Gedanken zu Weihnachten 1946, 1947 und 1981
Nach Beendigung der Kampfhandlungen und nach Abschluß der Waffenstillstands-Verhandlungen und das Inkrafttreten der Kapitulation war zwar ein Aufatmen, aber schon zeigten sich neue Sorgen, und diese kamen mit der Revolutionsgarde der Tschechen wie plündernde Horden in unsere Heimat.
Ich war zwar zu diesem Zeitpunkt bereits wegen der Verwundung aus der Deutschen Wehrmacht entlassen, dafür mußte ich aber auch büßen. Wer kann sich an Pfingstsamstag und -sonntag 1945 erinnern? Das war keine Garde, das war Mob und Pöbel, Plünderer eines Volkes, dem unsere Väter von 1918 bis 1938 treu und brav die Steuern bezahlten, unsere Brüder den Dienst im Tschechischen Heer geleistet und wir alle treue Staatsbürger waren. Wenn es 1938 zum Münchner Abkommen kam, wodurch das Sudetenland dem Deutschen Reich angegliedert wurde, so war dies doch nichts anderes als eine Wiedergutmachung durch England und Frankreich, denn beide Länder waren auch mit die Unterzeichner der Abkommen von 1918, wonach das Sudetenland zum neuerstellten Staatsgebilde der ČSR, ohne Volksabstimmung aus dem K. u. K. Staatsverband herausgeschnitten wurde.
Keine tschechische Regierung hatte bis zu diesem Zeitpunkt 1936 auch nur annähernd signalisiert, daß die Abkommen von 1918 erfüllt werden, und die Sudetendeutschen die zugesagte Autonomie erhalten sollten.
Deshalb waren die Sudetendeutschen alle Freiwild für die Tschechen, welche nun mordend, plündernd, folternd in unsere Heimat kamen und sich jeden Tag neue Schikanen gegen alles, was deutsch war, ausdachten. Nicht nur Geschäfte wurden geplündert, auch vor Möbeln und anderen Gegenständen, selbst bei Erbstücken gab es keinen Einhalt. Den Sudetendeutschen gehörte nichts mehr, alles war enteignet. Auch die Spareinlagen und Sammlungen.
Kein Land, keine Organisation, keine Kirche, hat damals davon Notiz genommen und die Stimme gegen das himmelschreiende Unrecht erhoben. War dies der Friede, war dies Humanität, wie dies die Herren von Potsdam nannten? — Statt Frieden kam Unfrieden, statt Glück kam Unglück in unsere Heimat. Die Not wurde von Tag zu Tag größer und dazu kam noch das neue Gespenst: Vertreibung nannten wir es, Umsiedlung nannten es die Tschechen, die Amerikaner, die Franzosen. Die Russen, die schwiegen, vergewaltigten und nahmen alles was ihnen gefiel an sich. Sogar einige, zum Glück nur wenige Deutsche, hatten Gefallen daran, wenn Menschen ohne Grund auf die Burg nach Elbogen zum Verhör und Foltern gebracht wurden.
So ging die Zeit dahin, Weihnachten 1945 endlich daheim, aber Frieden? — Nein. Not und Unsicherheit waren ständiger Gast. Wir wollten unser Familienfest würdig begehen und feiern. Aber in Anbetracht der Millionen Gefangenen, Vermißten und der Vertreibung, die bereits in vollem Gange war; wer mochte da feiern?
So saßen wir mit sorgenvollen Gesichtern um den Weihnachtstisch, das war alles andere als gute Nachrichten und Aussichten für die kommende Zeit. Auf der langen Bank standen die Schüsseln, gefüllt mit Hafer und Schrot, ja sogar kleine Brotschnitten waren verzierend aufgelegt für das Vieh im Stall. Auch dort eine besondere Gabe für die Tiere aus Anlaß der Geburt unseres Herrn. Auch Katz und Hund waren nicht zu kurz gekommen. Sollte dies unsere letzte Weihnacht in der Heimat sein? Wir konnten doch nur darum beten, in der Heimat bleiben zu können, noch gab es zumindest genug zum Essen. Geschenke? War es nicht ein Geschenk des Himmels, aus dem Kriege heil nach Hause gekommen zu sein? Unbekümmert schaute unser Töchterchen in diese Welt. Sicher war sie für uns — ob jung oder alt — in dieser Zeit der einzige Trost.
Weil uns die Tschechen nicht in Frieden ließen, so ward manchen bereits die Heimat zur Fremde geworden!
Wohin soll ich mich wenden, so haben wir im Gottesdienst gesungen und beim Wege nach Hause haben wir vernommen, daß die Tschechen den oder jenen zur Aussiedlung — sprich Vertreibung — geholt hatten. Friede auf Erden die guten Willens sind. Waren wir und unsere Väter nicht schon immer guten Willens? Ein tschechischer Pfarrer sagte in seiner Predigt in einer rein deutschen Stadt: „Die Deutschen sollen das Totenhemd bei der Aussiedlung nicht vergessen!" Und dies nannte man human, oder ist dies christlich
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