Das Haadwaberl**
Im großen Wald zwischen Schlaggenwald und Karlsbad, im Volksmund „Haad" (Heide) genannt, stand vor Zeiten ein großes Schloß. Der gutherzige Besitzer war gestorben, seine Frau aber wegen ihres Geizes und ihrer Ungerechtigkeit sehr verhaßt. Sie ließ das Gesinde hart arbeiten und bezahlte es schlecht. Ihre auf so unrechte Weise erworbenen Schätze versteckte sie in einem unterirdischen Gewölbe, dessen Schlüssel sie stets bei sich trug.
Da brachen feindliche Kriegsleute ins Land ein und verwüsteten das Schloß so, daß kein Stein mehr auf dem anderen und nicht einmal eine Spur übrigblieb. Die hartherzige Herrin aber ging in dem grausigen Getümmel verloren und muß seitdem als „Haadwaberl" umherwandeln, bis ihre Sünden getilgt sind. Sie trägt ein blaues Kleid mit einer weißen Schürze, rote Strümpfe und schwarze Schuhe. In der Hand hält sie an einem roten Band mehrere große altertümliche Schlüssel. Mit diesem Aussehen erschien sie mancher Holz- oder Beerensammlerin.
Als einmal ein Mädchen in diesem Wald nach Preiselbeeren suchte, hörte es ein Rauschen, das immer näher kam. Als es aufblickte, gewahrte es das Haadwaberl zwischen den Bäumen. Die Frauengestalt winkte ihm heftig. Da bekam das Mädchen Angst und lief davon. Als es beim nächsten Mal sein Vater begleitete, ließ sich niemand mehr sehen. Ein anderes Mal gingen mehrere Frauen in diesen Wald nach Holz. Da erblickte eine von ihnen das Haadwaberl und erschrak heftig, denn ein großer schwarzer Hund starrte sie mit aufgerissenem Rachen böse an. Da die anderen nichts davon sahen, banden sie ihr die Augen zu. Erst als man die vor Furcht Zitternde zu einem Wegkreuz brachte, verschwand der Spuk. Am Abend jedoch trat das Haadwaberl trotz der verschlossenen Türe in die Stube und sprach: „Wenn Du mich erlösen willst, so komme mit mir, Du sollst reich belohnt werden." Die so Angesprochene aber kroch ängstlich unter ihre Bettdecke und gab keine Antwort. Da ging das Haadwaberl unter lautem Schluchzen fort und erschien dieser Frau fortan nicht mehr; es muß nun so lange weiter umherirren, bis einer es durch Heben des Schatzes erlöst.
Am Granitzerloch
Im anmutigen Tale des Silberbaches findet man zur Rechten auf halber Berghöhe einen Stolleneingang, der von einem aufgelassenen Bergbau herrührt und „Granitzerloch" heißt. Diese Bezeichnung geht auf einen angesehenen Bürger der Stadt und königlichen Beamten namens Johann Hartwich Granitzer von Gränzenstein zurück, der sich am Sonntag, den 27. April 1749 aus unbekannten Gründen in diesem engen Bergstollen mit einer Pistole erschoß und erst am 4. Mai von Erzsuchern zufällig gefunden wurde.
Vor Jahrhunderten betrieben die Venediger auch dort eifrig Bergbau auf Silber und Granaten. Sie verstanden sich auch auf die Scheidekunst, das Silber aus dem Zinnerz zu lösen. Als sie sich vor Verfolgung fürchteten, verschwanden sie, und seitdem ist es in der Gegend und im Stollen nicht mehr geheuer. Wer sich in den Berg hineinwagt, lärmt oder gar pfeift, dem wird durch Ausblasen der Laterne, Auslösen von Gestein und ähnliches übel mitgespielt.
Einmal arbeiteten dort drei Holzhauer. Als sie eines Nachmittags zur Vesperzeit müde auf den knorrigen Wurzeln des Waldbodens saßen, seufzte der eine: „Wie gut müßte man jetzt auf einem bequemen Stuhl sitzen!" – „Ach was", versetzte der zweite, „hätte ich doch ein gutes Stück Brot!", und der dritte meinte gar: „Und ein Glas dunkles Bier dazu!" –
Als sie wieder an ihre Arbeit gingen, bemerkten sie einen Zwerg, der eben schelmisch lächelnd in das Granitzerloch schlüpfte. Und noch etwas sahen sie voller Staunen: Vor ihnen stand ein bequemer Stuhl, auf dem ein knuspriger Laib Brot lag und ein gläserner Krug mit schäumendem Bier stand. Als gute Kameraden setzten sie sich abwechselnd auf
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