Schulstreß.
Maria Gebuart, zöihn d'Schwaolm fuart — und wir saßen im Klassenzimmer und sahen wie sie sich auf den Drähten sammelten. Wir malten Bilder zum Vogelzug, reife Äpfel und Birnen und lernten Gedichte: „Bei einem Wirte wundermild, da war ich jüngst zu Gaste..." und „Im Baum im grünen Bettchen hoch oben sich ein Apfel wiegt..." oder „Schon ins Land der Pyramiden flohn die Störche übers Meer..." Wir sangen das Lied „Bunt sind schon die Wälder, leer die Stoppelfelder und der Herbst beginnt..."
Wir sahen in den unteren Klassen Weißdorn und Schneebeeren — Klitscher — vorm Fenster, hatten von den Fenstern der oberen Stockwerke Aussicht vom Gaigenberg über die Neue Straße, über den Ort hin zur Kirche und zum Glockenberg, sahen die Seifertsgrün und die Donna; sahen wie an den mächtigen Eichen im Schulgarten die Blätter sich färbten, sahen im anderen Jahr von den Fenstern der Nordseite den Sturmgarten, die wechselnden Farben an Apfel- und Vogelbeerbaum, an Esche und Fliederstrauch.
Helligkeit und Dämmerung des späten Jahres drang ins Klassenzimmer, Krähen flogen bei stürmischem Wind — wir träumten und wußten es nicht — und waren im Schulhaus daheim.
7. November 1976
H. Jakob
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Eine wahre Begebenheit
Eine wahre Begebenheit
Es spielte sich in unserem lieben Heimatort Schlaggenwald im Jahre 1925 ab und zwar in der 3. Klasse Mädchen-Bürgerschule. Damals war noch vormittags und nachmittags Unterricht. Wir hatten gerade zwei Stunden Zeichenunterricht. Kurz vor Schulschluß meldete sich eine Schülerin, sie müßte mal notwendig hinaus. Der Zeichenlehrer, Herr Fachl. Otto Fischer, meinte, jetzt könnte sie wohl noch so lange warten, bis es läutet. Aber meine Freundin Annl, war anderer Meinung.
Wir sind jetzt im 67. Lebensjahr, so getraue ich mich auch, ihren Namen zu nennen: Es war die Tochter Annl vom Förster Neidhart, die spätere Frau Schäfer. Sie war nicht feige und kroch leise zur Ecke, wo der Spucknapf stand. Auf einmal hörten wir ein plätscherndes Geriesel und die ganze Klasse fing zu lachen an. Auf die Frage unseres Zeichenlehrers, was eigentlich los sei, gab niemand eine Antwort. Da reichte zu allem Mißgeschick der Spucknapf nicht mehr aus, und es lief ein leises Bächlein von der Schulbank heraus. Aber weil sämtliche Mädchen nichts verrieten, mußte die ganze Klasse nachsitzen. Als es endlich zum Schulschluß läutete, verließ unser Herr Lehrer Fischer das Klassenzimmer und meldete unser Schicksal dem Schuldiener, Herrn Kraft, der uns zur bestimmten Zeit entlassen sollte. Nun berieten wir Mädchen untereinander, was mit dem vollen Spucknapf geschehen solle, ohne daß es jemand bemerken würde, dann wurde beschlossen und gehandelt. Eine hielt die Tür zu, meine Freundin riß das Fenster im 3. Stock auf, das in das enge Gassl zum Völkl-Buchbinder hinausging, und schüttete den ganzen Inhalt des Spucknapfes einfach hinunter. Es dauerte auch nicht mehr lange bis Herr Kraft kam und uns heimgehen ließ. Und niemand ahnte etwas von unserer Missetat.
Ich nehme an, daß sich meine einstigen Mitschülerinnen noch daran erinnern können und auch darüber schmunzeln werden. Dabei ermuntere ich manche, daß sie sich etwas zahlreicher bei unseren oft so schönen Heimattreffen beteiligen möchten. So sende ich auf diesem Wege allen die herzlichsten Grüße.
Eure einstige Mitschülerin
Maria Bräutigam, geb. Schmieger
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