⟵ věta pokračuje z předchozího listu
früh am Morgen ging ich von Maierhöfen los. Die Militärkontrolle an der Egerbrücke in Aich schien nicht allzu streng zu sein, denn man ließ mich ohne Überprüfung passieren. Durch Aich kam ich ebenfalls gut, obzwar ich mehrmals russischen Soldaten begegnete, die unter Umständen meine Ausweispapiere hätten sehen wollen. Deshalb war ich dann besonders froh, als ich bei Aich-Pirkenhammer in den Wald konnte und von dort ab immer im Schutze der schattigen Bäume blieb. Das schöne Dörfchen Ziegelhütten mit seinem Schloß wäre in der Sommersonne ein friedlich-heiteres Bild gewesen, hätten nicht fremde, rauhe Männerstimmen die Stille zerrissen. Mit klopfendem Herzen wich ich weiter auf die Höhe aus, wo einstmals meine Großmutter auf einem Hau Baumwurzeln mühsam ausgegraben und sie dann auf dem Rücken heimgetragen hatte. Seit jener Zeit war hier wieder eine kleine Schonung herangewachsen, die von Gras und Himbeergestrüpp durchzogen war. Dort lagen Uniformteile, Waffen und Munition von deutschen Soldaten. Es war aber nirgends ein Mensch zu sehen. Aber als ich bei Schönhansels Tala aus dem Walde wollte, hörte ich plötzlich ganz in meiner Nähe wieder grölende Männerstimmen, an denen leicht zu erkennen war, daß sie durch reichlich genossenen Alkohol so rauh geworden waren.
Ich schlich bis zu den vordersten Bäumen, von wo aus ich beim Bahnwärterhäusl sechs oder sieben russische Soldaten sehen konnte. Völlig außer mir vor Schreck kletterte ich wieder an den Berg hinauf, umging im Wald die Tala und blieb wieder im Schutz der Bäume, bis ich auf der Höhe von Gfell war. Das Dorf lag so still und altvertraut in der Vormittagssonne und es war doch schon so schwer geschunden worden. Das sollte ich aber erst später erfahren.
Nach einigem Zögern trat ich endlich auf das freie Feld hinaus und ging den steilen Hang hinunter der Straße zu. Die Hummeln summten um mich herum, und die Falter gaukelten von Blume zu Blume. Im Schatten der Ebereschen stand das „Kreipner-Häusl" da, als ob kein Mensch mehr darin wohnen würde. Es regte sich nichts, wohin ich auch sah. Um Gottes Willen, dachte ich, es wird doch nicht das Dorf menschenleer sein? Es werden doch nicht alle schon fort sein? Ich kam beim Wagner, beim Zenken vorbei, dann über das Wirtsbergl beim Schmied und bei der alten Frau Gräf, aber auch hier war niemand zu sehen. Ich fühlte mich unendlich einsam in eine grausame Welt gestellt. Bei Großmutters ehemaliger Heimstatt schaute ich zu den leeren Fenstern hinauf und erinnerte mich, daß dort einmal rote Geranien blühten.
Als ich beim „Dickla" in den halbdunklen Hausgang trat, pochte mir das Herz in der Angst vor dem nächsten Schritt. Doch dann riß ich die Stubentüre entschlossen auf und sah die Dickl-Mutter mit blicklosen Augen an den Ofen gelehnt sitzen. Im Gedanken suchte sie wahrscheinlich ihre Söhne. Sie merkte erst, daß ich vor ihr stand, als ich sie leise antippte. Dann erkannte sie mich und fragte langsam: „Jessas, Moidaerl, wou kummst dann du her?" Ich erzählte ihr von meiner Not und auch von meiner Hoffnung, daß ich wenigstens ein wenig Milch für mein Kind bekommen könnte, und sie erzählte mir von ihrem Kummer und dem Leid, das über Gfell gekommen war. Traurig ging ich rüber zum Austragshäusl, wo die Granitstufen am Backofen vorbei hinauf in Großmutters einstige Wohnung führten. Die Türe war aber verschlossen. Ich setzte mich auf die Schwelle und weinte um meine Heimat, denn ich ahnte, daß ich sie nie wiedersehen würde.
Inzwischen war die junge Dickl-Bäuerin mit ihren Kindern heimgekommen und hatte meine Tasche mit Essen vollgepackt, obzwar sie selbst nicht mehr viel hatte. Nach dem Mittagsmahl nahmen wir voneinander Abschied. Noch heute sehe ich die Dickl-Mutter im Hausgang stehen, mit dem blauen Schürzenzipfel wischte sie sich die Tränen fort. Ich wollte Gfell nicht verlassen, ohne nicht wenigstens noch die Familie Weinhart zu besuchen. Auch dort war der Kummer groß und mannigfaltig. Aber ich mußte trotzdem plötzlich daran denken, wie gut ihr das Quarkkuchen von Tante Agnes schmeckte, als wir noch in einer frohen Kinderschar um ihren Tisch saßen. Und obgleich sie nun schlimme Sorgen hatte, packte sie mir noch allerlei Gutes zusammen, daß ich eigentlich hätte zufrieden sein können. Aber ich schlich den Weg durch das Dorf hinunter, während mir die Augen von den vielen Tränen brannten.
Als ich dann wieder beim jenseitigen Waldrand ankam, setzte ich mich noch einmal hin und schaute auf die Dächer zwischen dem Sommergrün der Bäume. Neben mir wuchsen „Kinnerla" und „Katzapfejtschla". Sie dufteten nach Kindheit und Heimat. Endlich trennte ich mich von diesem unvergeßlichen Ort und trug mit mir die schwere Last des Abschieds. Immer wieder blickte ich zurück nach Gfell, bis schließlich sein letztes Haus hinter einem Hügel verschwunden war.
Hermine Walter, geb. Palm
věta pokračuje na dalším listu ⟶
Rozdělení textu na listy je odhad — text může o odstavec přetéct na sousední list. Původní znění vlevo je vždy přesné.
Klikni na větu a ukáže se, kde na skenu stojí. Zvýrazňují se celé řádky, ne přesná slova — místo je tedy přibližné.
