Der „Steidl-Fotograf"
In diesen Tagen konnte man den 150. Geburtstag der Erfindung der Fotografie feiern.
Viele werden sich noch an den Obengenannten erinnern können, war er doch eine bekannte Persönlichkeit in Schlaggenwald. Seine Wiege stand in Gabhorn (Krs. Tepl), er wohnte aber mit seiner Familie in Pirkenhammer bei Karlsbad. Seinem Aussehen nach erinnerte er eher an einen Südländer als an einen Deutschen. Er hatte pechschwarzes Haar, ganz dunkle Augen und eine dunkle Gesichtsfarbe.
Sein Fotoatelier befand sich unterhalb des Hotels „Roter Ochsen" auf dem Grundstück des verstorbenen Dechants Hoyer in der Neustadt. Wochentags verdiente sich Herr Steidl seinen Lebensunterhalt mit dem Fotografieren von Kurgästen im Kaffee „Posthof" in Karlsbad. Nur am Wochenende übte er seine Tätigkeit in Schlaggenwald aus.
Sein Atelier bestand aus einem kleinen Vorraum, eine Art Büro. Gleich links vom Eingang war ein großer Spiegel, vor dem sich die Kunden zurechtmachen konnten. Dann kam der eigentliche Arbeitsraum, der auf der linken Seite aus einer Fensterfront bestand, an der weiße leinerne Vorhänge angebracht waren. Diese Vorhänge dienten dazu, bei starker Sonneneinstrahlung beim Fotografieren das richtige Licht herzustellen. Rechts führte eine Tür in ein kleines Gemach, der sogenannten Dunkelkammer.
Da ich einen Großteil meiner Kindheit im Dechanthaus in der Neustadt verlebte, war mir Herr Steidl persönlich sehr gut bekannt. Kam er doch desöfteren zu uns, z. B. im Winter, um sich etwas aufzuwärmen oder eine kleine Mahlzeit einzunehmen. Diesem Umstand verdanke ich es auch, daß ich von mir viele Fotografien aus Kindheitsjahren und auch noch von später besitze. Wenn es ihm gerade einfiel, hat er mich fotografiert.
Sein Hauptarbeitsgebiet war die Porträtfotografie, doch auch Gruppenbilder u. a. gehörten zu seiner Tätigkeit. So hat er z. B. einmal den Jugendbund fotografiert. Ich dürfte damals 8 - 10 Jahre alt gewesen sein. Herr Steidl ließ nicht locker, ich mußte mit ihm gehen und zwar wurde die Aufnahme gegenüber der Nitsche-Villa am unteren Galgenberghang gemacht. So kam ich mit auf das Bild des Jugendbundes. Die noch lebenden Mitglieder, die das Bild besitzen, werden dies bestätigen können.
Herr Steidl war ein sehr nervöser Mann. Bis ein Bild im Kasten war, dauerte es eine geraume Weile. Er verschwand dann immer unter einem schwarzen Tuch und kontrollierte mit kritischem Blick die Position des Kunden, denn es galt einmal den Kopf anders zu drehen, die Kleidung zu richten usw. Immer wieder verschwand er unter seinem schwarzen Tuch, das am Fotoapparat angebracht war. Dieser Apparat hatte natürlich mit den heutigen Geräten verglichen absolut keine Ähnlichkeit. Endlich schien alles zu stimmen. Er eilte in seine Dunkelkammer, kam mit einer großen Platte heraus, die er in den Apparat einschob und endlich war das Bild fertig. War eine Fotografie oder ein Brautbild besonders gut gelungen, so kam es mit Einwilligung des Kunden in den Schaukasten am Marktplatz am Pröckl-Haus. In der Hauptsache waren dies Brautbilder.
Nach der Vertreibung habe ich nichts mehr von Herrn Steidl gehört und ich nehme an, daß er nicht mehr unter den Lebenden weilt.
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Bei der Abfassung dieses Berichtes kam mir noch die Erinnerung an eine weitere Mitbewohnerin des Dechant-Hauses, an die Hüttner Wawi, die eine bekannte Kartenlegerin war. Sie bewohnte mit uns zusammen die untere Etage des Dechant-Hauses. Frau Hüttner lebte mit ihrer betagten Mutter zusammen, die fast erblindet war. Hüttner Wawi hatte einen großen Kundenkreis, Damen und auch Herren aus allen Schichten der Bevölkerung kamen zu ihr zum Kartenlegen.
Meine Erinnerung reicht zurück in die Zeit, als ich noch nicht zur Schule ging. Wenn meine Tanten abwesend waren oder Besorgungen machen mußten, kam ich in die Obhut von Hüttner Wawi. Wenn Kunden da waren, mußte ich ganz stillsitzen und ruhig sein. Die alte Frau saß in einem Lehnstuhl teilnahmslos am Fenster. Aber nach einer gewissen Zeit auf
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