Auf den vorletzten November, dem Vorabend des Andreastages, fiel der berüchtigte „Anāresná(b)md" (Andreasabend), an dem alljährlich vor allem Jugendliche die bestehende Ordnung etwas aus dem Gleichgewicht zu bringen suchten und in der Dunkelheit allerlei Unfug trieben, der vom harmlosen Scherz bis zum Bubenstück und üblen Streich reichte: Schlüssellöcher wurden verstopft, Türklinken mit Senf oder Schuhcreme bestrichen, Türen ausgehoben oder mit Gerümpel verstellt, Schilder vertauscht, schwere Gegenstände, wie Gartentürln und Hackstöcke, weit weggetragen und versteckt, freistehende Häuschen (mit einem Herz in der Tür!) umgelegt, Rauchfänge mit Glasscheiben zugedeckt und anderes mehr. Eine Spur aus Sägespänen zwischen zwei Haustüren verriet ein heimliches Verhältnis. Danach freuten sich die Witzbolde diebisch über jeden gelungenen Schabernack, den sie ihren Nachbarn angetan hatten; Passanten lachten sich eins, und den Betroffenen blieb bei aller Verärgerung nur übrig, dazu gute Miene zu machen.
Auf den Andreasabend folgte eine „Lāusnacht" (Losnacht, ursprünglich Orakelzeit germanischer Herkunft). In ihr konnten z.B. heiratslustige Mädchen manches erfahren, was sie die ganze Zeit bewegt und bedrückt hatte. So sollten vor allem Antworten auf die Fragen: „Weā is ā – woos is ā – wåu is ā" beim Bleigießen gefunden werden. Dazu setzten sich die Neugierigen um ein Schaff mit Wasser und hielten Gießlöffel mit Bleistücken über ein Feuer. Aus der Gestalt jedes im Wasser erstarrten Gußstückes glaubten sie die Zukunft ablesen zu können. So ließ eine Kranzform auf baldige Heirat schließen und mit einem reichen Mann rechnen. Umfangreiche Bleibrocken verhießen den Männern ein dickes Weib. Die Mädchen hofften auch beim „Tipplhiā(b)m" und „Schouchschmeißn" etwas über ihre Zukunft zu erfahren.
Im Spätherbst und zur Winterszeit, wenn die Dämmerung schon früh hereinbrach, hieß es nach alter Gewohnheit oft: „Gemmā ā wing zān Hutschn." Nachbarn und gute Bekannte setzten sich gemütlich in der warmen Wohnküche (Hutschāstu(b)m) zusammen und „dischkrierten". Einer besonderen Einladung bedurfte es in der Regel nicht. Das „Löichtzündn" – dies galt besonders fürs „Elektrische" – hinauszuzögern, um Petroleum oder Strom zu sparen, fand überall Verständnis. Ein Sparlicht, eine Kerze, die den Raum dürftig erhellte, genügte. Später holten die Frauen den Strickstrumpf hervor, flickten Triangel in Bubenhosen, stopften Socken oder häkelten; die Männer rauchten Pfeifchen, spielten Karten oder vertieften sich in das „königliche Spiel", während die Kinder in einer Ecke beim „Mensch-ärgere-dich-nicht", „Domino", „Schwarzen Peter" oder „Ochs-leg-dich" sich manchmal auch in die Haare gerieten. Mit Gesang, etwas Musizieren, Vorlesen und Erzählen lustiger, aber auch unheimlicher Geschichten verging die Zeit. Die Gastgeberin reichte Kaffee, Milch, Marmeladebrote oder an besonderen Tagen auch Kuchen.
Gern gingen die Leute zum Hutschen auch ins Gasthaus „Zum Egerländer", zur „Dietrichā".
Advents- und Weihnachtszeit.
Am St. Barbaratag (4.12.) brach man von einem Kirsch- oder anderen Obstbaum die „Barbarazweige" und stellte sie in Kannen oder Vasen, damit sie dann zu Weihnachten blühten. Verliebte Mädchen sollten dies heimlich tun, um die Zauberkraft der Blüten zu erproben. Öffneten sich die Knospen, so galt das als Zeichen, daß ihnen das Herz ihres Liebsten entgegenschlug.
Mit großer Aufregung und in banger Erwartung sahen die Kinder dem Vorabend des Nikolaustages (6.12.) entgegen. Ein Bekannter oder Verwandter, der das Benehmen der Kinder das Jahr über gut kannte, läutete mit einer Glocke und trat, als Nikolaus verkleidet, in die Stube. Manchmal brachte er den Krampus mit, einen aus dem Dämonenglauben stammenden bösen Geist, den wir „Zembā" oder „Zembārā" nannten. Dieser schnaubte,
věta pokračuje na dalším listu ⟶
Rozdělení textu na listy je odhad — text může o odstavec přetéct na sousední list. Původní znění vlevo je vždy přesné.
Klikni na větu a ukáže se, kde na skenu stojí. Zvýrazňují se celé řádky, ne přesná slova — místo je tedy přibližné.
