Mohls zufolge bot die Natur in dieser westlichen Spitze Böhmens die ideale Voraussetzung für eine reiche industrielle Nutzung dieser kostbaren Schätze.
Rabensgrün, der erste Versuch der Porzellanherstellung in Böhmen
In der 2. Hälfte des 18. Jhs. gab es in Thüringen schon eine blühende Porzellanindustrie. Auch Händler aus Böhmen befaßten sich mit dem Verkauf der thüringischen Waren, da im eigenen Land zu dieser Zeit noch kein Porzellan hergestellt wurde.
J.G. Schaurek aus Zassadel begann 1779 einen Handel mit Wallendorfer Porzellan. Ein gewisser Stieda, der ein Buch über „Die Anfänge der Porzellanfabriken usw." verfaßte, berichtet, daß 1786–87 mindestens sieben böhmische Händler in den Büchern der Wallendorfer Manufaktur erschienen. In den Aufzeichnungen wird auch ein Jakob Just aus Schlaggenwald genannt, der mit Porzellan handelte und bei seinen Lieferanten in Thüringen recht beliebt war, da er sich als bescheidener und ehrlicher Handelsmann erwies. Dieser Just, ein heller Kopf, machte sich über die Porzellanherstellung seine Gedanken. Er nahm eine Probe der in der Nähe von Schlaggenwald bei dem Dorfe Gabhorn gefundenen weißen Erde mit nach Thüringen und ließ sie untersuchen. Seine Geschäftsfreunde erklärten dieses weiße „Pulver" für echte Porzellanerde.
Zur gleichen Zeit unternahm Franz Anton Haberditzel, der Besitzer des Bauernhofes Nr. 1 im Dorfe Rabensgrün, Frachtfahrten nach Thüringen. Haberditzel war ein tüchtiger und kenntnisreicher Landwirt, der jahrelang den Verwalterposten auf dem gräflichen Gut Pergen in Pohling bei Saaz bekleidete. Als er die aufstrebenden Porzellanfabriken in Thüringen und Sachsen sah, erkannte er, daß sich für die Porzellanherstellung auch in Böhmen gute Aussichten bieten würden. Der Gedanke ließ ihn nicht mehr los. So kam das Jahr 1789.
Die Rabensgrüner Bauern schüttelten die Köpfe über das Vorhaben des bald Achtzigjährigen. Hitzige Gespräche und Bewunderung zugleich entwickelten sich am Stammtisch.
Doch Haberditzel ließ sich durch dieses Gerede nicht beirren. Mit seinem Sohn Raphael baute er in seinem Hof einen Porzellanofen und begann unter der Anleitung des Arkanisten Johann Gottlieb Sonntag aus Rudolfstadt mit den Versuchen. In einem Protokoll des Prager Guberniums (= Regierungsbehörde) heißt es: „Im Jahre 1789 habe Franz Anton Haberditzel, zu Rabensgrün wohnhaft, einen Versuch zur Erzeugung eines Steingutes mit einer Tonerde gemacht, welche auf dem steuerbaren Grund des Gabhorner Bauern Martin Kunz (im Herrschaftsgebiet des Fürsten Kaunitz) gefunden worden." Haberditzel gewann für sein Unternehmen mehrere finanzkräftige Teilhaber und gründete mit ihnen eine Gewerkschaft (= Gesellschaft der Anteilseigner). Man erzeugte zunächst nur Steingut. In der ersten Zeit beschäftigte er einen Dreher und Modelleur, einen Blaumaler sowie einige Hilfsarbeiter. Am 18. Juni 1791 erhielt Haberditzel von Wien die behördliche Genehmigung zur Errichtung einer Steingutfabrik.
Da keine Schlemmanlage zur Verfügung stand, wurde die Tonerde, so wie man sie grub, in ungereinigtem Zustand verwendet, wobei auch die Beimischung von Feldspat nicht das richtige Quantum aufwies. Die hergestellten Gefäße befriedigten Haberditzel in keiner Weise; grau und grobkörnig hatten sie nur Festigkeit, wenn sie sehr dickwandig waren. Er wollte aber richtiges Porzellan machen und versuchte daher die bedeutend hellere Donawitzer Tonerde, die auch ein porzellanähnliches Geschirr ergab, das guten Absatz fand. Die primitive technische Einrichtung erlaubte die Erzeugung nur in kleinem Maßstab. Es fehlte vor allem ein richtiges Betriebsgebäude mit den entsprechenden Anlagen. Aber bereits im Jahre 1792 bestand eine Gesellschaft mit 25 Teilnehmern und einem Kapital von 4000 Gulden. Der Betrieb arbeitete mit 5 Arbeitern, einem Dreher, zwei
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