Weihnachten ist Hoffnung!
Es ist jetzt manches Jahr nun her
und wurde mir schon längst ein Traum,
als Kind erfreute mich so sehr
ein wunderschöner Weihnachtsbaum.
Er drehte sich manchmal im Kreise,
dabei erklang ganz zart dazu
vom Jesukind die alte Weise
und von seiner himmlischen Ruh.
Zwischen Lametta und Girlanden
hundert Wunder vorüberzogen,
hellrosa Vögel mit Brillanten
waren auf's Geäst geflogen.
Um die weißen, roten Kerzen
ringelte sich das Engelhaar,
verschleierte Lebkuchenherzen
und Nikolausäpfel wunderbar.
Der Dackel aus Schokolade
mit einem grünen Band geschmückt,
auch ein Zinnsoldat in Parade
haben mein ganzes Herz beglückt.
Ich war selig eingefangen
von dieser Pracht und Herrlichkeit —
ach, wie war sie schnell vergangen
die liebe Kindermärchenzeit!
Zwar schweigt die Christbaumorgel irgendwo,
der Glitzerzauber strahlt nun nicht mehr —
doch weist jetzt ein warmes Licht mir froh
des Weihnachtswunders Wiederkehr.
Hermine Walter, geb. Palm
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Das „Krippenlamperl"
Früher, wenn daheim am Hl. Abend die Krippe aufgebaut wurde, fehlte das Krippenlamperl nie. Es wurde freihängend von der Stubendecke herab, angemacht, so daß der Lichtschein direkt in den Stall der Krippe geleuchtet hat.
Die Krippe war meist so gebaut, daß sie in eine Zimmerecke paßte und mit grünen Tannenzweigen umrandet wurde. Dort blieb die Krippe dann hängen bis zum Fest Maria Lichtmeß. Die Weihnachtszeit war dann zu Ende.
Es wurde in früheren Zeiten an den ehrfurchtsvollen Glauben festgehalten, daß die Faschingszeit nicht vor Maria Lichtmeß begann. Die Maschkera durften nicht tanzen, so lange die Krippe nicht aufgeräumt war.
Das Krippenlamperl war aus gutem alten Zinn, handgefertigt aus der Zinngießerei und ein kleines Kunstwerk. In diesem Zinngefäß war ein rotes Glas — das eigentliche Lamperl. Es wurde mit Rüböl gefüllt und der Docht daraufgesetzt, der angezündet wurde und dann viele Stunden brannte. Dieses rote Glaslämpchen gibt es selten mehr zu kaufen. Als es uns zerbrach, suchten wir lange, nach einem neuen. Endlich fanden wir in München am Domplatz ein Geschäft für sakretale Artikel und konnten dort wieder ein rotes Glaslämpchen kaufen. Nun hängt unser Zinnlamperl wieder das Jahr über im Herrgottswinkel, und es wird an manchen Gedenktagen als Allerseelenlicht angezündet. Wir sind froh und glücklich dieses gute Erbstück durch unsere Aussiedlung gerettet zu haben. Am heimlichsten wirkt das Krippenlamperl zur Weihnachtszeit.
Als wir noch Kinder waren, die Petroleumlampe noch brannte, wurde in der Dämmerung erst das Krippenlamperl angezündet. Der milde Schein war zum Träumen wie geschaffen. „Untern Löichtzünden" hat man diesen frühen Abend benannt. Es kamen Nachbarn zum „Hutschen" und man lauschte den Erzählungen der Erwachsenen. Griff die Mutter dann noch zur Gitarre und sang ihre schönen Lieder, so war es urgemütlich und lustig. Selbst das elektrische Licht konnte uns diese Dämmerstunden nicht rauben, denn das moderne Licht kostete viel Geld und es wurde gespart. So brannte auch weiterhin unser Krippenlamperl.
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