Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 195
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Znovu jsem spatřila domov

Ich habe die Heimat wiedergesehen

Hermine Walter, geb. Palm

Keine Liebe schützt sie mehr . . .

Ich habe die Heimat wiedergesehen

(Fortsetzung und Schluß)

In Janessen wollte ich nachsehen, ob es das Haus von Onkel Robert noch gibt. Tatsächlich steht es noch da, armselig und abgebröckelt. Indessen im Vorgärtchen ein paar dürftige Ringelblumen hinwelkten, türmte sich hintenheraus das Gerümpel mannshoch. Als Gabriele zu fotografieren begann, wurde es hinter den Gardinen lebendig, weswegen wir schnell den ungastlichen Ort verließen. — Der Hornerberg ist wirklich nur noch ein Hügel ohne Umrisse. Im Nu fährt man schon wieder auf der anderen Seite herunter. Dabei wird der volle Blick auf das Kohlenrevier Falkenau-Neusattel frei. Es ist eine schreckliche Wunde, die sich hier auftut. Halden reihen sich an Halden, graue Werkhäuser stehen im aufgewühlten Boden, Schienenstränge liegen dazwischen und riesige Schornsteine, aus denen Unmengen von Ruß und Schwefel qualmen, ragen drohen in den blassen Himmel. Wir waren richtig froh, als wir dieses schaurige Bild hinter uns und die Burg von Elbogen vor uns hatten. Aber auch sie schien mir düsterer geworden zu sein. Der Marktplatz wird durch das „Weiße Rössel" etwas aufgehellt. Seine schöne Fassade hat einen neuen Anstrich bekommen. Die übrigen Häuser stehen jedoch vernachlässigt da. Vor dem Hotel parkten Autos mit Hochzeitsfähnchen. Der Brautwagen war aus Erlangen. Junge Leute in Nietenhosen umringten ihn. Später kam auch die Braut hinzu. Sie war ganz in weißer Spitze. Gegenüber ließen zwei Frauen ihre oberen Massen aus dem Fenster hängen und ihre schrillen Stimmen über die Weite des Platzes hallen. Ein junges Mädchen huschte in den nahen Fleischerladen, dessen Schaufenster mit alten Plakaten zugeklebt war. Außer einem kümmerlichen Buchladen, ist uns kein weiteres Geschäft mehr aufgefallen. Obwohl es Samstagvormittag war, gab es keine Hausfrauen mit Einkaufstaschen, keinen Plausch bei der Dreifaltigkeitssäule und auch kein Kindergeschrei durch die Gassen. Nur weil da und dort an den abweisenden Fenstern die Vorhänge bewegt wurden, war anzunehmen, daß Menschen dahinter wohnen. — Das liebe, kleine Zechtal ist sehr eng geworden. Wildes Gebüsch drängt sich ganz nah an die schmale Straße, und über die Hänge wuchert der Samenflug. Als erstes sah ich das Spitalkirchlein, dann den „Roten Ochsen", das Pflughaus, eine Schule und schließlich die St. Georgskirche. Sehr viel mehr ist von Schlaggenwald nicht übriggeblieben. Mauern, die für die Ewigkeit gebaut waren, sind von Barbaren einfach hinweggefegt worden. Über den Schutthügeln erinnert noch die Dreifaltigkeitssäule an jene Zeit, als Freude und Trauer an ihr vorbeigezogen sind. —

Als wir zum Friedhof kamen, begann es zu nieseln. Gegen Gfell zu krochen graue Nebel, und in mein Herz kroch dumpfer Schmerz. Zwischen hohem Gras und schiefen Steinen suchten wir das Grab meiner Großeltern, aber leider vergebens. Andreas tröstete mich mit Kleeblüten . . . Wir gingen dann noch um die Kirche herum, schauten durch das zerbrochene Fenster in die Sakristei, wo auf schmutzigem Boden fromme Bilder liegen, wir sahen den zugenagelten Eingang, die ausgewaschenen Mauern, durch die sich gefährliche Risse ziehen. Wir sahen hinauf zum Turm, an dem sich der morsche Umgang nur noch mühsam festhält, — aber wie lange noch? Mir wurde klar, wenn dieses Gotteshaus stürzt, dann reißt es das letzte Stück Heimat mit in die Tiefe. Der Blick zum Krudum kann längst nicht mehr über Wiesen und Äcker gleiten, er muß sich über verrußten Wohnsiedlungen und Schornsteinen seinen Weg suchen . . .

In Leßnitz erlebten wir eine Überraschung. Inmitten von urwaldhohen Bäumen stehen noch das Kirchlein, zwei Gehöfte und ein kleines freundliches Haus. An allen Ecken und Enden wurde gesägt, gehämmert und auf alten Mauern neue errichtet.

Unsere Fahrt nach Poschitzau war nahezu abenteuerlich. Das Sträßchen dorthin ist schmal und wird laufend schmäler. Gleich nach der Abzweigung von der Gfeller Straße hängt Müllgestank in der Luft. Man ist dabei, links die schöne grüne Mulde mit dem Abfall von

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