Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 133
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Ohlédnutí za životem ve Gfellu

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waren positiv. Das Saazerland, mit den protzigen Höfen und den Dampfpflügen auf den Feldern, weckten Minderwertigkeitskomplexe. Reste von Schulweisheit feierten Auferstehung, als wir Schloß Stern passierten und an die Schlacht am Weißen Berge gemahnt wurden. Die goldene Stadt erinnerte an den Fenstersturz, Kolin an den Großen Fritz und der Spielberg bei Brünn an den Pandurenführer Trenck. In den Beskiden bewunderten wir die Geschicklichkeit der Flößer auf der Waag und die Krone der Landschaft war schließlich das Hochgebirge der Hohen Tatra, welche im Widerschein des Abendrotes ein Bild majestätischer Erhabenheit bot. Die Begeisterung verging uns, als wir am Fuße der Karpaten in einem Junggesellenheim von fluchenden Unteroffizieren empfangen wurden. Vom zartfühlenden Liebchen unter diese Brüllaffen — entsetzlich.

Nachdem sich der Betrieb eingependelt hatte, wurde auch diese Zeit erträglich. Vor allem lernte man unsere Nachbarn, die Tschechen kennen, die sich damals noch zahm gaben. Es kam soweit, daß wir uns gegenseitig um ein Kč auf Zora anpumpten, wenn die Löhnung vorzeitig verjubelt war. Im wesentlichen waren es Unschuldsengel vom Lande, die noch weinen konnten, wenn ein Brief von Mamitschka deren Sehnsucht nach ihrem Goldjungen allzusehr zum Ausdruck gebracht wurde. Bei der Fahrt in den Urlaub trafen wir mit den Vätern unserer tschechischen Kameraden zusammen, die, vom Ferkelmarkt kommend, einige Stationen weit unsere schwachen Sprachkenntnisse auf eine harte Probe stellten. Die Neugierde dieser biederen Reisegefährten wurde unsererseits mit schamloser Angeberei befriedigt. Ein jeder Kuhpritscher gab sich als Großbauer aus und ein jeder Holzhauer als Oberförster. Die Bombe platzte als ein Luftikus den väterlichen Beruf mit Bischof bezeichnete. Damit waren wir als Münchhausens Nachkommen bloßgestellt.

Auch die Mütter unserer braven Tschechen lernten wir bei Gelegenheit kennen. Bei diesen molligen Trutschen erkundigte man sich nach dem Befinden der Töchter, bot sich als Hochzeiter an und wurde abgeblitzt, nachdem wir im gleichen Atemzuge nach der Mitgift forschten. Es war oft eine Mordsgaudi im Abteil, bei welcher von nationalen Gegensätzen nichts zu bemerken war.

Wie jede Entlassung aus einer Zwangslage war auch der Abschied von diesem Verein ein Freudentag größeren Ausmaßes, der allenthalben mit zünftigen Rauschen gefeiert wurde.

Nun hatte uns die Heimat wieder, doch die einstigen Strohsackgebete wurden nicht erhört. Eine Saat begann zu sprossen, in welcher die einen das Heil, andere wieder den Untergang Deutschlands erkennen wollten. Eines Tages befand man sich tatsächlich unter der Diktatur eines politischen Hitzkopfes, dessen Ideen ins Inferno führten. Die Weichen waren falsch gestellt. Die Führer der Tschechen nutzten die Situation zur „humanen" Aussiedlung. Unter diesen Umständen sah ich mich gezwungen, mein vertrödeltes Dasein in den Hafen der Ehe zu steuern. Es war eine Sternstunde, als uns der Priester die Schicksalsschwangeren Worte sagte: „Bis daß der Tod Euch scheide!", womit ich an eine fürsorgliche Hausfrau gebunden war, an deren Seite das Dasein erst Sinn und Zweck erhielt.

Der Großteil der Vertriebenen hat sich mit der gegebenen Situation abgefunden und treibt höchstens noch politische Kleingärtnerei, nachdem ja sowieso kein Tee mehr gegen Ach und Weh hilft. Doch in besinnlichen Stunden, zehrt die ältere Generation von der Erinnerung. Aber auch diese Gedankenspielerei mit der Vergangenheit sollte man nicht laut werden lassen. Mit der seelischen Verbundenheit mit der Heimat wird abermals Falschmünzerei getrieben, in dem man die naturgegebenen Gefühle an der Börse der Volksverhetzung als brutalen Revanchismus anbietet.

Heinrich Hess

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