⟵ věta pokračuje z předchozího listu
hörte Dinge über mich, die ich selbst nicht mehr wußte. Ich traf auch die Vielen, die immer dabei sind und denen niemand dafür dankt.
Der Pöpperl Seff mit seiner Frau — Becher, stellte sich als der vor, den ich im Heimatbrief Nr. 149, Sept. 77, „Schuljahr 34/35 1. Klasse als „. . . . verdeckt — nicht mehr bekannt", bezeichnete. Nun benützte ich die Gelegenheit, ihm aus seiner Namenlosigkeit zu erlösen. Sicher wird er mir von nun an nicht mehr böse sein. Wir beide, auch schon 50jährige, waren leider die einzigen des Jahrgangs 1928.
Bald wurde es Zeit Abschied zu nehmen und sich von den Bekannten der alten Heimat zu den vertriebenen Bekannten der neuen Heimat zu begeben; unser Leben seit 1946 in zeitlich und geographisch verschiedenen Räumen. Aus dem Hochgefühl der Begegnungen und der Zusammengehörigkeit wurde ich am Weg zum Ausgang bald wieder in die Niederung der Wirklichkeit gezerrt.
Ohne Absicht wurde ich Zeuge einer ungeniert laut geführten Unterhaltung eines älteren Ehepaares, das auch dem Ausgang zustrebte und dabei mehr zum eigenen Trost rasch schon eine Wertung der Gespräche mit ihren Landsleuten vornahm:
„Siast, deahnan gäiht's a sua wöi uns! Döi haom a lamatiert, daß 's mit ihrn Jung(a)n niat gäiht. Die Weiwa liegn — wöi bao(r) uns — bis imma alfa im Bett."
Vordergründig zwar Anlaß zum Lachen und Schmunzeln, offenbarte doch dieses Gespräch ein Stück leidvoller Gegenwart in vielen Familien.
Der Tag ging mit einem herrlichen Sommerabend zu Ende, als wir spät München über die Autobahn in Richtung Ingolstadt, Hallertau und Altmühltal verließen. Über den bayerischen Dörfern und Fichtenwaldgipfeln lag der erste Heuduft und die angestrahlten Dorfkirchen grüßten aus der Dämmerung. Jeder kämpfte mit der Müdigkeit, leiser wurden die Unterhaltungen, nur die Gedanken waren mit Gewalt nicht zu besiegen. Mein Nachbar aus der Gegend von Königsberg beginnt vom Kaiserwald zu erzählen. Ob ich davon noch etwas wußte?
In den zwanziger Jahren diente der Knecht eines Bauern aus Rockendorf beim tschechischen Militär. Als er auf Urlaub daheim ist, erfährt er, daß gerade in diesen Tagen sein Bauer ein Paar Ochsen verkaufte. Mit den Verhältnissen vertraut, geht er bei der Nacht auf den Hof, um sich das Geld zu holen. Nacheinander erschlägt er die Bäuerin, ihren Mann und die Dienstmagd. Dem kleinen Buben gelingt es unter das Bett zu kriechen, um dem Massaker zu entkommen. Den Säugling in der Wiege, ein kleines Mädchen, verschont der Mörder. Dieses Mädchen war Pfingsten 79 in München. Mit ihm sprach der Erzähler und nach mehr als 50 Jahren stand wiederum dieses Verbrechen im Raum. Da erfuhr er auch, daß der Bub anderntags berichtete, wie die Dienstmagd kurz vor ihrem Tod aus Angst und Verzweiflung noch rief: „Fraonz, wos möichst d(a)nn dao?" — und machte damit den Jungen zum Zeugen.
Fast wie in einem Gleichnis, ging es mir durch den Kopf: Vielleicht hat man sich das mit dem Vergessen doch ein wenig zu leicht gemacht. Einer und Einige bleiben immer irgendwo übrig, die Recht und Unrecht beim Namen nennen.
In der Dunkelheit der Heimfahrt bekomme ich daraus die freudige Gewißheit, daß es auch in Zukunft noch viele Sudetendeutsche Tage geben wird.
H. Jakob
věta pokračuje na dalším listu ⟶
Dokumente zur Vertreibung der Sudetendeutschen
Das Schicksal unserer Vertreibung darf nicht in Vergessenheit geraten. Unsere Nachkommen müssen dafür sorgen. Deshalb gehört das
SUDETENDEUTSCHE WEISSBUCH
in unsere Familie — es sollte allen unseren Kindern und Enkeln mit auf den Lebensweg gegeben werden. Auch wenn sie heute noch wenig Lust zeigen, in diesen Dokumenten zu lesen. Das Interesse für das Schicksal ihrer Vorfahren kommt.
BESTELLUNGEN für das Sudetendeutsche Weißbuch — Dokumente zur Austreibung der Sudetendeutschen (590 Seiten, Leinenband, 34,— DM) sind zu richten an: KOLB-VERLAG, 8757 Karlstein a. Main, Postfach 1145
věta pokračuje na dalším listu ⟶
Rozdělení textu na listy je odhad — text může o odstavec přetéct na sousední list. Původní znění vlevo je vždy přesné.
Klikni na větu a ukáže se, kde na skenu stojí. Zvýrazňují se celé řádky, ne přesná slova — místo je tedy přibližné.
