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verwinkelten Gänge und Treppen, Verwiegen und die hochnotpeinliche Durchsuchung des Hausrats mit vielen Schikanen. Mit Bangen und ohnmächtiger Wut mußten wir zusehen, wie willkürlich und unbarmherzig noch die schönsten Stücke weggenommen wurden, die alle auf einem riesigen Haufen bereits konfiszierter Habe landeten. Immer noch stehen diese Elendsbilder vor Augen: Verzweifelte Menschen, aschgrau im Gesicht, welche das verbliebene Gut wieder auf Lastautos verluden. Hatten nicht bereits neue „Hausleute" von der verlassenen Wohnung Besitz ergriffen, gab man auch die Schlüssel ab.
Die Abfahrt, das Vorübergleiten der vertrauten Straßenzeilen am Marktplatz und in der Neustadt, der letzte Blick zurück zur St. Georgskirche am Glockenberg, das waren mit die schwersten Minuten für jeden von uns Vertriebenen.
Das Sammellager Neusattl nahm uns für einige Tage auf, in denen das in sog. Boxen der Güterbaracken lagernde Gepäck dem Waggonraum anzupassen war, in dem auch noch die 30 Personen Platz finden mußten. Eine fällige Verminderung der Gepäckstücke traf alle und bedeutete weiteren Verlust von kostbarem Hausrat.
Ein Aussiedlerzug umfaßte 40 Güterwagen (Viehwaggon) mit 1200 Vertriebenen. Der Waggonführer (eine Art Obmann) erhielt eine Liste der ihm anvertrauten Personen und jeder „Deportierte" einen besonderen Transportzettel mit persönlichen Angaben als Ausweis.
Allen Personen händigten die Tschechen eine „Abfindung" von 1000 RM aus (später weniger).
In Eger mußte der Transportführer bei der Kontrolle den amerikanischen und tschechischen Offizieren melden, daß die Familien beisammen und gesund waren, der Vater als Ernährer nicht fehlte und alle das Kopfgeld erhalten hatten.
Nach dem Passieren der Grenze warfen wir die verhaßten weißen Armbinden aus dem fahrenden Zug, ein Symbol der Befreiung von lang ertragener Barbarei und Unmenschlichkeit. Obwohl uns mit der schändlichen Vertreibung aus der geliebten Heimat bitteres Unrecht widerfuhr, atmeten doch alle erleichtert auf, daß diese Zeit der erlittenen Angst, Drangsal und Gewalt zu Ende war.
In Wiesau, dem ersten Bahnhof auf bayerischem Boden, lasen wir wieder deutsche Aufschriften, hörten Beamte deutsch sprechen und erfuhren vom Roten Kreuz eine erste menschliche Betreuung. Der Registrierung folgte eine Gesundheitsprüfung mit Einstäuben von DDT-Pulver, so daß wir aussahen, als ob wir in eine Mehlkiste gefallen wären. Jeder erhielt einen Gesundheitsschein, danach warmes Essen und Proviant für die Weiterreise.
Der ganze Zug lief als Endstation meist eine größere Stadt mit einem Auffanglager an oder wurde unterwegs mehrmals geteilt. Nach einem Lageraufenthalt von wenigen Tagen (in Schulen, Gasthöfen, Baracken) erfolgten die Weiterfahrt und Verteilung der „Ausgesiedelten" auf weitere Landkreise, die dann die letzte Aufteilung auf die Dörfer und Gemeinden vornahmen.
Die Fahrt von Schlaggenwald bis zum Bestimmungsort dauerte ohne längere Lageraufenthalte 7–10 Tage und war mit großen Strapazen, vor allem für Kleinkinder und gebrechliche Leute, verbunden. Das Gepäck mußte in dieser Zeit mehr als ein dutzendmal umgeladen werden.
Die Odyssee der Vertreibung endete für die Betroffenen meist in einem kahlen oder sparsam möblierten Raum, der ihnen als vorläufige Heimstatt zugewiesen wurde. Da saßen nun die Armen auf ihren Habseligkeiten in einer fremden Umgebung. Hier erst kam ihnen der Verlust der Heimat und ihr Schicksal so richtig zum Bewußtsein. Doppelt schwer wog das Los, weil man die Bewohner der einzelnen Orte herzlos auseinandergerissen hatte.
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