## Reife des Alters
Heißt Älterwerden nur Verblühen,
Verdorren, Schwäche, Müdesein?
Bringt Alltagssorge, Erdenschwere
dir Bangigkeit ins Herz hinein?
Es wachsen viele reife Früchte
an einem alten Lebensbaum:
Geduld, die aus der Einsicht kommt,
Erkenntnis, Weisheit, Gottvertrau'n.
Ist trübe auch dein Augenlicht –
ein klarer Blick ward dir zu eigen;
du hast gelernt, bei Zwistigkeit
im rechten Augenblick zu schweigen.
Drum fürchte nicht die letzte Phase,
die unerbittlich näherrückt –
du bist so jung wie deine Hoffnung,
die freudig zu den Sternen blickt.
Zita Ladwig (1919-2007), Egerländer Lyrikerin
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## Ehrenmal der Gefallenen
[obr] Das Kriegerdenkmal erinnerte an die vielen Gefallenen, Vermißten und Verstorbenen des Ersten Weltkrieges 1914-1918, die auch in unserer Bergstadt zu beklagen waren. Ihre Namen waren oberhalb des Sockels auf Kupfertafeln aufgeführt; sie sind im Heimatbuch auf den Seiten 386-387 verzeichnet.
Der künstlerische Entwurf für das Ehrenmal stammte von Lm. Stefan, Porzellanfabrik H. & C., die auch die Köpfe der Frontkämpfer aus Porzellan herstellte. Die Steinmetzarbeiten verrichtete die Bildhauerwerkstatt Herzog. Das Werk hatte einen Wert von etwa 60.000 Kč. Die dreikantige Granitsäule, 4 m hoch, gekrönt mit einer Opferschale aus Stein, stand in einem Garten in Dreieckform, der seinerseits dem umgebenden dreiseitigen Zehentplatz angepaßt war.
Das Denkmal mußte 1945 auf tschechischen Befehl zerstört und abgetragen werden. Männer vom Ort wurden zu seiner Vernichtung verpflichtet.
Zum Foto, v.l.: Hinter dem Zaun ein Teil des Hauses Nr. 508 und Garten von Marie Fischer, daneben das „Pichhaisl" der Bergbrauerei, dahinter (in Bildmitte, jenseits der „Flout") Lager- und Werkstätten der Brauerei Ernst Kirchner; ganz im Hintergrund lugen Wohnhaus und Schankstätte („Schalanda") hervor, das mächtige Dach des Brauhauses und der Abhang des Glockenberges (noch mit spärlichem Baumbestand) überragen den Bereich am Eingang zur Bräuhausgasse.
[obr] Das Foto zeigt die dreiseitige Anlage des Kriegerdenkmals im umzäunten Garten am früheren Zehentplatz, auf den – ähnlich wie am Marktplatz – fünf Zufahrten (Gassen) zuliefen. Von der Häuserzeile in Richtung Bahnhofstraße sind zu sehen, v.l. Nr. 334 (Albert John/Franz Letz), Nr. 333 (Elise Pimpl) und Nr. 330 (Theresia Krautzberger).
Das Heimatbuch datiert die Enthüllung auf das Jahr 1936. Ein anderer Bericht nennt dazu das Wochenende vom Sonntag, den 21. August 1938. Fahnen, Girlanden an Zäunen und Fenstern weisen auf die feierliche Einweihung des Denkmals hin.
Es ist kaum vorstellbar, daß die Tschechen Symbole mit dem Hakenkreuz geduldet hätten. Wann also erfolgte die Einweihung? Beide Fotos stellte Lm. Franz Hofmann zur Verfügung.
## Weinstock
Als die Arche festsaß auf dem Land
und die schweren Wasser sich verzogen,
samt dem Untergang aus Sturm und Wogen,
als sein Fuß den Boden wiederfand,
schritt er mit der Hippe in der Hand
nach der Rebe hin, die er ergriff,
band sie an den Pfahl aus seinem Schiff,
daß sie bald schon ganz in Blüten stand.
Noah sah voll Freuden die Gescheine,
trug im Herbst der Beeren rote Glut
von den Halden sonnenheißer Steine
und gewann den Trank als teures Gut,
der für uns beim Abendmahl im Weine
sich verklärt zu des Erlösers Blut.
Hatto Zeidler, Dr. phil., geb. 1938,
vielseitiger Künstler mit Egerländer Abstammung
(Anm. Hippe = sichelförmiges Messer;
Gescheine = Blütenstand der Rebe)
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