Ein seelensguter und ehrlicher Geschäftsmann
[obr] Wer kennt das Bild aus unserer Heimat?
Der Dicklhof war vor vielen Jahren abgebrannt. Sie steckten bis über den Kopf in Schulden. 24.000 Kronen mußten aufgenommen werden für den Wiederaufbau des Hofes. Der neunzehnjährige Liebreich kam von der Ackerbauschule in Budweis nach Hause. Er machte sich viele Sorgen, wie die Schulden und Zinsen abgezahlt werden sollten. Im Frühjahr und im Herbst mußten 7 % Zinsen und 2 % Abzahlung geleistet werden. Im Herbst war die Ernte einzubringen. Doch welcher Bauer hatte damals viel Geld im Frühjahr, besonders wenn einem alles verbrannt war. Dazu kam noch, daß 10.000 Kronen Vermögenssteuer an den tschechischen Staat gezahlt werden mußten, bei der Übernahme nach dem ersten Weltkrieg.
Es war Vorfrühling. Da kam dem jungen Burschen ein Einfall. Er würde sich das Geld für die Zinsen und für die Abzahlung mit Düngen in Schlaggenwald verdienen. Die Stadt liegt in einer Schlucht. Die Häusler hatten eine oder mehrere Kühe und Ziegen. Die Felder lagen aber auf einer Anhöhe und Milchkühe waren nicht für das Mistfahren geeignet. So suchten sie sich meistens Bauern mit Pferden für diese Arbeit.
Liebreich hatte wohl zwei gute Kunden, aber wie sollte er noch andere Kundschaften dazu bekommen? Die Häuslerleute hatten meistens Jahr für Jahr die gleichen Bauern zum Düngen. Er faßte Mut und versuchte es bei der Firma Hubl, Schenk und Boderschack — Herr Hubl war jedoch der Chef, und viele Häuslersleute arbeiteten in seiner Firma. Er willigte sofort ein, besorgte ihm alle seine Leute als Kunden und sagte:
„Weust Bou, du dungst neat für dich, sondern für mich. Wennst vöia Wochn ba mir dungst, dann genga deine Pfaa selwa längsam. Du füahrst sua oft wöi i will. Zum Beispiel, wennst dramal in d'Seifn gfoahrn bist, mouß ja Mittoch sa(n. Bam Umsponna moußt g'schwind sa(n üm dein Hintern. Ma mou denk(n, daß der Kerl d'Welt umschmeißt. Wennst außerhalb von Urt füahrst, steckst Peitschn ins Kummat u läßt sa schöi(n gäih(n. Dabei soll nicht gesagt sein, daß er seine Kundschaften ausnützte. Dreimal in die Seifen zu fahren, das hat gereicht. Herr Hubl war halt auch um die Pferde besorgt.
Er war der nobelste und ehrlichste Mann, den man sich weit und breit suchen mußte. Wenn einer seiner Leute nicht konnte, dann zahlte er es selbst. Einmal fragte er Liebreich, ob er ihm am Heimweg ein wenig Baumaterial für die Kapelle nach Leßnitz mitnehmen wollte. Da dies nur einen Kilometer Umweg ausmachte, war das für Liebreich selbstverständlich. Für diese kleine Gefälligkeit gab Herr Hubl ihm den Lohn für eine ganze Fuhre. Der junge Bursche verehrte Herrn Hubl wie einen väterlichen Freund.
Liebreich machte durch die Gütigkeit von Herrn Hubl gute Geschäfte. Er verdiente zwischen 160 und 380 Kronen an einem Tag. Oft düngte er für einen ganzen Monat und verdiente 4.000 Kronen. Mit diesem Geld konnte er nun seine Schulden und auch die Zinsen vollständig abtragen.
Christl Fechter
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