Egerländer Gmoi München — Einladung zum Maitanz
Einladung zum Maitanz
Am 3. Mai ist es wieder soweit, daß der Maibaum angetanzt wird. Wir rufen all Moidla u Weiwa, Manna u Boum auf, die Frühjahrsmüdigkeit abzustreifen und zum Maitanz zu kommen!
Also vormerken: 3. Mai 1986, ab 19 Uhr, im Mathäser Festsaal. Es spielen: Die Budweiser Blaskapelle und „Die Slowenkas" mit modernen Melodien. Es wirken mit: Alle Gruppen der Gmoi München und besonders unsere Gäste, der Ehrenpatenverein „Der lustige Wendlstoana Stamm 1884". Kartenvorbestellung bei Ernst Schultes, Tel. (089) 887265, Haberlandstr. 3/II, 8000 München 60.
Der Gromgöier (Wasserwart)
Der Gromgöier (Wasserwart)
Wer von uns Schlaggenwaldern und der näheren Umgebung weiß heute noch etwas von den „Grobmgöier", oder was dieser für eine Aufgabe hatte. Es dürfte nur wenige geben, die sich an diesen Titelträger erinnern können. Unter diesen Landsleuten war es Erich Häuser, der mich auf den Gedanken lenkte, darüber zu berichten. Der besagte Mann war mein Großvater väterlicherseits und hatte im sogenannten „Steigerhäusl", das dem Schützenverein in Schlaggenwald gehörte, seine Wohnstatt.
Welcher Schlaggenwalder oder Schlaggenwalderin kennt nicht unsere „Flut", die unser Städtchen durchteilte. Gar viele Gewerbebetriebe waren am beidseitigen Ufer angesiedelt. Vom Grabenhäusel in Schönfeld bis zur Mündung in die Eger reichte das Terrain des „Grobmgehers". Der Name dürfte wohl aussagen, was er auch bedeutet. Heute würde man sagen Wasserwart, dieser würde ein Angestellter des Wasserwirtschaftsamtes sein. Das Wasser ist mittlerweile Mangelware geworden, es muß damit hausgehalten werden.
Nun, der Grobmgeher war damals auch von der Bezirkshauptmannschaft eingesetzt gewesen. Die Aufgabe des Grobmgehers bestand darin, stets dafür Sorge zu tragen, daß alle an dem Flutbach angesiedelten Gewerbebetriebe stets genügend Wasserkraft — Sommers wie in der Winterzeit — zum Betreiben des Gewerbes zur Verfügung hatten. Zahlreiche Mühlen, Gerbereien und Fabriken benötigten das Wasser der Flut. War ein trockener Sommer, so mußte der Flut Wasser zugeführt werden, damit der Wasserstand gleichmäßig beibehalten werden konnte. Um eine genügende Wassermenge vorrätig zu haben, waren etliche Deiche angelegt gewesen. Da waren die Krudumteiche, deren abfließende Wasser vom Ebnetdeich geleitet wurden. Der zu den Krudumdeichen Wandernde, der an dem gut ausgebauten Graben entlang ging, hat sich gewiß an dem klaren, lispelnd dahinfließenden Wasser gefreut, das ihm glasklar entgegenströmte, das zielstrebig der Ebnet zufloß. Dort stürzte das überschüssige gestaute Wasser über einen Durchlaß in den einige Meter tiefer liegenden Graben, der das Wasser in den sogenannten „Sockdaom" führte. Das überschüssige Wasser floß dann zur Flut. Wenn nun Wassermangel auftrat, mußte aus diesen Reservoiren der Flut zugeleitet werden. Um das zu gewährleisten, mußte der „Gromgöier" die sogen. Zapfen, die sich in jedem Deich befanden, angehoben werden. Dann zog der Mann mit langer Leiter und einen unförmigen Metallschlüssel zu den Zapfstellen. Die Leiter brauchte er um trockenen Fußes zu den Zapfen zu gelangen und zurück auf den Damm. Die gleiche Prozedur war auch im Winter auszuführen, wenn längerer Frost das Wasser zurückhielt. Es hingen ja an dem Flutwasser sehr viele Gewerbebetriebe. Diese durfte keine Beeinträchtigung ihrer Tätigkeit ausgesetzt sein. Außer der einen Aufgabe oblag ihm auch die Aufsicht über die Fischzucht, die in den Deichen betrieben wurden. Es gab dort reichlich Karpfen und Schleien. Die Fischereirechte hatten einige Schönfelder Familien in Pacht. Wenn ich mich nicht irre, waren es die „Ruhs" mit Familiennamen. Natürlich hatte so mancher das Verlangen, sich so einen Karpfen oder eine Schleie anzueignen. Aber da war man nie sicher vor dem Gromgöier.
