Meine Gfeller Großmutter
In Armut lebte sie allein
stets unter einem fremden Dach.
Ihre zwei Stuben waren klein,
aber gefüllt von Weh und Ach.
Auf ihr Gesicht, blaßwangig schmal,
zeichnete an jedem Morgen
ein hartes, lichtkarges Schicksal
die Spuren von neuen Sorgen.
Dennoch konnte so warm ihr Blick
dringen bis in mein Kinderherz,
verzaubern diese Welt vor Glück
und mir lindern jeglichen Schmerz.
Mit ihrer kleinen Hand manchmal,
auch einem tröstlich lieben Wort,
nahm sie mir sanft die Fieberqual
von meiner heißen Stirne fort.
Wenn der Tag nach schwerer Arbeit
sich neigte müd zur Abendruh,
dann deckte sie voll Zärtlichkeit
mich noch in Gott zum Schlafe zu. —
Zwar schaut die Großmutter nieder
vom Himmel nun schon lange Zeit,
doch ich fühle immer wieder
lebendig ihre Innigkeit.
Hermine Walter (22. 2. 1978)
[obr] Eingang der St. Georgs-Kirche in Schlaggenwald — heute
Eine Erkenntnis!
Wenn man schon keine Zeit für Nächstenliebe hat, dann sollte man sich wenigstens nicht die Zeit nehmen, um Nächstenliebe zu verhöhnen.
Hermine Walter
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