Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 84
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Stará vlast dnes

Die alte Heimat heute

Der einst so liebliche Ort Töppeles im Tepltal macht einen trostlosen Eindruck. Fast die Hälfte der Häuser ist verschwunden. In den noch vorhandenen Gebäuden wohnen Tschechen, vereinzelt auch Deutsche. Die Straße, die vom Tepltal nach Gfell führt, ist vollkommen verwahrlost. Vergebens sucht man das romantische Hangdorf Gfell, von dem nur noch Steinhaufen übriggeblieben sind. Ab und zu kommt ein Militärauto, das die Steine wegfährt. Auch den Sandhof gibt es nicht mehr; von Potschitzau fehlen ebenfalls viele Häuser. Die ganze Landschaft hat sich durch den Uranbergbau total verändert.

Man sieht zwar noch den Kirchturm von Schlaggenwald, aber auch dieser steinerne Riese ist, genau wie die Kirche selbst, baufällig geworden. Das alte Schlaggenwald verkommt immer mehr. In jeder Gasse und auf jedem Platz fehlen Häuser. Erst unlängst ist am Marktplatz das Sommerhaus neben dem Rathaus abgebrannt. Ein Landsmann, der vor kurzem Schlaggenwald besucht hat, fand von seinem Vaterhaus nur noch den Haustürstein. Dazu kann man wohl mit Recht sagen: Arme Heimat!

In der Lederfabrik Roßmeißl werden jetzt Eisenwaren hergestellt. Viele Häuserlücken gibt es auf der Oberen Gasse, dann gegenüber am Graben und auf der Oberen Trift. Das Gasthaus „Zur alten Post" ist eine Ruine. Das Ochsen-Hotel sieht alt und verlassen aus. Das Interesse der Tschechen konzentriert sich auf das „neue" Schlaggenwald hinter dem Bahnhof. Vielfach werden die Ziegelsteine der eingefallenen oder abgebrochenen Häuser zum Neubau in der Siedlung verwendet.

Noch verheerender schaut es in der Gegend von Tepl und Plan aus, weil dort militärisches Gelände ist und in Richtung zur Grenze ständig Truppen stationiert sind. Im ganzen Egerland wachsen heute Dornen und Disteln. Darüber hört man in der deutschen Sendung von Radio Prag kein Wort.

Durch die vielen zusammengewürfelten Nationalitäten und die ständigen Denunzierungen ist das Leben im heutigen Schlaggenwald eine Qual. Der bereits erwähnte Landsmann, der zu Besuch in Schlaggenwald weilte, war von den grauenvollen Veränderungen des alten Stadtbildes so erschüttert, daß er diese Eindrücke nie mehr vergessen wird. Er warnt alle Landsleute, die seit 1946 Schlaggenwald nicht mehr gesehen haben, in die alte Heimat zu fahren. Der Verfall und die Verwahrlosung des alten Schlaggenwald ist schon soweit fortgeschritten, daß sie beim Anblick der schrecklichen Wirklichkeit auch noch das frühere Bild der Heimat, das sie im Herzen tragen, verlieren würden.

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