Zu was unsere Flut nützlich gewesen ist, versuche ich aus der Erinnerung wiederzugeben. In Schönfeld war die Gerberei Jordan, gleich darunter das Sägewerk Ruhs, dann kam das Bergwerk, das zum Erzwaschen eine große Anlage bis nach dem Ersten Weltkrieg betrieben hat. Ob die neben der Kreuzschule gelegene Rhusanlage auch das Wasser der Flut benutzt hat, weiß ich heute nicht mehr. Aber die ehemalige Porzellanfabrik Schindler, später Ing. Prosch, benutzte das Flutwasser zum Erzwaschen. Die Pochmühle existierte nicht mehr, auf der oberen Hub wurde das Wasser zur Holzwolleerzeugung des J. Müller (Kontraseff). Früher war dort eine Schraubenfabrik installiert gewesen. Weiter in der unteren Hub berieselte die Flut die Porzellanfabrik Grosser. Ob der Drechsler Müller an den Lauf des Flutwassers angeschlossen war, weiß ich nicht. Aber das so wichtige Naß benötigte die Porzellanfabrik F. Sommer. Von da aus floß das Wasser ungehindert zur oberen Gasse. Dort stand früher eine Sägemühle — existierte nicht mehr. Auf der Donner war ein überdeckter Kanal angelegt, der das Wasser zur Lederfabrik Roßmeissl durchfließen ließ. Dort wurde das Wasser nicht nur zur Lederbearbeitung benutzt, es wurde auch eine Turbine betrieben. Der erzeugte Strom wurde in das von Unterreichenau herangeführte Elektronetz eingeführt und somit die Elektrizität für unser Städtchen gewährleistet. Ein weiterer überdeckter Kanal war vor dem Anwesen des ehemaligen Schlossermeisters Trötscher, dieser leite das Wasser zum Mühldamm der Getreidemühle Bauer. In den Damm floß auch der Bach aus der Seifertgrün. Der Damm war für uns Buben ein oftmals aufgesuchter Spielplatz. Man konnte im Sommer in dem Wasser nach
Herzenslust „Matschen" und dabei die Gänse, die dort reichlich vorhanden waren, bei ihren Tauchkünsten bewundern. Nun schlängelte sich die Flut bis zur Gärberei Ubl. Dort war ein sogen. „Schütz" errichtet, Herr Ubl konnte bei Bedarf das Wasser stauen und die Felle reinigen, die in seiner Gerberei anfielen. Von da an konnte die Flut ohne weitere Hemmnisse über den Ortsteil Graben bis zum Ortsteil Gänsdörfl fließen. Wieder mußte sie an einen Kanal Wasser abgeben, das zur Märzmühle floß und die Mühlräder bewegen mußte. Nicht lange währte der freie Lauf. Ich weiß zwar nicht ob die Firma Nicsche Wasser von der Flut benötigt hat, aber ein Recht auf das Wasser hatte sie ganz bestimmt. Es mündete von dem Betrieb ein überdeckter Kanal in die Flut. Dort haben wir als Buben einmal eine Bisamratte mit Steinen erlegt, diese dann Herrn Ubl gebracht, wofür wir 12 Kč bekamen. Nur gut, daß uns nicht ein Jäger ertappt hatte, aber was wußten wir damals von Jagdgesetz und von jagdbaren Tieren. Dann leitete abermals ein Kanal das Wasser zur Schindelmühle. Es wurden dort zwar keine Schindeln mehr erzeugt, aber dafür Holzwolle. Anschließend betrieb das Wasser der Flut die Herrenmühle, darunter die Meitnermühle. Unweit der letztgenannten Mühle wurde das Wasser in einen Kanal zur Porzellanfabrik H. u. C. abgeleitet. Diese mußte sehr viel Wasser benötigt haben, denn das Flußbett war zu gewissen Jahreszeiten fast ausgetrocknet. Nun kann ich mich nur noch an eine Mühle erinnern, es war die Hornmühle, in der unteren Zech. Von da ab floß die Flut ungehindert zur Eger.
All die aufgezählten Gewerbebetriebe haben das Wasser unserer Flut nicht umsonst nutzen dürfen. Ich weiß aber nicht wie hoch die Gebühren waren, die entrichtet werden mußten. Für die Bezahlung der Wasserrechtsgebühren mußte der Gromgöier Sorge tragen. Auch ist mir nicht bekannt, ob die Gebühren von jedem angeschlossenen Wasserbenutzer 1/4jährlich oder 1/2jährlich erhoben werden mußten. An diesen Tagen mußte der Gromgöier jedem Betrieb seine Aufwartung machen und die Gebühren einziehen. Das kassierte Geld war auf der Bezirkshauptmannschaft abzuführen.
Außer dieser verantwortungsvollen Aufgabe hatte er für den ordentlichen Wasserlauf zu sorgen. Da mußten die mit hohem Gras bewachsenen Uferränder der Gräben gemäht werden, auch die Böschungen in gutem Zustand gehalten werden, das betraf aber nur die Gewässer, die von den Deichen herbeigeleitet waren. An der Flut selber hatte er nichts zu tun.
Diesen vorgeschilderten Posten hatte viele Jahrzehnte mein Großvater väterlicherseits inne. Nach seinem Ableben übernahm ihn der Sohn, der auch mein Pate war. Wer ihn nach seinem Ableben im Jahre 1932 übernommen hat, weiß ich nicht.
Nun sind fast alle Deiche verschwunden, und es wird auch keinen Gromgöier mehr geben. Viele Leser werden sich gerne an die Badezeit am Ebnet-Deich erinnern. Er ist nicht mehr. Auch viele der aufgeführten Anlagen für die Gewerbebetriebe existieren nicht mehr. Es ist schnell etwas zerstört, aber aufgebaut kann derartiges Kulturgut nicht mehr so schnell werden. Kein trautes Klappern der Mühle in der Stadt ist zu vernehmen und auch kein anheimelnder Geruch der frisch in die Grube gelegten Häute der Lederfabrik ist mehr wahrzunehmen. Die Menschen, die einstmals dem Gewerke nachgegangen sind, wurden gewaltsam vertrieben. Damit wurde das in vielen Jahrhunderten Aufgebaute zerstört und dem Verfall ausgesetzt. Die Vergangenheit soll ausgelöscht werden.
Richard Brummeissl
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