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erhob. Ich atmete auf als wir endlich keinen deutschen Boden bzw. überhaupt kein Land mehr sahen. Ein seltsamer Zustand des Nirgendwohingehörens umfing mich. 10 Stunden in einer unbequemen, nur auf die Beförderung von Menschenmaterial eingerichteten Flugmaschine ist kein Genuß! „Wird mein Mann uns in New Jersey abholen, oder werden wir den Transkontinentalflug alleine antreten müssen?" war die bange Frage, die mich bewog. Ich hatte ursprünglich vorgeschlagen, daß er uns erst in Los Angeles in Empfang nehmen sollte, mit Rücksicht auf unseren Geldbeutel.
Drei Augenpaare suchten die Besuchertribüne ab. Die Kinder meinten Vati zu sehen, ich konnte nichts erkennen. Wir waren die Letzten, die sich endlich aus dem unbequemen Rumpf der Maschine drängten und die Stufen auf den festen Boden, auf amerikanischen Boden, hinunterstiegen. Ich dachte unwillkürlich daran, wie ich vor mehr als 6 Jahren Amerika verlassen hatte mit Michael, dem damals 1 1/2jährigen an der Hand und Stephan unterm Herzen. Und dann entdeckten wir ihn mit seinem Vater und Bruder. Mir fiel nun doch ein Stein vom Herzen. Jedoch dauerte es noch über 3 Stunden bis wir endlich müde, abgespannt und nervös, unsere schweren Koffer mehr schiebend als tragend, die Tür aufstießen, die uns vereinigte. Von der Fahrt vom Flughafen zum Elternhaus meines Mannes weiß ich nichts mehr; ich schlief sofort im Auto ein. 2 Tage blieben wir bei den Eltern, um den Kindern den Zeit- und Klimawechsel zu erleichtern. Immer wieder mußte ich die bange Frage beantworten, „Mutti, wieviel Uhr ist es jetzt bei Oma und Opa in Deutschland?" Mich drängte es weiter nach Westen, dorthin wo ich für die nächste Zeit leben sollte.
Am Dienstag morgen um 10 Uhr bestiegen wir wieder einen großen Menschenvogel und flogen unserer neuen Heimat Los Angeles entgegen. Welch ein Unterschied dieses Mal! Großes, geräumiges Flugzeug, freundliche Stewardessen, herrliche Mahlzeiten. Wir schalteten unsere Bordradios ein, die Kinder lauschten der Märchenstunde und ich ließ mich von Tschaikowskys Violinenkoncerto begleitet über den Kontinent tragen. — Unter mir der große Kontinent Amerika! Noch vor wenigen Tagen, aber was sind Tage, lebte und lachte ich daheim. Und nun dieselben Empfindungen in einer ganz anderen Region. Die Umgebung ändert sich, der Mensch aber, das innere Selbst, bleibt derselbe. Also muß das uns Umgebende, das für den Menschen meistens so wichtig ist, eigentlich unwesentlich sein. Wesentlich, weil von Dauer, ist nur das Selbst, das wir in uns tragen als unlösbaren Gottesanteil. Die Violinenklänge brachten meine Seele zum Schwingen und fast war es mir, als verließe diese das Körpergewand und flöge davon — wohin? Ein eigenartiges Glücksgefühl durchflutete mich. Tränen auf meinen Wangen riefen mich wieder in die Wirklichkeit zurück. Aber was ist Wirklichkeit und was ist Schein? Was ist Zeit und Raum?
Um 12 Uhr Mittag Pazifik-Zeit senkte sich der Vogel auf eine Riesenfläche von Häusern, Hütten, Industriezentren, Los Angeles, herab. Ein klimatisierter Flughafen nahm uns auf. Ein Mitarbeiter von meinem Mann holte uns ab. Mit klopfendem Herzen fuhr ich durch die fremde Stadt, die eigentlich gar keine Stadt im herkömmlichen Sinn ist, vorbei an Ölfeldern, häßlichen Trockenflächen, und immer wieder schwang die bange Frage nach unserem neuen Domizil in mir. Dann endlich hielt der Wagen und wir waren „zu Hause". Zwei große Palmen vor einem in L-Form gebauten, schindelbedeckten Ranchhaus und drinnen viele Räume, mit unendlich vielen Türen, Fenstern und wohin ich sah Kisten und Kartons! Die großen Möbelstücke standen und einiges war auch schon ausgepackt. Ich nahm mein Herz in beide Hände und beschloß aus diesem Chaos ein Heim zu machen, in dem Frieden und Freude wohnen würden.
2 Wochen arbeiteten wir wie besessen, und dann kam langsam Ordnung ins Chaos, Licht ins Dunkel und auf einmal war es ein Heim geworden, schön und gemütlich zum Leben einladend.
Die Kinder haben den Wechsel gut überstanden und scheinen sich wohl zu fühlen. Jedes hat seinen Bereich, den wir mit viel Sorgfalt und Liebe hergerichtet haben. Mir steht ein großer Raum mit Kamin zur Verfügung.
Nun arbeitet mein Mann wieder und das Leben hat eine gewisse Ordnung und Rhythmus angenommen. Wir beginnen unseren Tag um 5.30 a.m. mit 20 minütigem Stillesein, in uns Selbst gehen. Dann wird gefrühstückt und um 6.30 fährt mein Mann
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