Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 147
/ 32
česky německy obojí klasické zobrazení →
Sken listu 16
Ulice Sezamová – vzpomínka na dětství v Horním Slavkově

Der Herr Kreuzer am Graben schnitzte zur Verzierung mit einem Gaißfußmesser in ein kleines Holzbrett einige Eichenblätter. Was ein Relief ist, blieb mir seitdem von daher haften.

Bei solchen Zügen und Zufälligkeiten durch die Stadt, bekam man Einblick in zahlreiche Werkstätten und sah vielerlei Material. Der Ruppert Seff brauchte zum Drechseln anderes Holz als der Schimmer-Wagner und der Eckl-Tischler hatte neben seiner Werkstatt wieder anderes auf Lager.

An einem Tag, an dem zeitweise Schnee und Regen zugleich vom Himmel fiel, überall das Wasser stand, an dem ein „Sauwetter" herrschte, daß man keinen Hund vor die Haustür jagte, brauchte man doch ein Dach überm Kopf. Da war es gut, wenn man in ein Haus mitgenommen wurde, wo Werkstatt und Wohnung eins war und man zuschauen konnte, wie der Marterer-Spengler Töpfe und Dachrinnen lötete, wie Bleche geschnitten, wie beim Kühnhackl Brot gebacken und eingeschossen wurde und man im alten Ublhaus (mit dem Rehkopf am holzverkleideten oberen Stockwerk) allerlei über das alte Handwerk der Weiß- und Lohgerberei erfahren konnte.

Die Kuhhaut, die im Schlachthof in die Ecke geworfen wurde, die fand ich beim Großonkel „im Haus" (Flur) wieder. Hasen-, Fuchs- und Marderfell, Bisamratten-, Lamm-, Schaf- und Ziegenfelle hingen an der Decke der großen Stube. Im Hof gab es die großen, ebenerdig in den Boden eingelassenen Gruben für die Lohgerberei und noch manch sonderbare altertümliche Gerätschaften zu diesem Gewerbe. Da die industrielle Verarbeitung, die Handarbeit schon langsam verdrängt hatte, wurde in den letzten Jahren nicht mehr alles, was an Häuten anfiel, verarbeitet. Aber aus Stolz auf seine wolligen, flauschigen Felle hielt er noch zum geringeren Teil an der Weißgerberei fest; aufgekaufte Häute wurden vom Händler geholt und das Sohlenleder zum Verkauf auf der riesigen, steinernen Platte angeboten. Wir Kinder krochen darunter hindurch und spielten vorn auf der Fensterbank. Wenn Kunden kamen, um — wie zu dieser Zeit noch üblich — ihre Sohlen zu kaufen, waren wir als neugierige Rotschwänzchen dabei. Form und Größe hatten sie aus Papier ausgeschnitten und kamen damit zum „Tonl". Der führte mit lauter Stimme ein ausführliches Gespräch, welches Leder, welche Stärke, für welche Schuhe sich am besten eignete. Danach wurden die Umrisse des Musters auf das Leder gezeichnet, dabei das Papier so gedreht, daß möglichst kein Abfall entstand, das Stück mit scharfem Messer abgeschnitten, in der Messingschale der Waage gewogen und der Preis dafür ermittelt. Bis auf die Redensart: „Du stinkst wöi a Garwe(r)ssau!" ist dieses einstmals bedeutende — damals schon seltene — Gewerbe, spurlos verschwunden.

Abwechslungsreiche Beschäftigung fand man durch die Freundschaft mit den Lehrlingen vom Häuser oder vom Kühnhackl. Man kam mit Kolonialwaren, Hering, Stockfisch, Petroleum und Kohlenanzündern in Berührung und fuhr gerne mit, um Frachtgut vom Bahnhof zu holen. Mit dem Beruf meines Vaters (Konditor) hing es zusammen, daß ich saisonmäßig beim Meixner Franz vor Weihnachten bunte Kürassiere auf Pfefferreiter kleben durfte.

Die Sohlen, die „vorhin" beim „Uhlgarber" erstanden wurden, mußten nun mit dem durchgelaufenen Schuhen zum Schuster. Unsere wurden beim Hafenrichter Hermann gedoppelt. Da war schon der Gang in dieses Haus mit den starken Mauern ein Erlebnis: Wenn man die Haustür öffnete, bimmelte darüber ein helles Glöckchen (Heute ist es umgekehrt, da muß man erst läuten und dann wird geöffnet). Ein langes, dunkles, gepflastertes „Vorhaus" tat sich auf, eine lange Holzstiege mußte hinaufgestiegen werden, dann betrat man die Werkstatt des Schusters. Da lagen viele Leisten, es gab den eisernen Dreifuß, das Wännchen mit Wasser, die Nähmaschine, den Schusterhammer, die Raspel, die blaue Schürze, das Pech und den Papp. Wegen der vielen Schächtelchen mit den Nägeln, wegen der Fertigkeit des Schusters mit der Ahle Löcher vorzuschlagen, die dann mit Holzstiften reihum nachgenagelt wurden, wäre man zu dieser Zeit auch gerne Schuster geworden. Vieles ist heute anders, aber manchmal, ja, da erinnert man sich, wenn man in einem großen Kaufhaus an der Mehrzweck-Werkstatt eines späten Nachkommens dieser Profession vorbeigeht. Schlaggenwald, die überschaubare Welt unserer Kinderzeit bot uns Anregungen für ein ganzes Leben.

Wir lernten Rost und Grünspan unterscheiden, wir hatten schon gesehen, daß Kalk oder Karbid mit Wasser zusammen aufbrauste, wir kannten Biertreber und Kleie, wir wußten, wo Sand, wo Lehm zu finden war; von den Kapselscherben der Porzellanfabrik bis zu den Perlmutterabfällen auf der Hub lernten wir die Welt um uns kennen. Allerdings wollte alles erlaufen sein, die Zeit war der Preis dafür und reich

věta pokračuje na dalším listu ⟶

list 16 z 32
Rozdělení textu na listy je odhad — text může o odstavec přetéct na sousední list. Původní znění vlevo je vždy přesné.
Klikni na větu a ukáže se, kde na skenu stojí. Zvýrazňují se celé řádky, ne přesná slova — místo je tedy přibližné.