Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 196
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Kdo jsou dnes sudetští Němci a co chtějí?

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dann will ich es selbst erfahren. Und wenn er ein anständiger Kerl ist, dann können mir und auch ihm unsere persönlichen Begegnungen nur Vorteil bringen. Sie wären in diesem Fall nicht nur eine Probe, sondern auch ein Anlaß, unsere gegenseitigen Beziehungen mit einem höheren ethischen und politischen Anspruch neu anzufangen, als es bei unseren Vorfahren der Fall war. Es wäre ein Blick in einen wahrscheinlich krummen (oder auch in einen richtigen) Spiegel. Aber wir würden ja sehen!

Ich möchte wissen: Was sind die Sudetendeutschen heute, wie haben sie sich entwickelt, und was wollen sie? Ich höre, daß sie immer weniger werden — aber sie existieren. Weiter höre ich, daß sie sich in Deutschland nicht ganz zu Hause fühlen und daß sie leider erst zu spät begriffen haben, daß sie ein eigenständiger Volksstamm sind, der nicht dorthin, sondern hierher gehört, sie sollen, so höre ich weiter von einem souveränen freien Europa oder von Mitteleuropa träumen — und das ist heute auch mein Traum. Ich möchte aber wissen: Ist das nicht nur eine List, hinter der sich ein neuer großdeutscher Traum versteckt, in dem wir Tschechen und Mährer wieder einmal keinen Platz bekommen — denn wir sind ja sowieso dazu verurteilt, uns im deutschen Meer aufzulösen? Oder haben die Sudetendeutschen aus der Geschichte, die ihnen einen noch böseren Streich als uns spielte, die richtige Lehre gezogen?

Ich begreife nicht, weshalb ich die Antworten auf meine Fragen nicht erfahren darf. Aber wie und wo soll ich sie erfahren? Auf den Seiten unserer Exilzeitschriften, die ich hier in der ČSSR ab und zu lesen kann? Aber zum sudetendeutschen Problem schweigen auch sie. Haben unsere Exilzeitschriften von unseren Vorfahren, die ja soviel in der Geschichte vermasselt haben, auch Angst bekommen? Oder wollen sie uns verschonen, weil sie meinen, wir seien für die Wahrheit zu schwach? Sind wir wirklich für eine volle Wahrheit zu schwach? Ich gestehe: Wir sind wirklich ein bißchen zu schwach geworden. Sollte ich mein Intersse für die sudetendeutsche Frage öffentlich aussprechen, würden mich bestimmt noch vor meiner Verhaftung durch die Geheimpolizei meine Mitbürger spontan und sanft belehren: Über diese Sache redet man bei uns nicht!

Der Standpunkt der älteren Generation zum sudetendeutschen Problem ist zu sehr mit der Vergangenheit verbunden, also mit dem, was geschehen ist. Mir geht es jedoch um die Zukunft, um das, was geschehen könnte, wenn... Ist eine bewaffnete Expedition der Westdeutschen (nehmen wir an mit den Österreichern) gegen ihre östlichen Nachbarn möglich oder wahrscheinlich? Was mich betrifft, scheint sie mir ausgeschlossen. Die heutige Politik der Westdeutschen erinnert mich zu sehr an die von den Westmächten 1938 betriebene Politik der „Befriedung", ans Appeasement. Einen Kampfgeist haben die Westdeutschen heute nicht mehr, sogar ihre eigene Verteidigung möchten sie lieber auf die Schultern der USA abwälzen. Ich kann mir daher ganz lebhaft vorstellen, wie sich die Armeen des Warschauer Paktes in den Westen wälzen, um den sowjetischen Sozialismus, den auch in Westeuropa keiner haben will, zu verbreiten. Dies wäre eine Bewegung einer bestimmt geistlosen, allerdings sehr wirksamen Kampfmaschine. Den Löwenanteil an einer solchen Operation müßte die sowjetische Armee übernehmen, denn die polnischen oder ungarischen Soldaten hätten zu einer solchen Verbreitung von Sozialismus keine Lust.

Und wie wäre es mit den Tschechoslowaken und mit Mährern? Die würden bestimmt auch nur lustlos mitmarschieren. Aber könnte in einem solchen Fall eine seit vier Jahrzehnten geschickt propagandistisch ausgenutzte Vorstellung vom Gespenst des sudetendeutschen Revanchismus nicht als eine Rechtfertigung für das Massakrieren von bayerischen Bürgern dienen?

Die Deutschen, Deutschland, die Sudeten und „sudětáci"... Was für ein Jammer, daß unsere slawischen Vorfahren unsere Nachbarn mit Beschimpfungen getauft haben!

(FAZ v. 29. 4. 1988)

Wer nicht weiß, woher er kommt, der kann seine Zukunft nicht gestalten!

LOTHAR SPÄTH

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