Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 155
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obr] Unsere Vertreibung aus der Heimat

Die Reihenfolge, wer nacheinander ausgesiedelt wird, lag fest: Zuerst die Fremden, das waren die Schlesier; danach politisch Unliebsame — Parteimitglieder, Häftlinge von der Burg und deren Angehörige bei freiwilliger Meldung, alte Leute — Frauen mit Kindern, die nicht produktiv arbeiteten und Selbständige. Am längsten hielt man die Facharbeiter zurück.

Da war also niemand mehr zu überraschen und die vorgegebenen 3 — 4 Tage reichten dann, um nicht überstürzt unwichtige Dinge einzupacken und das Notwendige zu vergessen.

Viel Kopfzerbrechen forderte es Zeugnisse, Dokumente, Urkunden und vielerlei Papiere als Beweisstücke, kleine persönliche Erinnerungen und Andenken unterzubringen, daß sie beim Öffnen nicht gleich den dienstbeflissenen Kommissaren in die Hände fielen. Es gab bei der Einladung zur Aussiedlung strenge Vorschriften darüber, was mitgenommen werden durfte und was „verstaatlicht" im Lande bleiben mußte.

Bei dem Gedanken an die Zukunft bewegte alle am stärksten die Angst vor dem kommenden Winter, deshalb wurde auf Holzpacken und Sägen, um das Gebrenn (Hausbrand) zu sichern, großer Wert gelegt. Hammer und Zange zum Zunageln der Kisten steckten im Handgepäck neben der Marschverpflegung. Da wir nicht viel Eßbares zum Mitnehmen hatten, und das wenige doch nicht weit reichte, gab es damit nicht viel Kummer. Einer war dabei, den nahmen sie auch davon noch weg. Der Lorenz Seff erzählt heute noch allen Ernstes darüber, ein Schlaggenwalder hätte einige Gläser eingerextes Fleisch im Rucksack gehabt, die ihm ein Tscheche abgenommen hatte, der er dann später einmal brieflich wissen ließ, daß dieser schmackhafte Braten von seinem Hund gewesen sei, den er ihnen nicht lebend überlassen wollte.

Im kleineren Umfang für den Lebensunterhalt wurde eine Nähmaschine, eine Schustermaschine, für Herrn Wohlrab auch die Ziehharmonika und für Herrn Dilling in einem schweren Kistchen sein Steinmetzwerkzeug genehmigt.

Endlich! Über die schriftliche Aufforderung vom Rathaus waren die Betroffenen mehr erleichtert als bestürzt; der lange Weg dieser Kisten begann: Aus der Wohnung in den Hausgang, danach auf Handwagen, Schubkarren, Hudl und Fuhrwerk. Die Zurückbleibenden, die Blaß und die Scheck leisteten dem Haus und der Nachbarschaft ihren letzten Dienst.

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