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große Strecke bis dorthin. Ich spürte mein Hungergefühl bei der Betrachtung des Wegs und dem Ungewissen, was da auf mich zukommen könnte, völlig schwinden. Das Essenverlangen war einfach weg. Ich hatte wohl den Mut verloren ohne den Großvater diesen weiten Weg zu gehen und mich von ihm trennen zu müssen. So sagte ich ganz scheinheilig zu ihm: „Aber Großvater, dort ist bestimmt ein Hund und da hab ich doch so sehr Angst." Der lachte aber nur. „Der Hund ist an der Kette, der tut dir nichts." Das klang so überzeugend und dem Großvater konnte man glauben. Also war es nichts mit meiner kindlichen List. Das dumme Gefühl im Bauch stellte sich auch wieder ein.
Nachdem mir der Großvater versprechen mußte, sich von hier ja nicht zu entfernen, machte ich mich doch auf den Weg. Er rief mir noch zu: „Wenn man dich fragt, wem du gehörst, dann sagst der Alois ist mein Großvater."
So stapfte ich mit meinen kleinen Beinen dahin. Immer einmal blieb ich stehen und schaute zurück, ob der Großvater auch Wort hielt und auf dem gleichen Platz weilte. Solange ich ihn sehen konnte, lief ich ganz flott dahin. Etwas komisch wurde es mir, als ich die kleine Senke durchschreiten mußte, denn da war der Großvater meinen Augen entschwunden. Aber anscheinend trieb mich doch das komische Gefühl voran. Ich nehme an, daß es mehr der Durst war, der mich plagte.
Plötzlich stand ich vor dem großen hölzernen Hoftor. Neugierig schaute ich mich um, denn vor dem Hund hatte ich doch sehr Respekt. Mein Herzchen hörte ich bis zum Halse schlagen. Ich war doch noch nie so mutterseelenallein in ein so großes Haus gegangen, und mit den Kinderaugen sieht ja alles wie durch ein Vergrößerungsglas aus. Nun stand ich im Hausgang. Aus einer offenstehenden Tür — damals wußte ich ja noch nicht wo links und rechts ist — drang ein wunderbarer Geruch. Die Türe ging nach innen und verdeckte den Teil der großen Stube, wo sich der Herd befand. So konnte ich niemanden sehen.
Auf des Großvaters Geheiß klopfte ich an die Türe. Im selben Augenblick ertönte eine schöne, weiche Frauenstimme vom Ofen hinter der Türe her:
„Ja Büblein, wo kommst du denn her, wie heißt du denn?" Dabei schauten mich zwei so selten freundliche Augen aus einem hübschen vom Kochdampf rosa gefärbten Gesicht an, daß ich meinte die hl. Maria sei es.
Ich war wohl ein bißchen erschrocken bei dieser plötzlichen Anrede, denn ich brachte keinen Laut heraus. Mir war es schier zum Heulen. Plötzlich kam ich mir vom Großvater im Stich gelassen vor. So stotterte ich denn los: „Hunger hab' ich!" Das Bittschön hatte ich mir erspart, vielleicht war es auch das Verlegensein, denn auf so einen freundlichen Empfang war ich doch nicht vorbereitet. Die junge Frau war mit ihrem Gesicht dem meinen ganz nahe gekommen, und ihre weiche Hand tätschelte mir über die Wangen.
Kaum hatte ich meinen Wunsch geäußert, da bekam ich auch schon einen Stuhl herbeigerückt und davor ein kleines Hockerl. Der Tisch war ja zu hoch für mich, daß ich nur auf der Bank stehend hätte essen können. — Freundlich wurde ich aufgefordert mich zu setzen. Schnell brachte sie einen Teller herbei, auf dem die allerschönsten Liwanzen aufgeschichtet waren. Statt Wasser bekam ich einen riesengroßen Topf — für meine Augen war der Topf so groß — mit kühler Milch dazu. Ich griff sofort zum Milchtopf und ohne Abzusetzen trank ich ihn aus. Danach wollte ich mich gleich aus dem Staube machen, aber so schnell kam ich doch nicht davon.
Die junge Frau — damals wußte ich ja nicht wer sie war — setzte sich auf einen Stuhl neben mich und fing an mich auszufragen. Dabei hatte ich von dem leckeren Eiergebäck doch noch einiges verzwickt.
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