen Vetter bitte ich noch nachträglich, mir die Sache mit dem Rechen zu verzeihen, ich würde es heute bestimmt nicht mehr machen. Er ärgerte mich mit dem Wort »Schneiderlein« und ich hatte eben einmal zufällig gerade einen Rechen in den Händen.
Wo soll ich jetzt weitermachen, nur bei meinem besten Freund Harbauer Edwin. Nach 30 Jahren trafen wir uns 1981 wieder und ich glaube, beide haben wir dumm geschaut, denn nach 30 Jahren jemand zu erkennen, ist wohl schwierig. Am schönsten war für mich das Kühehüten beim Trolln mit meinem Freund Edwin. Jeder ein tüchtiges Stück Brot in der Hosentasche und einen Stecken in der Hand, so zogen wir den mittleren Weg entlang. Jeden Tag prüften wir, ob die Pflaumen schon reif wären, aber wir aßen sie auch grün, trotz des Bauchwehs, das wir am nächsten Tag hatten. Am schönsten zu hüten war es im Greim, ringsum Wald sowie Haselnußstauden und ein Feuerl dazu. Etwas schöneres gab es nicht außer dem Erlaplatz beim Trolln.
Noch sehr viel gäbe es darüber zu erzählen, aber da käme der alte Oberlehrer Schneider mit seinen Turteltauben zu kurz. Die armen Viecher waren ganz zahm und für jedes abgelieferte Stück bekam ich 20 Heller. Na, war das kein Geschäft? Auch von seinem Frühkirschbaum nahe am Zaun bekam nicht er die ersten, sondern immer die anderen.
Schön war es auch jeden Abend im Milchhäusl. Die Bauern Elfe hat sich grün und blau geärgert, bis ihre Mutter, die Bauern Resi kam. Da suchten wir das Weite, aber nicht lange. Wenn die Resi fort war, waren auch wir wieder da. Da fällt mir gerade etwas ein, das ist die reine Wahrheit. Wir, das heißt die Rabensgrüner Lausbuben, standen eines Abends beim alten Milchhäusl im oberen Dorf und warteten der Dinge, die da kommen mögen. Die Rabensgrüner Schönheiten standen unten auf der Straße. Einer von uns, ich weiß nicht wer, hatte Luftheuler und Kracher in der Tasche, und wir ließen einige in Richtung Straße los. Mein Freund Edwin sagt bestimmt heute noch, daß er Mädels noch nie so schreien hörte, was auch meine Meinung ist. Bei der Huaf Mouhm suchten die Mädels Zuflucht und ich bin überzeugt, daß uns niemand geglaubt hat, daß wir nicht die Urheber waren.
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