Osterlicher Rückblick
Von Heinrich Heß, Gfell-Diendorf
Nun sind wir wieder einmal soweit. Ostern ist da, der Frühling steht vor der Tür und mit der erwachenden Natur regen sich auch bei mir wieder jene Gefühle, die man als Heimweh bezeichnen könnte. Und so wie ich werden wohl viele zur Osterzeit aus dem Born der Erinnerung schöpfen. Wenn in schlaflosen Nächten der Frühlingswind in den Leitungsdrähten singt, kommt es mir oft vor, als riefe mich die heimatliche Scholle. Dann schleicht sich wie eine gütige Fee die Vergangenheit in meine Seele, wiegt mich in der Erinnerung und flüstert mir zu: „Denkst Du noch daran?"
Mit geringer Begeisterung zerrt der ehemalige Bauer am frühen Morgen sein Moped aus der Remise, um zur berufsfremden Arbeit zu fahren. Rechts und links neben der Landstraße sieht er das Hasten der Traktoren auf den Feldern. Er zieht Vergleiche zu seinen „Schleppern" (Ochsen) einst daheim, die für ein gemütliches Arbeitstempo sorgten, bei dem noch Raum für die Besinnlichkeit war. Im Geiste hört er das muntere Geplätscher des Wiesenbächleins und das Trillern der Lerche. Er sieht neben den kraftstrotzenden Knospen an Baum und Strauch das Liebesspiel der Finken und Goldhähnchen. Er weiß, was dies alles bedeutet: Das Wiedererwachen der Natur.
Am Feldrain steht des Grundnachbar Töchterlein und singt „Puppchen, du bist mein Augenstern", während unweit am Berghang einem stimmbrüchigen Hütjungen das Jodeln nicht gelingen will. Ein Greis schleppt sich, am Stock gestützt, mühsam den Feldweg entlang. Liebevoll streicht sein Blick über die Wintersaaten, deren Verwurzelung er mit der Stockspitze untersucht. Kritisch mustert er die feuchtglänzenden Schläge, die zur Frühjahrsbestellung noch nicht reif sind. Er ist Bauer mit Leib und Seele; noch einmal will er — vielleicht zum letzten Mal — den Pulsschlag der Mutter Erde fühlen, bevor er sein müdes Haupt in deren Schoß zur letzten Ruhe legt.
Um neun Uhr heult die Sirene der Lederfabrik in Schlaggenwald. „Die Seffa brummt", murmelt der Ackersmann in sich hinein und hält seine Zugtiere mit einem „Ohaa" an, setzt sich auf den Pfluggründl und verzehrt sein Jausenbrot. Um diese Zeit konnte man bei Windstille nicht weniger als 13 Werkssirenen hören. Die weitesten von ihnen waren die von Chodau und Neurohlau, die lautesten die der Chemischen und des Kaiserschachtes.
Eine von vielen Verehrern umworbene Hasenbraut kreuzt auf, gibt dem stillen Zuschauer eine artistisch akrobatische Vorstellung, teilt Backpfeifen an ihre Freier aus und verschwindet mit ihnen
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