Erinnerungen:**
Die St. Georgskirche war durch ihre örtliche Lage und kirchliche Stellung der religiöse Mittelpunkt für die Bürger Schlaggenwalds und der umliegenden Ortschaften. Am Sonntag strömten die Gläubigen festlich gekleidet zur heiligen Messe, um ihrer Christenpflicht zu genügen. Vorher und nachher nützten sie die Gelegenheit zum Austausch von Neuigkeiten und zur Unterhaltung. Die älteren Herren trafen sich nach dem Besuch der hl. Messe in den umliegenden Gasthäusern, um den Sonntag gemütlich zu feiern.
In der Kirche vollzog Dechant Bühl mit seinen Ministranten und dem rührigen Mesner, Herrn Hahn, die feierliche Handlung in beeindruckender Weise. Dazu trug auch der von Oberlehrer Sturm einstudierte Kirchenchor wesentlich bei.
Vielen Landsleuten wird noch in Erinnerung sein, wie Franz Petpaul auf einem speziellen Horn die Feier zur Christmette und am Dreikönigstag mit einer zu Herzen gehenden Melodie gekrönt hat. Besonders feierlich empfanden Brautpaare und Hochzeitsgäste den Verlauf der Zeremonien in unserer Pfarrkirche.
Wie der Bewunderer Schlaggenwalds, Professor Eugen Schmidt aus Elbogen, der in der St. Georgskirche getraut wurde, berichtet, waren es die Stille und Abgeschiedenheit vom Rummel der Stadt sowie die erhebende Stimmung vor dem schönen, alten Altar, die einen tiefen, bleibenden Eindruck hinterließen. Das war wohl auch der Grund, weshalb sich viele auswärtige Brautpaare in der St. Georgskirche trauen ließen.
Gerne wurden die Maiandachten besucht. Am frühen Abend kamen hauptsächlich Frauen und Kinder und huldigten der heiligen Maria.
Zu allen Festtagen waren die Bürger des Kirchensprengels besonders feierlich eingestimmt.
Ein unvergleichliches Bild ergab sich, wenn die Kirchgänger der umliegenden Dörfer am Hl. Abend zur Mette strömten. Da sie in der dunklen Nacht mit Lampen und brennenden Kerzen unterwegs waren, sah man ganze Lichterketten, die sich flackernd in Richtung Glockenberg bewegten und die St. Georgskirche zum Mittelpunkt gläubigen Lebens werden ließen. Um diesen Weg besser zu weisen, ließ der Rabensgrüner Lehrer am Kirchturm eine starke Glühlampe anbringen.
Wenn wir in unserer neuen Heimat Kirchenglocken läuten hören, erinnern sie uns oft an daheim. Die Glocken riefen nicht nur zum Gottesdienst, sie begleiteten uns durch das ganze Leben. Das „Sterbeglöcklein" verbreitete die Todeskunde über die ganze Stadt. Am Tage des Begräbnisses läuteten vormittags um 10 Uhr die Glocken. Wenn der Geistliche mit den Ministranten unterwegs zum Trauerhaus war, läutete eine große Glocke. Damit sollten säumige Trauergäste zur Eile gemahnt werden. Vom Beginn des Trauerzuges bis zur Ankunft an der Grabstelle ertönten wieder die großen Glocken.
So wie die Stadt selbst, ist auch der Friedhof bis auf wenige Gräber verfallen.
Wer nach Jahren seine Heimatstadt wiedersehen will und den Friedhof besucht, steht unfaßbar vor einer Leere, einer Verwüstung unschuldiger Vergangenheit. Wenn er über die aufgelassenen Gräber blickt, spürt er, daß die Toten, die Träger unserer Vergangenheit, nichts mehr mit dieser Gegenwart zu tun haben. Sie wurden von uns aus der Heimat Vertriebenen mit herausgetragen, ruhen in unseren Herzen und leben in unseren Erinnerungen weiter.
Der Friedhof
In Schlaggenwald gab es schon sehr früh einen Friedhof bei der St. Annakapelle in der Seifertsgrün, der mit dem Auflassen der Kapelle und dem Anwachsen der Stadtbevölkerung aufgelöst wurde. Mit dem ursprünglichen Bau der St. Georgskirche wurde an ihrer
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