„Realitäten"
In den Jahren vor 1938 hat Herr Bürgerschuldirektor Prosch, der damals Museumsleiter war, meinen Vater (Wenzl Jakob, Konditor) diesen Brief gezeigt und zur Abschrift überlassen. Wenn sich auch eine direkte verwandtschaftliche Beziehung zu unserer Familie nicht beweisen läßt, so ist sie aber nicht auszuschließen.
Da heute so gerne von Realitäten gesprochen wird, die durch eine Anzahl von Jahren unwiderruflich werden, möchte ich durch die Veröffentlichung dieses Weglaßbriefes eben auch an eine Realität erinnern, daß Träger eines gleichen Namens nachweislich über 250 Jahre auf einen genau bezeichneten Raum anwesend waren.
Die Beschäftigung mit geschichtlichen Tatsachen ist gegenwärtig nicht sehr modern, es könnte aber sein, daß sich das wieder einmal ändert.
Es könnte dann auch dieser Beitrag, wenn er einem größeren Leserkreis zugänglich wird, als ein kleines Steinchen zur Geschichte unserer einstigen Heimat dankbar aufgehoben werden.
Herbert Jakob
Abschrift
Wir Bürgermeister und Rath der Königlichen Gränitzstadt Elbogen am Egerfluß in Königreich Böheimb, Urkunden hiermit krafft dieses offenen Brieffs gegen Männigliches sonderbahr aber da wo es Vonnöten daß uns Vorzeiger dieses hiesiger Stadtangehöriger unterthan Nahmens Martin Jakob Mühlknecht, zu beförderung seiner andererwärtig suchenden Fortun, sowohl umb Seiner dimihsion, alß auch diesen sein Ehrliches Fortkommen mit zu inherieren unterthänig gehorsamst imptoriert hat. Alsdann nun Wir die unsrigen in Ihrer anderwärts anhoffenden Wohlfahrt gar nicht zu hemmen gedenken, Vielmehr aber Zubefördern geneigt sind. Dieß Thun Wir hiermit denn anfangs gedachten Martin Jakob der unterthänigen Pflicht womit Uns undt hiesiger Stadt, derselbe von seiner geburth an bisher leibeigentlich Verbunden warr. Hiermit allerdings frei und loß zahlen, anbey der Edlen Wahrheit zu attestieren, das er Martin Jacob nach dem nunmehr in Gottes ruhenden Ehrlichen Eltern Michael Jakob, des Johann Jakobs Sohn von Nalesgrün ehelichen Sohnes mit der Sabina Möschlin, des Michael Möschls- zu Poschetzau eheleiblichen Tochter Anno Sechtzehn Hundert Achtzig Viere (1684) dem 8ten Oktobris christlich kath. gebrauch und durch den in Gott selig entschlafenen Wohl Ehrwürdigen Herrn Patri Andrae Häckl gewesenen Pfarrherrn zu Unter Kodau und Neuvohla kopuliert worden. Alsdann von seinen Eltern in solchen Ehrlichen stand gesetzt und geboren — infolglich im Jahr Sechzehn Hundert und neunzig (1690) den 10. Novembris durch den nunmehr auch in Gott Selig ruhenden Hochwürdig und Hochgelährten Herrn Paul Alexio Strohs, Sakri Militaris Ordinaris Crucigaum cum Rubea Stella Loci Decanv it per Cartum distri aveti Epihcopi Pragensis Vicaro (Vacaro) Parano getauft worden. Levans war Michael Huther. Festes Mathias Marterer Thomas Lochschmidt Catharina Lochschmittin und Catharina Stowasserin, und alle ehrlichen Personen aus dem anher gehörigen Dorfe Nalesgrün Gelanget demnach an alle höheren Respektive Hohen undt Niedrige Standes und Ambts Personen, denen dieser Unser Beglaubigter Freyer Weglaß= undt Geburtsbrief Vorkommt. Unser geziemendes Bitten und ersuchen hiemit: nicht nur allen obernannten allen wahrhaften Glauben beizumessen sondern auch oft gedachten Martin Jakob, welcher nunmehro Von Uns der Unterthänigkeit gäntzlich entlaßen.
Mithin in den Völligen Freiheitsstandt gesetzt worden ist: Wegen seines ehrlichen Herkommens, undt sonstig so Viel und wißent guthen Verhaltenswillen, all geneugtheit und fördersamber Hülf gäntzlich wiederfahren zu lassen.
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