Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 110
/ 32
česky německy obojí klasické zobrazení →
Sken listu 16
Život ve vsi Gfell – vzpomínka na dění v obci

Das Leben in Gfell

Ein Rückblick auf das Dorfgeschehen

Von Emma Schuster †, Gfell / Kaufbeuren-Neugablonz

7. Fortsetzung

[obr] Emma Schuster, * 4. 4. 1898, † 14. 9. 1965

Die ruhige Zeit um die Jahrhundertwende fand auch im Dorfgeschehen ihren Ausdruck. Am Abend nach dem Gebetläuten saß der Bauer gemütlich vor der Haustür auf seiner Bank, plauderte mit dem Nachbar oder las seine Zeitung. In den damaligen Jahren wurden „Der Landbote" vom Bund der Landwirte, dann „Der Kleinbauer" vom Kleinbauernbund und der „Volkswille" von der sozialdemokratischen Arbeiterpartei viel gelesen. Auch „Der Dorfbote" war bei zahlreichen Landwirten anzutreffen. Darüber hinaus lagen in den Gasthäusern mehrere Zeitungen auf, so die „Elbogener Zeitung", das „Karlsbader Badeblatt", das „Prager Tagblatt", das „Wiener Weltblatt" und andere.

Friedlich gingen die Dorfbewohner ihrer Arbeit nach, der Bauer auf seinem Hof, der Arbeiter in der Fabrik oder Werkstatt. Allerdings lagen die meisten Arbeitsplätze auswärts, die nur durch einen Fußmarsch von zwei bis drei Stunden erreicht werden konnten. Diese Wegstrecke mußte Tag für Tag hin und zurück bewältigt werden. Einige Gfeller schafften in den beiden Porzellanfabriken Haas & Czjzek und Sommer & Matschak in Schlaggenwald, andere wieder in der Porzellanfabrik in Pirkenhammer oder in der Glasfabrik in Meierhöfen.

Kellner, Köche, Hausmeister und Zimmermädchen bzw. Serviererinnen waren in der nahen Kurstadt Karlsbad beschäftigt, ebenso fanden Zimmerleute, Maurer und sonstige Handwerker bei Neubauten in Karlsbad ihr berufliches Fortkommen. Keiner der Werktätigen war auf Rosen gebettet, denn die Löhne und sozialen Leistungen ließen im Vergleich zu heute sehr zu wünschen übrig. Es war in jener Zeit eine schwere Lebensaufgabe, eine mehrköpfige Familie zu ernähren.

Ich denke da nur an den Fabrikarbeiter Johann Schöberl (Bittna Vetta). Diese Familie wohnte damals bei uns, als ich noch ein Kind war. Tagtäglich kam er schon gegen drei Uhr früh die Treppe herunter, um seinen langen Weg zur Arbeitsstätte anzutreten. Er war fleißig und unverdrossen, immer hilfsbereit, selbst mitten in der Nacht. Obwohl es der Bittna Vetta nicht leicht hatte, ging er mit einem großen Humor durchs Leben. An sein Steckenpferd — die Pfeifensammlung — denke ich heute noch. Sie fiel einem schon ins Auge, wenn man beim Bittna zur Tür hereinkam. Fünf kräftige Söhne hatte er großgezogen, drei von ihnen sind im ersten Weltkrieg 1914/18 gefallen. Dennoch ist es, als ob der Herrgott seinen Segen dieser Familie kundtat. Der jüngste seiner Söhne namens Oskar kann mit Stolz auf drei tüchtige Nachkommen blicken. Diese drei Enkelsöhne des seligen Bittna Vetta gehören der geistigen Elite an und stellen im Berufsleben ihren Mann. Sie haben es heute leichter als einst ihr Großvater.

Ganz anspruchslos war auch Wenzl Palm, der Vater von Frau Jehmlich. Er arbeitete im Steinbruch Christl in Poschitzau und wohnte mit seiner Familie zu jener Zeit ebenfalls bei uns. Frühmorgens kaufte sich Vater Palm in unserer Trafik immer ein Päckchen Tabak, stopfte sein Pfeifchen und zog dann mit einem Lächeln gegen Poschitzau. Auch abends kam er mit einem freundlichen „Guten Abend" lächelnd heim. Er hatte für drei brave Kinder zu sorgen, die seine einzige Freude waren. Sein ältester Sohn Heinrich, der als Zimmermaler schon in der alten Heimat ein

věta pokračuje na dalším listu ⟶

list 16 z 32
Rozdělení textu na listy je odhad — text může o odstavec přetéct na sousední list. Původní znění vlevo je vždy přesné.
Klikni na větu a ukáže se, kde na skenu stojí. Zvýrazňují se celé řádky, ne přesná slova — místo je tedy přibližné.