Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 138
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Krudumský Zemberer z Horního Slavkova

Einen großen Sack schleppte er stets mit. Aber Leckereien waren da nicht drinnen. Die gab es nur beim Reif-, beim Meixner- und Heßkonditor.

Die Ankunft kündigte er mit gewaltigem Kettenrasseln und lautem Getrampel an. Das liebliche Klingeln der Glöcklein hätte da uns Buben auch lieber in den Ohren geklungen. Kräftig schlug er mit seinem Rutenbesen gegen die Stubentür und dann stand er plötzlich da. Aber bevor er hereinkam, huschte ich unter den Tisch und verkroch mich unter den Kitteln der Großmutter. Leider half das nicht viel. Er wußte genau wie viele Kinder im Haus waren, und so holte er auch mich aus meinem Versteck hervor. Gemeinsam mußte das Vaterunser gebetet werden. Blieb man vor lauter Aufregung stecken, winkte er gleich mit seiner Rute, die schon mehr ein Reiserbesen war. Nachdem er dann einige unserer im Jahre begangenen Missetaten aufgezählt und den größeren Buben mit der Rute eines übergezogen hatte, wir wiederum gute Besserung versprochen hatten, leerte er seinen Sack mitten in die Stube. Hei, wie polterten da die Äpfel über den frisch gescheuerten Holzfußboden und die Nüsse sprangen mit munterem Gerassel hinterher. Andere Leckereien hatte er nicht im Sack. Das war auch das Zeichen, daß wir uns auf diese Delikatesse stürzen sollten. Jeder versuchte soviel wie nur möglich von den Köstlichkeiten zu erwischen. Den Eifer, den wir Kinder da anzeigten, war für die Eltern, Großeltern und sonstige Tanten und Onkels, die noch zur Familie gehörten, eine Belustigung.

Damals waren Äpfel und Nüsse nicht so häufig und reichlich vorhanden wie das heute der Fall ist. Nur in der Weihnachtszeit, so jedenfalls ist mir in Erinnerung, gab es diese Früchte. Während wir Kinder uns am Stubenboden herumbalgten und versuchten, doch von anderen Geschwistern eine Nuß oder einen Apfel zu stibitzen, wurde unbemerkt am Tisch noch ein „Pfefferreiter" oder eine „Pfefferdocke" gelegt, dazu einige „Pumpernickel", wie wir daheim zu den Lebkuchen gesagt haben, für die Erwachsenen.

Der Zemberer hat unterdessen wieder die Stube verlassen. Aber dann tauchte meistens ein verspäteter Onkel auf. Daraufhin stieg in uns ein ganz grimmiger Verdacht auf. Nun erinnerte man sich daran, daß die großen Stiefel, die der Zemberer trug, uns gar nicht so unbekannt waren. Bald fanden wir auch heraus, wer der Zemberer gewesen war. Wohlweislich ließen wir das nicht merken und erkundigten uns auch gar nicht weiter, denn für uns begann nun das Schmausen. Mit Wonne biß man in so einen rotbäckigen Tiroler Apfel. Der Pumpernickel wurde der Großmutter mit Schmeichelei abgeschwatzt. Und während draußen bei jedem Schritt der Schnee knirschte, war es in der Stube mit dem gemauerten Herd, aus dessen großer Röhre so schöne Wärme strömte, urgemütlich und man fühlte sich richtig geborgen inmitten der Großfamilie, wie sie damals noch bei uns bestand. Der Duft der Äpfel, das Knacken der Nußschalen gaben diesem Abend eine besondere Note.

Damals waren die Menschen bescheiden. Die reichen Beschenkungen, wie sie heute Mode sind, gab es damals nicht. Aber dafür strahlende Kinderaugen, frohe und zufriedene Kinderherzen.

R. B.

Dík a pozdrav naší Else LOOSOVÉ!

Dank und Gruß an unsere Else LOOS!

Noch vor dem Fest, am 13. Dezember, dürfen wir Frl. Oberlehrerin a. D. Else LOOS, heute in der Patenstadt der Schlaggenwalder, 8572 Auerbach, Bulagstraße 8 lebend, zum 76. Geburtstag herzlichst gratulieren. Eine öffentliche Würdigung findet sich im Oktoberheft 1973 des SUDETENDEUTSCHEN ERZIEHERBRIEFES. Nicht uninteressant ist die Herkunft unserer verehrten Landsmännin, die väterlichen Vorfahren stammen aus Neundorf an der Biela, Kreis Komotau und waren durch mehrere Generationen Maurer, mütterlicherseits sind es Musselin- und Spitzenhändler aus dem mittleren Erzgebirge (Frühbuß und Sauersack).

Frl. LOOS verdankt das Elbogener Kreisarchiv u. a. auch eine Reihe des Schlaggenwalder Heimatbriefes. Herzlichen Heimatdank und noch viele Jahre gewohnter Rüstigkeit.

I. A.: Herbert SCHNEIDER/Tübingen

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