Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 156
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Kdysi a dnes

Einst und heute

Man sollte lernen aus der Vergangenheit,
die so reich an Kummer und Leid.
Es zu beschreiben, das wäre zu viel;
Menschen, die Leid schaffen, kennen kein Gefühl.
Auch der vom Krieg mit Sieg belohnt,
von Kummer und Leid blieb er nicht verschont.
Warum können die Menschen nicht in Frieden leben,
immer wieder droht ihnen eine neue Gefahr.
Die Natur, die uns so viel gegeben,
wird mißbraucht von einer gewissen Schar.
Welch friedliches Bild, schaut dein Auge zum Himmel gebannt,
wenn weiße Wolken ziehen dahin.
Doch ein gefährliches Spiel von Menschenhand
liegt oft hinter den Wolken drin.

Frieda Erler

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Saský Egerlanďan

Ein sächsischer Egerländer

Ich habe das Glück, einen besonderen Onkel zu haben.

Er ist fröhlich, verschmitzt, lebensbejahend, liebt das Egerland wie seine eigene Heimat und spricht fließend sächsisch. Selbst bei größter Anstrengung könnte er seine Muttersprache nicht verheimlichen, was er — nebenbei bemerkt — auch gar nicht will. Andererseits versucht er manchmal wenigstens ein paar typische Wörter unserer Mundart über die Lippen zu bringen, wobei man Angst bekommen kann, seine Zunge könnte Schaden leiden. Aber immerhin hat er es geschafft „Husnodudera" zu sagen. Doch diese Schwierigkeiten hinderten ihn niemals, mit meiner Tante zusammen viele Jahre aktiv in der „Egerlanda Gmoi" und in der Sudetendeutschen Landsmannschaft zu sein, wofür beide auch mehrfach ausgezeichnet wurden. Bei festlichen Anlässen gingen sie sogar in unserer Heimattracht. Aber nun ist mein Onkel Ewald — wie er heißt — seit etlichen Jahren allein und hat mitunter Beschwerden, weshalb er nicht mehr so gern sein Heim verläßt.

Doch vor nicht allzu langer Zeit waren wir mit ihm noch bei einem festlichen Abend der „Gmoi" hier in Franken. Mein Onkel Ewald steckte sich auf unser Anraten seine Goldene Ehrennadel an. Als wir zu der Veranstaltung kamen, hatte der offizielle Teil noch nicht begonnen, darum konnten wir uns noch ein wenig unterhalten. Wir bemerkten gleich, daß die Landsleute in unserer Umgebung immer wieder nach unserem Onkel sahen und dann miteinander tuschelten. Sie mochten sich fragen, wie es kommen konnte, daß ein Mann mit „solchem" Zungenschlag eine Goldene Ehrennadel der Landsmannschaft tragen durfte. Mein Onkel jedoch gab sich so, als ob ihn das Aufsehen, das er verursachte, nichts anginge und verfolgte mit Begeisterung die Vorführungen auf der Bühne. Schließlich spielte die Musikkapelle ein Potpourri von heimatlichen Weisen. Alle Gäste sangen fröhlich mit, auch mein Onkel.

Im nächsten Augenblick wendeten sich die Augen in unserer Nachbarschaft ihm wieder zu, denn daß dieser Fremde zu allen Ungereimtheiten auch noch unsere Lieder sächsisch und lautstark mitsang, das machte ihn noch rätselhafter. Kaum war der letzte Ton verklungen, drehte sich eine Landsmännin nach meinem Onkel um, denn sie konnte ihre Neugierde nun nicht mehr bezähmen und fragte: „Wou sann an Sie her?" Worauf sie wie aus der Pistole geschossen zur Antwort bekam: „Aus Hannover!" Nun war natürlich die Verwirrung komplett, obzwar alles stimmt.

Nachkriegswirren hatten meinen Onkel Ewald und meine Tante Maria von Sachsen nach Niedersachsen verschlagen, wo sie eine neue Heimat fanden. Meine Tante, die ihr Egerland bis zum letzten Atemzuge liebte, übertrug diese treue Heimatliebe auch auf ihren Mann, denn sie hatte es meisterhaft verstanden, ihm aufzuzeigen, was uns allen dieses Stück Erde so unvergeßlich und teuer gemacht hat.

Hermine Walter, geb. Palm

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