Die Gerbereien
Allgemeines
Der wirtschaftliche Aufschwung, den die Bergstadt Schlaggenwald während der hohen Blütezeit des Zinnbergbaus (1. Hälfte des 16. Jhs.) nahm, kam im Wohlstand der Bürger und auch in der Gründung zahlreicher Gewerbebetriebe zum Ausdruck.
Der Holzreichtum des Kaiserwaldes und der durch den Ebmet- und Flößgraben verstärkte Wasserlauf des Flutbaches begünstigten die Errichtung von Brettsägen und Lohgerbereien, die zum Teil bis zur Vertreibung im Jahre 1946 in Betrieb waren.
Durch „Gerben" festigt und steigert sich die natürliche Widerstandsfähigkeit tierischer Häute, und durch die Einwirkung der Gerbstoffe werden sie zu weichem, biegsamem Leder.
Man unterscheidet:
Loh- und Rotgerberei bei Verwendung von pflanzlichen Gerbstoffen,
Chrom- und Weißgerberei bei Verwendung von basischen Chromsalzen,
Sämisch-Gerberei bei Verwendung von Tran und
Harzgerberei bei Verwendung von Harz.
Die Rot- und Weißgerbereien
Die Lohgerbereien waren in unserer Heimat besonders zahlreich. So bestanden in Schlaggenwald bis spät in das 19. Jh. hinein mehrere Gerbereien, die noch unsere Großeltern kannten, z.B. die Rotgerbereien Roßmeissl (Alter Markt), Schmieger (Obere Gasse), Stengl (Sackgasse), Stengl/Pröckl (Hauptstraße), Stengl/Wohl (Leßnitzgasse) sowie die Weißgerbereien Schenk (Unterer Graben) und Seidl (Leßnitzgasse).
Bis zur Vertreibung bestanden noch die Rotgerberei/Lederfabrik Roßmeissl und die Weißgerberei Ubl an der Hauptstraße.
Das verfallene Gebäude der Lohmühle beim Stellerlwald erinnerte noch an jene Zeit, in der zahlreiche Lohgerbereien betrieben wurden.
Schlaggenwald war keine Schuhmacherstadt wie die Nachbarorte Schönfeld und Theusing, aber die fortschreitende Mechanisierung ließ die Zunft der Schuhmacher allerorts zusammenschrumpfen und die handwerklich betriebenen Gerbereien unrentabel werden.
Von der Lohgerberei zur Lederfabrik
Die Gerberei Roßmeissl im Haus Nr. 335 an der Hauptstraße war einer der ältesten Gewerbebetriebe der Stadt und im Stadtarchiv bis zum Jahre 1746 nachweisbar; sie kam nie in fremde Hände. Vom Großvater Franz Roßmeissl zum Vater und zum Sohn, alle mit gleichem Namen, läßt sich die Entwicklung des Unternehmens genau verfolgen.
Es zeugt nicht nur von unternehmerischem Geist, sondern auch von Wagemut und weitschauenden Kenntnissen des Franz Roßmeissl – Großvater, Vater und Sohn –, aus einem kleinen Gewerbebetrieb mit Ausdauer und Fleiß ein leistungsfähiges Unternehmen zu schaffen, das zu einem wesentlichen Wirtschaftsfaktor der Stadt heranwuchs.
Der Großvater des letzten Besitzers betrieb die Gerberei noch Anfang des 19. Jhs. im Stammhaus Nr. 335. Die Lohmühle befand sich in einem am Malzmühlendamm angebauten Schuppen neben der Gerberei Schmieger und wurde durch das Wasser des Malzmühlendamms, den der Seifertsgrüner Bach speiste, betrieben. Ein Vertrag vom 24. Oktober 1810 regelte die Wassernutzung. 1866 ließ der Großvater auf dem Fabrikgelände das erste Gebäude mit den Bogenfenstern für eine neue Lohmühle errichten. Die Wasserkraft hierzu gewann er durch Anzapfen des Flutbaches, wobei das Wasser in einem 150 m langen Graben den Weg zum Betrieb nahm. In der alten Lohmühle beim Malz-
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