Vorrat an Brennholz für den langen Winter anzulegen, gehörten ebenso zu den jahreszeitlich bedingten und gebräuchlichen Tätigkeiten wie das „Eädepplgroom", Einhängen der Doppelfenster und Abdichten der Zwischenräume mit dekorativ verpackten Moospolstern.
Nach dem Einbringen auch der Kartoffel- und Rübenernte („Duäschn" = Futterrüben, auch scherzhaft „Ananas der Armen" geheißen) und der Bestellung der Felder für das nächste Jahr schlossen viele Leute den Bund fürs Leben. Nicht nur auf dem Lande war der Polterabend üblich. Porzellanscherben, vor die Haustüre geschüttet, sollten der Braut Glück bringen. Bei Bauernhochzeiten kam noch manchmal ein Kammerwagen zum Einsatz, der mit Hausrat und Möbeln der Braut beladen war, die sie in die Ehe einbrachte. Lustige, oft etwas angeheiterte Freundinnen halfen ihr bei der Arbeit und fuhren auf dem Wagen mit. Auf dem Weg zur Trauung wurde „vüägschpånnt", d.h. Freunde hinderten das Brautpaar in der „Scheesn" (Kutsche) mit einem vorgespannten Seil oder einem weißen Band an der Weiterfahrt. Erst ein Lösegeld oder eine Runde Schnaps konnte den Weg wieder freimachen.
Mit Allerheiligen und Allerseelen begann des Jahres stille Zeit. Die Frauen deckten die Gräber mit Fichtenzweigen und Moos ein, schmückten sie mit kunstvollen Gebinden aus getrockneten, auch gefärbten Pflanzen, Fichten- und Kiefernzapfen (Koustln), stellten Asternsträuße und Blumenstöcke (Chrysanthemen) auf und zündeten Kerzen oder Laternen an. Während die Angehörigen im Gebet ihrer Verstorbenen gedachten, hüllte der Schein vieler flackernder Grableuchten den Friedhof in ein mildes Licht.
Eine Wetterregel wies auf den nahenden Winter hin: „Ållåhaaling, kinnt då Schnäi gahling, Ålläsäln kinnt ä in Wälln."
Am 11. November erinnerte der Tag des hl. Martin auch bei uns an die Tugend mildtätigen Handelns. Bis zum Ersten Weltkrieg kam der Kirchweih an Martini und dem Verzehr der „Martinigans" noch eine gewisse Bedeutung zu. Der Spruch „Martini sågt då Schnäi: Dåu bin i" ließ einen langen und kalten Winter erwarten.
Trübe Herbsttage erinnern an die Vergänglichkeit alles Irdischen. Wenn das „Sterbglöckl" vom Glockenturm ertönte und beim Ausläuten nachschlug, wußte jeder, daß eine männliche Person, ohne Nachschlag, eine weibliche das Zeitliche gesegnet hatte. Die Nachricht, wer verschieden war, verbreitete sich in Windeseile. Nach landläufigem Brauch wurde der Verstorbene in seinem Haus in den Räumen aufgebahrt, in denen er gelebt hatte. Ein rotes Öllämpchen und zwei geweihte Kerzen brannten an der Bahre. Es war Ehrensache, daß die Nachbarn die Totenwache hielten. Weihwassergeben und das Kreuzzeichen der Trauernden über den Toten waren üblich. Der Geistliche sprach im Zimmer die Sterbegebete, draußen begann der Kirchenchor mit dem „Wegsingen". War ein junger Mensch verstorben, galt der Brauch, daß weiß- und schwarzgekleidete Mädchen vor dem Trauerzug gingen und ein Kind ein weißes Kissen mit einem Blumengebinde voraustrug.
Beim einfachen Begräbnis spielten am Weg zum Friedhof nur wenige Musikanten. Hatte der Priester aber den „Vespermantel" umhängen, so handelte es sich schon um eine „größere Leich" mit Trauermarsch. Bei reichen Verblichenen gaben gleich drei Geistliche dem Toten das letzte Geleit. Verstorbene Vereinsmitglieder wurden vom Gesangsverein mit einem Trauerchor geehrt, bei einem ehemaligen Kriegsteilnehmer krachten drei Böllerschüsse über dem offenen Grab.
Kränze aus Wachsblumen wurden wiederverwendet. Einen besonderen Leichenschmaus gab es bei uns nicht, nur die auswärtigen Trauergäste konnten sich mit Kaffee und Semmeln für den Heimweg stärken.
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