Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 143
/ 32
česky německy obojí klasické zobrazení →
Sken listu 15
Těžba cínové rudy ve středověku

Der Zinnerzbergbau im Mittelalter

Nicht nur die alte Reichsstadt Nürnberg, die eine Hochburg des Zinngießerhandwerks war, und zu der unsere Heimatstadt Schlaggenwald rege wirtschaftliche Beziehungen unterhielt, sondern auch die Stadt Bayreuth kann auf eine jahrhundertealte Zinngießertradition zurückblicken. Schon im Jahre 1443 hatte ein gewisser Ullrich Kanelgisser — schon der Name macht sein ausgeübtes Handwerk deutlich — die erste Zinngießerei in Bayreuth eröffnet und in der folgenden Zeit schlossen sich weitere Zinngießereien diesem edlen Gewerbe, dieser angesehenen Zunft an. Der Grund zu der schnellen Ausbreitung dieses Handwerkszweiges lag wohl darin, daß im Fichtelgebirge gutes Zinn abgebaut wurde. Urkundlich ist nachgewiesen, daß seit dem Jahre 1230 im Fichtelgebirge, d. h. in den Gebieten um Weißenstadt und Wunsiedel reiche Lagerstätten des damals wertvollen Erzes vorhanden waren und bis ins 19. Jahrhundert (bis 1826) auch genutzt und abgebaut wurden.

Auch im Egerland, das um das Jahr 1077 auch das gesamte Fichtelgebirge bis zum Radenzgau und das Stiftsland Waldsassen umfaßte, insbesondere aber im Raume Schlaggenwald und Schönfeld wurde Zinn gefördert und das Zinngießerhandwerk stand auch in unserer Heimat in höchster Blüte. Das „Schlaggenwalder Zinn" war durch den hohen Silbergehalt besonders beliebt und geschätzt; es wurde gerne gekauft, da durch den Silbergehalt der Glanz der fertigen Produkte lange Zeit anhielt.

Selbstverständlich bestanden zwischen den Zinngießern aus Nürnberg, Bayreuth und Schlaggenwald enge Verbindungen. Das beweist allein schon die Tatsache, daß die Zinngießerordnung, die sich die einschlägigen Handwerker aus Bayreuth und Wunsiedel im Jahre 1464 gaben, auch in Schlaggenwald und Schönfeld gültig war.

Nach dieser „Ordnung" mußte z. B. zu neun Pfund Zinn ein Pfund Blei beigemengt werden. Im Jahre 1689 bestätigte der Markgraf zu Brandenburg-Bayreuth diese alte Zinngießerordnung den Zinngießern von Bayreuth, Kulmbach und Hof.

Seit 1755 befand sich in Bayreuth die „Hauptlade" für die Zinngießerzunft von Bayreuth, Kulmbach, Hof, Wunsiedel, Neustadt an der Aisch und Erlangen.

Höchstwahrscheinlich werden sich auch die Zinngießer unserer alten Heimat diese Zinngießerordnung zu eigen gemacht haben, obwohl durch geschichtliche Ereignisse — auf die hier nicht näher eingegangen werden kann — die direkte Verbindung mit den Handwerkern ihrer Zunft im Fichtelgebirge nicht mehr bestand. Ebenfalls im Jahre 1755 bestätigte Markgraf Friedrich die alte Zinngießerordnung, auch Probe und Zeichen, in der Form von 1689.

In dieser Ordnung von 1755 heißt es unter anderem: „. . . ein jeder, sobald er Meister ist worden, soll sich ein eisernes Zeichen verfertigen, solches vor offene Lade legen lassen, damit nicht zum Betrug ein anderer dergleichen Zeichen führen kann. Es soll ein jedweder Meister auf sein Zeichen die Jahreszahl, wann er Meister geworden, wie auch die Prob mit der Zahl 8 stechen lassen . . .".

Als Reichsgesetz hat diese alte Zinngießerordnung eigentlich auch heute noch Gültigkeit (!), wenn auch die heutigen Betriebe kein Blei mehr als Zusatz verwenden. (früher 9 Pfund Zinn und 1 Pfund Blei!)

Heute kommen zu den 96% Zinn 4% Kupfer und Antimon, wodurch das Zinn gehärtet wird und seine poröse Eigenschaft verliert. Alle heutigen Betriebe, die kein Blei als Zusatz mehr verwenden, versehen ihre Ware mit einem roten Siegel.

Das Roh-Zinn wird heute nicht mehr im Fichtelgebirge selbst abgebaut; es kommt aus Malaysien und Bolivien und wird in England verhüttet. Die einheimischen Zinngießereien (in Oberfranken die beiden Firmen Sturm in Bayreuth und Schmidt in Marktleuthen) beziehen das Zinn in Blöcken. In der Gießerei wird es in einem Schmelzkessel eingeschmolzen (Schmelzpunkt bei 230 Grad). Die mit Kupfer und Antimon versetzte Schmelzmasse wird in Stahlformen erwärmt. (Gießtemperatur um

věta pokračuje na dalším listu ⟶

list 15 z 32
Rozdělení textu na listy je odhad — text může o odstavec přetéct na sousední list. Původní znění vlevo je vždy přesné.
Klikni na větu a ukáže se, kde na skenu stojí. Zvýrazňují se celé řádky, ne přesná slova — místo je tedy přibližné.