Wo durch Jahrhunderte nur Deutsche siedelten, leben heute Tschechen, Slowaken, Zigeuner, Rumänen und Ungarn. Die Sudetendeutschen bilden überall nur noch nicht ins Gewicht fallende Minderheiten. Daß es in Weipert sogar einen deutschen Bürgermeister gibt, ist ein Unikat. Planmäßig und mit viel Eifer hat man sich in den vergangenen 17 Jahren bemüht, all das auszumerzen, was an die deutsche Vergangenheit unserer Heimat erinnert. Für Prag dürfen die in der Heimat verbliebenen Sudetendeutschen die deutsche Bezeichnung Prag benützen. Aber für die Orte ihrer sudetendeutschen Heimat dürfen diese, nach der Verfassung angeblich gleichberechtigten Bewohner, nicht die uralten Bezeichnungen, wie z. B. Karlsbad, Schlaggenwald oder Schlackenwerth benützen, sondern Karlovy Vary, Horni Slavkov und Ostrov. Orte, die bis 1938 im Tschechischen etwa Falknov (Falkenau) oder Funkstejn (Funkenstein) hießen, wurden ein zweitesmal tschechisiert zu Sokolov und Haj. Die alte Reichsstadt Eger, die mit der deutschen Geschichte viel länger verbunden ist als z. B. die einstige Reichshauptstadt Berlin, erhält nun anstelle des alten Stadtwappens mit dem deutschen Reichsadler im vergitterten Feld ein neues Wappen, das an die hussitische Vergangenheit (!!!) dieser Stadt erinnern soll. Aber auch in der nichtkapitalistischen Tschechoslowakei zeigt es sich, daß das empfindsamste aller Organe der Geldbeutel ist. Da die „Badestadt Karlovy Vary" niemand angezogen hat, versucht man es nun neuerdings mit „Kurstadt Karlsbad oder Carlsbad" und erklärt sich bereit, zu Gunsten der etwaigen westlichen Gäste manche „Sozialistische Errungenschaft" zu streichen. Der erste Schritt dazu war die Neubenennung des in aller Welt bekannten ehemaligen Hotels Pupp, das ab 1945 in Ergebenheit vor den „Befreiern" Hotel Moskva hieß, in Hotel Moskva-Pupp. Daneben haben eine Reihe von einstmals gesuchten Firmen unserer Heimat weiterhin die alten Firmenbezeichnungen, wie z. B. ZKW (Zettlitzer Kaolinwerke), H & C (Haas & Czjzek, Porzellanfabrik Schlaggenwald), Moser (Glasfabriken Meierhöfen), EPIAG (Porzellanfabriken in der Karlsbader Umgebung).
Überall im weiten Lande hat der „Friede" seit 1945 dem Land seinen Stempel aufgedrückt. Ganze Ortschaften verschwanden vom Erdboden, wie z. B. Gfell, weil niemand von den Neuankommenden, von ihren eigenen tschechischen Mitbürgern nur verächtlich „Goldgräber" genannt, einer dauernden und harten Arbeit nachgehen wollte und vor allem wahrscheinlich, weil niemand weiß, wie lange der schnell erworbene Wohlstand im sudetendeutschen Gebiet dauern kann. Es hat das „Tausendjährige Reich" nur 12 Jahre gedauert, für „ewige Zeiten" wollte man die Freundschaft mit der Sowjetunion dauern lassen und stellt schon seit dem Befreiungsjahr 1945 ständig vergebliche Überlegungen an, wie man sich wohl am besten von ihr befreien kann. Wen läßt es noch erstaunen, wenn die restlichen
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