Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 196
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Kdo jsou dnes sudetští Němci a co chtějí?

Was sind die Sudetendeutschen heute, und was wollen sie?

Was sind die Sudetendeutschen heute, und was wollen sie?

Fragen, über die in der Tschechoslowakei nicht geredet wird / Von Bambibo di Praga

Dieser Beitrag erschien in der 82. Nummer (Jahrgang 1987) der bedeutendsten tschechischen Exilzeitschrift „Svedectvi" in Paris. Der Autor lebt in der Tschechoslowakei. Er wird in „Svedectvi" mit einem Decknamen bezeichnet. Die Übersetzung aus dem Tschechischen hat Ota Filip besorgt.

Wenn die Eltern ihrem Sohn befehlen, er solle nur ja nichts mit dem gleichaltrigen Jungen aus der Nachbarschaft anfangen, denn dessen Familie sei ein Lumpengesindel, und wenn die Leute nebenan über ihre Nachbarn dasselbe, nur in umgekehrter Richtung denken, dann geht zwischen den zwei Buben eine zwar unsichtbare, jedoch unüberwindliche Wand herunter. Jeder von ihnen spielt in seinem Sandkasten, sie begucken sich, aber der Wille ihrer Eltern hält sie im Zaum.

Doch die Zeit ändert so manches. Einmal werden die beiden Jungen einen gemeinsamen Weg in die Schule haben. Und weil sie zufällig am oberen Dorfrand wohnen, werden sie in den Auseinandersetzungen mit den Buben aus dem unteren Dorf einander unterstützen müssen. In dem Augenblick, da sie fähig werden, ihren eigenen Standpunkt zum Nachbarn zu überlegen und ihr eigenes Verhältnis zu ihm zu entwickeln, wäre es falsch, wenn sie sich immer blind dem Willen ihrer Eltern unterwürfen. Die Frage: Werden die Eltern der beiden Jungen es akzeptieren, bleibt natürlich offen. Sollten sie die Veränderungen in den Beziehungen zwischen ihrem Sohn und dem Jungen aus der Nachbarschaft nicht akzeptieren, würde das bedeuten, daß etwas nicht stimmt und die beiden Jungen müßten dann aus der verzwickten Lage einen vernünftigen Ausweg finden ohne dabei ihre Eltern zu verletzen.

Ich habe mir das Beispiel mit den zwei Jungen aus zwei verschiedenen Familien deswegen ausgedacht, weil ich über die Sudetendeutschen nachdenke. Und warum denke ich über die Sudetendeutschen nach und nicht über die Markomannen oder über andere Völker, die einst hier in Böhmen auch ihre Heimat hatten. Die Antwort ist einfach: Die Sudetendeutschen gibt es noch und ich habe gehört, daß auch sie ab und zu über uns nachdenken. Und die Dörfer und die Städte, wo sie einst gelebt haben, gibt es auch noch. Ihr Zeugnis sagt aber heute fast nichts mehr über die Vergangenheit aus, sondern viel über die schreckliche Wüste, die zurück bleibt, nachdem die Sudetendeutschen hatten weggehen müssen. Wenn ich mich eher zufällig in diese verwüstete Landschaft verirre, kommt sie mir vor wie ein Stück meiner Heimat, von einem barbarischen Feind geraubt und geplündert. Dieses unzufriedene, ja zornige Gefühl, in meiner Heimat plötzlich fremd zu sein, kommt von allein: Ich habe es nie zu beeinflussen versucht. Wenn mir meine Vorfahren dieses Gefühl übelnehmen sollten, müßte auch ich ihnen das übelnehmen.

Mit den Sudetendeutschen hatte ich nur einmal persönlichen Kontakt. Wir wanderten im Böhmerwald und kamen in ein sogenanntes Verwaltungsdorf, das von griesgrämigen, tschechisch sprechenden Menschen bewohnt war, die es seit 1945 nicht geschafft hatten, ihr Dorf und ihre Häuser in Ordnung zu halten und aufzuräumen. Ich besuchte den kleinen Dorffriedhof und sah dort alte, zerschlagene oder umgeworfene Grabsteine mit deutschen Aufschriften, auf der Erde lagen Menschenknochen herum. Es wurde mir klar: Ich bin in meiner Heimat, und sie wurde tatsächlich von Barbaren geschändet.

In diesem Augenblick fuhr ins Dorf ein Bus mit Touristen aus der Bundesrepublik. Die Touristen stiegen aus und gingen langsam zum Friedhof. Was sollte ich tun? Ich fühlte mich unangenehm überrascht oder wie bei einer Schandtat erwischt. Wie sollte ich den Besuchern aus der Bundesrepublik Deutschland erklären, daß ich mit dem verwüsteten Friedhof nichts zu tun habe. Sollte ich weglaufen? — Die Touristen betraten den Friedhof. Es waren ältere, unauffällige Leute. Eine Frau erzählte: „Meine Tochter, die ganz jung starb, liegt hier begraben." Sie grüßte mich, und zwar zuerst und tschechisch. „Dobry den!" (Guten Tag!) Ich weiß nicht mehr, wie ich es damals geschafft habe, den Friedhof zu verlassen und zu verschwinden.

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