Deutsche. An einem Tag sprach man die zehn Gebote und das Vaterunser in Deutsch, an einem anderen in Latein. Allmählich ging Braun dazu über, die lateinische Grammatik mit einzubeziehen. Damit war der Übergang zur Lateinschule geebnet, wie sie nach dem Muster von Eger angestrebt wurde.
Zusehends machte sich das Interesse der Schüler Schlaggenwalds und der Umgebung bemerkbar. Die Schülerzahl nahm zu, so daß der Rat die Schule bald erweitern mußte.
König Ferdinand I. (1526–1564) hat diese Entwicklung gefördert. Er vermachte der Stadt „zu desto stattlicher Unterhaltung eines gelehrten Schulmeisters und Instituierung und Auferziehung der Jugend" vierzig Taler. Am 25. November 1553 erließ Ferdinand an den „Zehenter" in Schlaggenwald die Order, dieses Geld aus den „Zehentgefällen" (Steuereinnahmen) jährlich auszuzahlen.
Am 29. Januar 1554 schrieben die Ratsherren an den Reformator Philipp Melanchthon und baten um die Vermittlung eines Schulmeisters und eines Kantors. Sie würden gut besoldet und könnten zu Trinitatis (erster Sonntag nach Pfingsten) mit dem Unterricht beginnen.
Die Lateinschule stand organisatorisch unter der strengen Aufsicht des Stadtrates, der von den Lehrern hohe Leistungen verlangte. Zwei Ratsherren wurden zu Inspektoren gewählt. Sie überwachten den Stadtpfarrer und die Kapläne, die zur Beaufsichtigung des Unterrichts verpflichtet waren.
Von nah und fern strömten Schüler herbei. Sie wollten an der Lateinschule in das Studium der Wissenschaften und der „septem artes liberales" (der sieben freien Künste), der Rhetorik und Algebra eingeführt werden, um nach dem Studium eine Universität besuchen zu können. Ursprünglich gliederten sich die Unterrichtsfächer in Religion, Latein, Lesen, Schreiben, etwas Rechnen und Musik.
In einzelnen Fächern wurde nicht immer allzu Hochrangiges verlangt, so daß man schon mit 14 Jahren für das Universitätsstudium vorbereitet sein konnte.
Aus dem Stadtarchiv ist ersichtlich, daß an der Lateinschule auch arme Schüler Aufnahme fanden. Sie durften im Schulgebäude unentgeltlich wohnen und fanden bei den Bürgern freie Verpflegung. Um dabei einen geregelten Ablauf des Zusammenlebens zu sichern, gab der Rektor im 5. Punkt seiner Instruktionen genaue Regeln für das Verhalten im öffentlichen Leben bekannt. Dabei wurde bis ins einzelne aufgeführt, wie sich die Schüler jeweils zu verhalten hatten. Um den Lerneifer zu wecken, verfügte man, daß Schüler, welche die Schule fleißig besuchten, am Mittwoch- und Samstagnachmittag unter Aufsagen eines Psalmes vor den Bürgerhäusern um Gaben bitten durften.
Milde Stiftungen und jährliche Sammlungen erbrachten so viel Geld, daß man eine Anzahl von „Bettelstudenten" verköstigen und kleiden konnte. Dazu verpflichtete man sie zu Kirchendiensten und Säuberungsarbeiten.
Die Lateinschule erfreute sich großer Beliebtheit und genoß hohes Ansehen. Da der Zulauf anhielt, mußten mehrere Lehrer angestellt werden. Dem Range nach gab es deren fünf. Den Rektor, den Supremus (Obersten) oder Konrektor, den Kantor, den Baccalaureus (Inhaber eines hohen akademischen Grades) und den Quintor, auch Infimus genannt.
So hat sich die Lateinschule zu einer vierklassigen oder – wie auch zu lesen ist – zu einer sechsklassigen Schule entwickelt. In der Stundeneinteilung, die wahrscheinlich aus dem Ende des 16. Jhs. stammt, werden folgende Klassen aufgeführt: Primani (die Schüler der obersten Klasse), Secundani, Tertiani, Quartani, Lectionarii und Elementarii.
Dem Stundenplan der Primani sind die Gebiete und die Lektüre für ein exaktes Vorbereitungsstudium zu entnehmen: Lateinische und griechische Grammatik mit Syntax (Satzlehre), verbunden mit der Lektüre von Ovid und Terenz, und die Sentenzen (Sinnsprüche)
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