Sudetendeutsche legen Rechtsverwahrung ein
Am 14. Juli 1973 billigte die Bundesversammlung der Sudetendeutschen Landsmannschaft eine Erklärung des Sudetendeutschen Rates zum „Vertrag über die gegenseitigen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik". Die beiden sudetendeutschen Gremien, die am gleichen Tage zusammengetreten waren, legten damit gegen den Vertrag, soweit er „Gefahren für die Rechtspositionen der Sudetendeutschen und aller Deutschen begründet und die noch ungelösten Probleme der fortbestehenden Sudetenfrage übergeht", Rechtsverwahrung ein.
Die Vertreter der SPD und der FDP enthielten sich im Sudetendeutschen Rat der Stimme, ohne die Absicht, damit die einstimmig angenommene Erklärung des Rates im Ganzen abzulehnen.
Sie wollten nicht gegen die fundamentalen Rechte der sudetendeutschen Volksgruppe stimmen, andererseits aber die Stellungnahme der Bundesregierung zu einem Memorandum abwarten, das die sudetendeutsche Seite gemeinsam mit den Erklärungen der Bundesregierung übergeben wird. Das Memorandum wurde von dem Rechtsreferat der Sudetendeutschen Landsmannschaft im Zusammenhang mit einer Reihe namhafter Völkerrechtler erarbeitet und analysiert die Problematik, die in dem Vertragswerk nach Meinung der Sudetendeutschen einseitig oder falsch gelöst ist.
Rückschau
Die Erinnerung ist das Bilderbuch des Lebens.
Mit dieser Weisheit macht jeder Mensch Bekanntschaft und glücklich der, welcher sein Schifflein ohne größere Havarie durch die Klippen des Daseins brachte und keine Seite dieses Buches missen möchte. Vom geistigen Erwachen des Kindes, bis ins Greisenalter hinein wird von dieser — teils süßen, teils bitteren — Wegzehrung genascht.
Am Lande war es meist ein Sandhaufen im Hofraum, auf welchem der erste gesellschaftliche Kontakt zur Umwelt geknüpft wurde und die kindliche Fantasie ihre ersten Blüten trug. Hier wurde gepanscht, gebacken, gebuttelt, den Erwachsenen in jeder Hinsicht nachgeäfft und auch die ersten Prügeleien ausgetragen. Ein Gschaftlhuber brach in diese Idylle mit bunten Scherben, flachen Kieselsteinen und Murmeln ein, und brachte damit die verderbliche Macht des Kapitals ins Spiel. Es kam so weit, daß selbst die Puppenmütter ihr Liebstes wie Ferkel an die Schacherer mit Handschlag verkauften. Der Schluß war dann eine handfeste Keilerei, nach welcher der schmutzige Krämer weder Geld noch Ware besaß.
Der nächste Schritt in die weite Welt waren die seichten Wiesengewässer in der Umgebung, die zum ersten Freibad einluden, wobei auch die Kirschbäume an den Feldrainen entdeckt wurden. Hier wurde zum ersten Mal das ritterliche Wesen der männlichen Pimpfe bei der Kirschenernte angerufen. Die Feigenblätter der Schönen lagen zum Trocknen auf der Wiese ausgebreitet, doch reichte das Schamgefühl schon so weit, daß man mit bloßem Popo nicht mit den Jungen in den Bäumen herumklettert. Das Ernteergebnis wurde zum Schluß ehrlich geteilt und als Gegenleistung mußte die Lehrer Gretl mit ihrer klangvollen Stimme einige Märchen erzählen. Wie die Kücken hockten wir dann um die Gretl und vernahmen vom Schicksal des Rotkäppchens, des Schneewittchens, des Rumpelstilzchens und anderes mehr.
Das Innere des Waldes mieden wir vorläufig, nachdem er als finsterer Moloch verrufen war, in welchem der wilde Jäger, Hoymänner, Kopfabschneider und andere Gelichter ihr Unwesen trieben. Der Pioniergeist war jedoch stärker als die Angst und als wir später bis zum Rehbrünnl vordrangen, jagt doch tatsächlich ein brüllender und axtschwingender Unhold her. Weit später stellte sich heraus, daß es der Bittner Hans war, dem wir diese Panik zu danken hatten. Trotz dieses Gespensterspuks wurde uns der Wald in Zukunft der liebste Aufenthalt, der mit der Jagdsaison den Höhepunkt erreichte. Neben der Gaudi gab es da noch 10 Kč und 2 Knackwürste als Treiber zu verdienen.
Eine Sensation war es ferner, wenn der Fischer Hans den „Lohndrusch" mit seiner Dreschgarnitur begann. Die ganze dörfliche Jugend bestaunte das technische Wunder, wenn es sich vor überschäumender Kraft zitternd in Bewegung setzte und mit einem schrillen Pfiff die Helfer zur Arbeit rief. Der Hund des Hans kam dabei stets in Rage und machte dabei Miene das Koloß anzugreifen.
In dieser Zeit meldeten sich auch die Vorboten des Winters mit zartem Flockengeriesel und beißender Kälte an. Auf Steigen und Teichen wurde oft bis in die Dämmerung hinein dem „Glitschen" gehuldigt, welches dem Lehrer ein Dorn im Auge war. Aus dem Norden trafen die Dompfaffen und Seidenschwänze ein, welchen ein strenger Winter folgen sollte. Nun rüsteten sich auch die Kleinsten für den Wintersport, deren einziges Requisit ein plumper Schlitten war. Wohl war die Abfahrt ein Heidenspaß, doch zum Hochziehen reichte die Kraft nicht aus, weshalb ein Sozius zur Hilfe gebeten werden mußte. Zwei blutige Bubenköpfe waren nach kurzer
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