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b) Zu den beiden Sätzen 12 und 13 ist noch eine längere Erklärung notwendig.
Auch wenn wir nicht wüßten, daß der blinde Jüngling ein Tscheche ist, so könnte man seine slawische Abstammung leicht aus bestimmten Charakteristiken seiner Redewendungen herauslesen.
Die Tschechen sind von Natur aus nicht mit hervorragender Tapferkeit ausgestattet. Ihre ganze Geschichte ist gekennzeichnet von Untertänigkeit und Unterwürfigkeit, von intriganter, unterirdischer Wühlarbeit, aber selbst von frühesten Zuständen her ist keine einzige heroische befreiende Tat zu verzeichnen, an welcher die germanische Geschichte so reich ist und deren markantestes und sichtbarstes Beispiel die befreiende Tat Hermann des Cheruskers war.
Den tschechischen Volkscharakter liegt der heroische Mut fern, welcher den Kampf auch gegen einen weit überlegenen Gegner aufnehmen läßt. Seine kämpferische Energie beschränkt sich auf Drohungen, ohne zu entscheidender Tat überzugehen. Offener Kampf, in dem es gilt Mann gegen Mann auf Sein oder Nichtsein zu stehen, läßt ihn zurückschrecken. Sein Sagenkreis ist weich, biegsam und träumerisch und von Wundern und Zauberspielen durchwebt. Es fehlt dem Volke das Epos einer vergangenen Heldenzeit, wie es fast alle germanischen Völker haben und das im Nibelungenlied den Deutschen eine Quelle des Stolzes und des Ruhmes ist. Mit Neid sehen daher die Tschechen auf unsere Heldenliteratur.
Diesem Mangel abzuhelfen, verfaßte ein tschechischer Dichter (Hanka) ein ähnliches Epos, welches unter dem Namen Königinhofer und Grüneberger Handschrift (1816) samt der daranschließenden Pressekampagne für und gegen dieses Machwerk, bekannter und sogar berühmter wurde als der Inhalt selbst. Der chauvinistische Tscheche versuchte also seinem Volke ein ähnliches Epos zu schaffen und erfand sich zu dem Zwecke eine Geschichte aus einer unbekannten Zeit tschechischer Heldenherrlichkeit, schrieb diese in alttschechischen Redewendungen auf vergilbtes Papier und ließ sie eines Tages im Kirchturm der tschechischen Stadt Königinhof und dem Schlosse Grüneberg im nordöstlichen Böhmen unter Chroniken und Pergamenten „entdecken". Es wurde damals viel Lärm darum geschlagen, und wir sahen im Geiste unsere alten Helden verwundert mit den Augen zwinkern, als sie von den weit tapferen und stärkeren tschechischen Überhelden hörten.
Aber gar bald wurde die Fälschung erkannt und als solche vor aller Öffentlichkeit bezeichnet.
Selbst Masaryk, der erste Präsident der ersten ČSR bezeichnete die Handschrift als Fälschung. Die Glorie vom tschechischen Nibelungen war also vorbei. Das Volk der Gernegroß hatte sich unsterblich blamiert. Lustig ist an dieser Angelegenheit, daß der Held dieser Geschichte, der, entgegen aller Artgewohnheiten und Veranlagungen gegen eine Übermacht kämpft, dazu drei Arme benötigt: einer hält das Schild, der zweite streckt die schon siegreiche Fahne hoch und mit dem dritten schwingt er das nie besiegte tschechische Schwert.
Es ist dies das markanteste Bild des ganzen Heldenepos, gleich imposant wie verlogen und unnatürlich wie die ganze Art der Politik seiner späteren Nachfolger. Und doch wäre dem Bild ein Funken Wahrheit beizubringen gewesen, hätte der Dichter den Helden alle drei Arme vorstrecken lassen, zum Zeichen des Überlaufs. Darin hätte man den Tschechen besser erkannt.
Als Einzelner ist der Tscheche kriecherisch, freundlich und immer bedacht, ohne Schaden und Kränkung mit der Übermacht oder dem Stärkeren auszukommen. Fühlt er sich aber in der Übermacht, oder hat er nur wehrlose Gegner vor sich, entfesselt er eine fast tierische Grausamkeit, gepaart mit einem abscheulichen Protzentum und Zynismus.
Der ganzen Welt gaben die Tschechen in den Jahren 1938 bis 1945 ein Beispiel dieser Charaktereigenschaften: sie vermieden es peinlich den ihnen von Hitler aufgezwungenen Kampf ohne Garantie der Westmächte anzufangen und als sich diese Garantie nur als theoretisch erwies, fielen die tschechischen Helden trotz aller vorher zur Schau getragenen Festigkeit und Entschlossenheit um.
Wer so wie wir Sudetendeutschen in den kritischen Monaten vor dem Anschluß die Stimmung der Tschechen beobachten konnte, bekam das rechte Bild von ihnen: Die untergründliche Angst vor einem Krieg, die verdämpfte Feigheit, welche sich gerne in tönenden Drohungen oder winselnden Beistandsrufen demonstrierte, brach nach München offen zu tage. Die letzte Weisheit war ihr Mut, einen Krieg vermieden zu haben und sie berauschen sich an dieser Ausrede als Zeichen ihrer politischen Reife und dem Ernst ihrer humanen Weltanschauung.
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