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einmal regte sich ihre Neugierde und ihre Stimme erklang aus dem Hintergrund: „Wawi, wer is en dou?" Hüttner Wawi ließ sich in ihrer Tätigkeit nicht stören und gab keine Antwort. Nach einer Weile regte sich wieder die Stimme, diesmal mit der Bemerkung: „Wawi, öitzer mach Schluß, hast schu gnouch dazühlt". So ging es eine Weile, bis es auf einmal still wurde, sie war eingenickt.
Frau Hüttner ist dann später ausgezogen und auch wir mußten infolge des Ablebens von Dechant Hoyer unsere Wohnung aufgeben, da Herr Dechant Hoyer das Haus an die Kirche bzw. an die Caritas vermacht hatte, die dann einen Kindergarten eingerichtet hat. —
Ich hoffe, ich habe Sie mit meinen Erinnerungen nicht gelangweilt, und grüße alle Bekannten, besonders meine Freunde und Nachbarn aus der Neustadt.
Euer Veit Annl, verehel. Zimmerhackl
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Ein Kammerwagen
Als ich ein ganz junges Mädel war, hörte ich oft zu, wie sich ältere Weibala unterhielten und sich gegenseitig erzählten, was sie in ihrem Kammerwagen hatten. Meine vorjugendlichen Gedanken schwebten dabei nur so um mich her, und manchmal träumte ich sogar von einem eigenen Kammerwagen. Doch dann kam der Krieg und die Aussiedlung, und als ich zum Heiraten war, war der alte egerländer Brauch, so wie viele andere Bräuche, zurückgeblieben in der alten Heimat.
Viele Jahre vergingen. Doch zu gerne wollte ich wissen, wie ein Kammerwagen aussah, und was alles drinnen war. Ich ging zu einem alten Weiberl, die aber ewig im Geist und der Seele jung geblieben war und fragte sie wie ihr Kammerwagen aussah, und was sie alles drinnen hatte. Es war meine Tante Adele — die Thumas Adele aus Rabensgrün —, die mir alles genau erzählte.
Tante Adele und Onkel Eduard heirateten im Herbst 1927 in der alten Pfarrkirche in Schlaggenwald. Sie verließ ihren Heimatort Rabensgrün und ging mit ihrem Bräutigam nach Unterneugrün — egerländerisch Neigröi(n). Gleich nach der Trauung fuhren sie heim nach Rabensgrün, und von dort aus begab sich ein kleiner Hochzeitszug in Richtung Neigröi(n).
Der Kammerwagen wurde schon am Abend vorher hergerichtet. Unten im Wagen wurde der Schrank und die Koffer eingebaut. In dem einen war die Wäsche. Zwölfmal Bettwäsche, Handtücher und Geschirrtücher mußte eine Braut haben. Das war für die Eltern nicht gerade leicht, denn sie hatten zehn andere Kinder. Ein paar Flanellnachthemden durften auch nicht fehlen. In einer anderen Kiste war das Geschirr, was man halt auf einem Bauernhof brauchte. Ein guter Service für die Kirchweih und „Tippla" für den Kathrainä-Malzkaffee durfte natürlich nicht fehlen. An einer Seite paßte noch das Butterfaß.
Oben auf dem Wagen wurden zwei Bettgestelle quer über den Wagen aufgebaut. Die frischgestopften Strohsäcke wurden eingebaut und weißgebleichte Leintücher darübergespannt. Die vier vollen Federbetten mit geschlissenen Federn, überzogen mit den besten Bezügen mit Spitzen, wurden reingebettet. Auf jeder Seite saßen drei Mädchen, das waren der jungen Braut ihre Schwestern und Freundinnen. Vorne saß ein Mädchen mit dem Spinnrad.
Am Anfang des kleinen Hochzeitszuges war die Braut und der Bräutigam in einer „Schese". Sie gab ihm zweitausend Kronen — einen Tausender hat sich Tante Adele selber verdient und einen zweiten hat ihr Vater dazugegeben. Das war ein Teil des Hochzeitsgutes. Dann kamen die Verwandten in zwei „Landauern", und der Kammerwagen kam hinterher.
Ja, der arme Kutscher muß es nicht gerade leicht gehabt haben, denn der Kammerwagen war nicht nur vollgeladen mit Hochzeitsgut, sondern auch mit jungen Weibsen.
Christl Fechter (Schöinhansl)
Bountiful, Utah, U.S.A.
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