Geschichte einmal erzählen. Vielleicht interessiert sich doch mancher Leser für Erzählungen, die unser Heimatstädtchen aus vergangenen Zeiten betrifft.
Es war in der Zeit nach dem 30jährigen Kriege. Die Menschen atmeten erleichtert auf, als der Friede von Osnabrück geschlossen war und nach der langen Kriegszeit wieder Ruhe und Ordnung einkehren sollte. Der Protestantismus war in unserer Gegend während dieser Kriegsjahre eingezogen. Jedoch, da nun die Schweden von den kaiserlichen Truppen geschlagen worden waren, gewann der katholische Glaube wieder die Oberhand.
Die Zeiten waren hart für jene, welche sich nicht der Religion unterwerfen wollten. Unter vielen anderen war auch der Wandelhof-Bauer ein Protestant. Er war aus dem Fränkischen hier eingewandert, wie so viele andere Einwohner unseres Städtchens Franken waren. Der damals in Blüte stehende Zinnbergbau dürfte der Anziehungspunkt für diese Leute gewesen sein.
Der Wandelhofer war ein energischer, rechtschaffener Mann und hielt auf seinem Hofe auf Zucht und Ordnung; dadurch blühte auch sein Anwesen auf, welches ihn und die Seinen redlich nährte. Früh beizeiten gings an die Arbeit und nach dem Abendläuten herrschte Ruhe im Hause. Er war auch sehr gerecht und kannte keine Ausnahme, ob seine Kinder oder seine Dienstboten es waren, wenn sie sich etwas zuschulden kommen ließen. Wandler lebte glücklich mit seiner Familie, nur sein großer Sohn machte ihm Sorgen und dieses hatte folgende Bewandtnis:
In Lauterbach lebte damals ein Gutsbesitzer, der eine bildsaubere Tochter hatte. (Es gibt heute noch in Lauterbach eine Wirtschaft, welche "am Hofe" heißt (Am Huaf da Huäfärä). Dieser Hof dürfte vielleicht von dem früheren Edelhofe Ja(d)lhuäf abstammen.
Persönlich kamen der Wandelhofer und der Lauterbacher Edelhofer ganz gut miteinander aus, doch da sich nun die Verhältnisse nach dem Kriege viel geändert hatten, wurde die Freundschaft immer kühler. Der Wandelhofer blieb Protestant und der Edelhofer war Katholik, daher auch die große Kluft, nach der Meinung der beiden Alten, zwischen den Liebenden. Wandler ermahnte seinen Sohn oft, von dieser aussichtslosen Liebe abzulassen. Doch alles war vergebens, zu tief saß dieselbe in dem Herzen des Jungen. "Vater, ich kann ohne die Theres" - so hieß das Mädchen - "nicht leben, ich kann nicht von ihr lassen und wenn es dich noch so sehr betrübt."
Auch Theres hatte manche bittere Stunde zu erleben, doch nützte alles nichts, sie blieb ihrem Liebsten treu. Eines Tages waren beide, des Wandlers Sohn und des Hofers Tochter, verschwunden. Man forschte überall nach ihnen, doch niemand konnte Kunde über den Verbleib der jungen Leute bringen. Das gab nun freilich den beiden Alten einen Riß ins Herz. Theresens
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