HANS KUDLICH, der Bauernbefreier
GUSTAV HACKER
Zum hundertsten Geburtstag Hans Kudlichs im Jahre 1923 widmete der schlesische Heimatdichter Bruno Hanns Wittek dem Österreichischen Bauernbefreier die nachstehenden Verse:
„Merk dir den Namen, deutscher Bauer,
und drück ihn ein ins Herz, wie du
die Pflugschar in den Acker drückst;
hier ist dein Heiligtum, hier lohnt's der Müh,
daß du den Hut in Ehrfurcht rückst
vor diesem Mann, der dich freigemacht."
Und wenn auch zu dem Kudlich-Roman desselben Verfassers „Sturm überm Acker" Theodor Heuss das Vorwort schrieb, in welchem er Kudlichs Leben und sein Werk würdigt, die Frage ist gerechtfertigt, wer bei uns kennt schon Hans Kudlich?
Weil sich wenigstens die Bauern seiner erinnern sollten, wenn sein Wirken auch darüber hinaus nicht unerheblich ist, dienen diese Anmerkungen im Jahre 1973 seinem 150. Geburtstag und der 125. Wiederkehr seines Antrages zur Bauernbefreiung in Österreich.
Hans Kudlich stammt aus Österreichisch-Schlesien. Er wurde am 25. 10. 1823 in Lobenstein, Kreis Jägerndorf, als Sohn eines robottpflichtigen Bauern geboren. Als Jüngster von sieben Geschwistern besuchte er das katholische Gymnasium in Troppau, ohne daß er sonderlich Lust zum Studium zeigte, wie er durch schlechte Schulzeugnisse beweisen konnte. Er wollte Bauer werden. Dies wieder paßte seinem Vater nicht, der für die Hofnachfolge einen anderen Sohn vorgesehen hatte. Kurzen Prozeß machend schickte der Vater Kudlich, der uns als Bauer von „echtem Schrot und Korn" geschildert wird, seinen Hans zu einem Schuster in die Lehre. Sein Versprechen, doch lieber lernen zu wollen, hielt er, legte mit 17 Jahren die Matura ab und dem Wunsche des Vaters folgend, widmete er sich dem Studium der Rechte in Wien, ebenso wie sein ältester Bruder. Das Jura-Studium hatte Vater Kudlich für beide Söhne ausgewählt, da er voller Hochachtung vor Advokaten war, hatte er doch mit Hilfe eines Advokaten einen Prozeß gegen die Lichtensteinsche Herrschaft gewonnen.
Allerdings im Vormärz und März des Jahres 1848 konnte in Wien ein Student nicht nur studieren. Die Wiener „Studentenlegion" und Hans Kudlich in ihr verstanden den in aller Welt immer wiederkehrenden Ruf noch Freiheit im Wissen, daß die Freiheit stärker ist als jede Unterdrückung und jegliche Diktatur. Am 13. März 1848 wurde Kudlich bei einer Demonstration vor dem Landtag in Wien durch einen Bajonettstich nicht ungefährlich verwundet und so kam er als Märtyrer zurück in die Heimat. In die Zeit seiner Genesung in Lobenstein fallen die Wahlen zum ersten österreichischen Reichstag. Die Bauern des Wahlkreises Bennisch stellen Kudlich zum Kandidaten auf und im letzten Wahlgang wird er auch mit den Stimmen der tschechischen Bauern gewählt. Schon wenige Wochen nach der Reichstagseröffnung stellte er als jüngster Abgeordneter des Parlamentes den folgenreichen die Welt überraschenden Antrag in der knappen Formulierung:
„Von nun an ist das Untertänigkeitsverhältnis samt allen dazugehörigen Rechten und Pflichten aufgehoben, vorbehaltlich der Bestimmung, ob und wie eine Entschädigung zu leisten sei!"
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