Osterbrief
OSTERBRIEF
Liebe Landsleute! Liebe Förderer und Wohltäter des Sudetendeutschen Priesterwerkes
Christfrohe, sieghafte Ostern!
Die Osternachtfeier mit der anschließenden „Alleluja-Messe" beginnt mit der Feuer- und Lichterweihe. Hinter der brennenden Osterkerze entzünden die Gläubigen auch ihre Kerzen. Im Glanz der Lichterkerzen singt dann der Priester das „Exsultet", den inhaltsreichen Lobgesang der Osternacht. Auf dem Weg durchs Gotteshaus zum Altarraum stimmt der Zelebrant den dreimaligen Lichtruf an: „Lumen Christi - Licht Christi! Die Gemeinde antwortet jedesmal „Deo gratis" - Dank sei Gott!"
Das dreimalige Lumen Christi ist eine eindrucksstarke Osterkurzpredigt: Das 1. Lumen Christi sagt uns: nicht die Sünde, sondern die Gnade hat das letzte Wort. Das 2. Lumen Christi jubelt: nicht das Leid, sondern die Freude hat das letzte Wort. Das 3. Lumen Christi bekennt: nicht der Tod, sondern das Leben hat das letzte Wort. Damit ist für die Heimatvertriebenen auch gesagt, daß nicht Heimatlosigkeit, sondern Heimat das letzte Wort hat.
So kann die Christenheit singen im Glauben, daß Gott das letzte Wort hat. Er ist der Gott des Lebens, dessen Allmacht und Güte schon jede Frühlingsblüte beweist.
Diese Osterzuversicht haben wir in unserer Stammheimat gerne auch volkstümlich zum Ausdruck gebracht - etwa in meiner Heimatpfarrei Hainspach, wo nach der Auferstehungsfeier die Fenster illuminiert wurden, bengalische Flammen die Häuser beleuchteten und auf Anhöhen große Laternenkreuze grüßten. Dabei zogen die Ostersänger und - am Festtag selbst - die Osterreiter durch die Gemeinde und kündeten als Herolde des auferstandenen Herrn das Oster-Credo bis hin zum entferntesten Hause:
„Der Heiland ist erstanden vom Tod aus Grabesbanden;
Er lebt, der Tröster aller Welt. Er hat gesiegt, der Gottesheld.
Alleluja, Alleluja, Alleluja!
Nun ist der Mensch gerettet; Versöhnung, Liebe kettet
den Himmel wieder an die Welt und schließt den Bund der ewig hält.
Alleluja, Alleluja, Alleluja.
Nun steh ich fest im Glauben; nichts kann den Trost mir rauben,
daß ich durch Jesu Auferstehn gleich ihm werd aus dem Grabe gehn.
Alleluja, Alleluja, Alleluja!"
Auch hier und heute wünschen wir uns christfrohe Ostern. Bleiben wir, auch in den Tiefen des Lebens und im grauen Alltag, österliche Menschen, Menschen, denen man den Osterglauben anmerkt. Dann dürfen wir uns auch sieghafte Ostern wünschen: Nach der Karsamstaggrabesstille bricht für die Kirche ein Ostermorgen an, wird auch die Kirche in der Tschechoslowakei Auferstehung erleben!
So darf an das österliche Gedicht „Zuversicht" erinnert werden, das uns unsere verdiente nordböhmische Dichterin Anneliese Ernst geschenkt hat:
Wohl immer wieder Winter — Nacht —,
doch immer neu der Tag erwacht
und
immer wieder Blumen blühn
und
immer wieder Wölkchen ziehn.
von neuem ihre Lieder die Vögel jubelnd singen
und
immer, immer wieder
Dir OSTERGLOCKEN klingen!
Prälat Dr. Braunstein
Besucht den Sudetendeutschen Tag 1986 zu Pfingsten in München
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