Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 198
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Ta zima byla krutá

Während sie genußvoll nippte und dabei erzählte, packte sie den Buckelkorb aus. Gleich oben lag der Striezel. Er war goldgelb in Zöpfen gebacken und mit Mehlzucker bestaubt. Dann waren noch Eier im Korb und frische Butter, rund geformt und mit dem Löffel verziert. Nachher kamen Leinensäckchen zum Vorschein, Hutzelbirnen, getrocknete Zwetschgen und Hagebutten waren darinnen. Und dann machte es Großmutter besonders spannend: Sie wickelte ganz langsam ein prallgefülltes Küchentuch auf und zauberte die schönste Weihnachtsgans hervor. Diese war bereits gerupft und ausgenommen. Sie war von zarter Farbe, hatte pralle Schenkel und eine üppige Brust. Meinem Vater würde ohne sie etwas besonders Feines entgehen, meinte Mama, und Großmutter pflichtete ihr bei.

Am Nachmittag kochten beide die Zwetschgen und die Hutzelbirnen, dünstete Rotkraut und bereiteten Salat von Sellerie und Roten Rüben. Meiner Mama blieb nicht mehr viel Zeit zum Seufzen, zumal Großmutter vorgeschlagen hatte, daß ein neuerlicher Teeaufguß mit Milch, Zucker, etc., die Lebensgeister anfeuern würde. Allzu lange schien die fröhliche Anfeuerung bei Mama nicht geholfen zu haben, denn als ich nachts einmal aufstehen mußte, sah ich sie vor unserem großen Christusbild innig beten. Ich bekam Angst um sie und fing an zu weinen. Da nahm sie mich tröstend in die Arme und zog mich zu sich ins Bett. An ihrem warmen Körper fand ich wieder Ruhe und schlief ein.

Als ich am nächsten Morgen in die Küche kam, war Großmutter bereits beim Strudelteigausziehen und Mama beim Kielfedernabsengen. Es sah aus, als hätten beide für eine Großfamilie zu sorgen. Nachher am Nachmittag mußte ich mich schlafen legen, denn Mama meinte, der Abend würde lange dauern und anstrengend werden. Obwohl ich nur widerwillig ins Bett ging, fielen mir dann doch die Augen zu. Hinter den Fenstern war bereits Dämmerung, als mich Großmutter weckte. „Gleich kummt as Christkindl!" verriet sie mir und daß sie das Glöckerl schon gehört hätte. In fliegender Hast und froher Erwartung bereitete ich mich auf den großen Augenblick vor. —

Und dann kam nicht das Christkindl, sondern der Telegrammbote. Düster und mit kaltem Hauch stand er vor unserer Türe. Damals war er ganz selten der Bote guter Nachrichten, denn die Leute sparten und gaben kein Geld für Depeschen aus, wenn es nicht unbedingt nötig war. Großmutter nahm die schlimme Kunde entgegen. Mama stand wie mit dem Boden verwachsen da und zitterte. Großmutter las leise vor: „Komme sofort, Heini an Scharlach erkrankt." Ich nahm Mamas eiskalte Hand und hatte nichts wie Angst um sie. Davon wurde sie sogar wach. Wortlos nahm sie mich in die Arme. Dann suchte sie ihre Reisesachen zusammen. Großmutter nahm das gute Essen von der Herdplatte, die knusprige Gans aus der Ofenröhre und stellte alles kalt. Keine von uns hatte noch Hunger.

Viel später kam das Christkind doch noch. Mama hatte bereits gepackt, der Koffer stand für den nächsten Morgen bereit, da zitterte plötzlich zart ein Himmelsglöckchen. Ich lief ins Zimmer. Unter dem Lichterglanz vieler Kerzen lag im neu ausstaffierten Puppenwagen eine wunderschöne Mamapuppe mit echten Haaren. Mein Puppenhaus stand auch da. Es hatte neue Tapeten, neue Vorhänge und neues Geschirr bekommen. An einem der untersten Christbaumäste hing ein tschechischer Polizist aus feiner Schokolade. Sein Gesicht war rosiges Marzipan, und über seinem runden Körper glänzte die Stannioluniform. Es wäre alles so wunderbar gewesen, hätte ich in Mamas Augen nicht so viel Kummer gesehen.

Am nächsten Morgen schauten wir ihr nach. Herr Ondraček brachte auch sie zum Bahnhof. Schnell war sie hinter dichten Schneeschleiern verschwunden. Der Winter war hart . . .

Den ganzen Tag warteten wir auf Nachricht, meine Großmutter und ich. Sie klapperte mit den Stricknadeln, und ich spielte mal mit der Mamapuppe, mal mit dem Puppenhaus und hatte weder Lust noch Ruhe dazu. Es kam keine Nachricht.

Bis zum nächsten Abend warteten wir. Großmutters Stricknadeln hatten weitergeklappert, und ich hatte schon längst keine Lust zum Spielen mehr. Es war wieder finster geworden und zum Fürchten still. Die Straßenlampen leuchteten auf. Da auf einmal wurde die Haustüre aufgesperrt, und viel Lärm rumpelte die Treppe hinauf. Hinter einem dicken Bettenpaket erkannte ich kaum meinen Vater. Er trug es ächzend auf beiden Armen. Hinter ihm kam blaß und abgehärmt meine liebe Mama und dann ein Mann mit Chauffeurmütze. Er schleppte das

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